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Loßburg Die höchste Auszeichnung des Jahrhunderts

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Der mit 13 Mitgliedern stimmgewaltige Männergesangverein Concordia Lombach freut sich über die Anerkennung seines 100-jährigen musikalischen Tuns. Anwesend bei der Feier im kleinen Rahmen sind Ortsvorsteher Peter Weigold (links) von Lombach und der Loßburger Bürgermeister Christoph Enderle (rechts).Fotos: Fuchs Foto: Schwarzwälder Bote

Der Rahmen ist wesentlich kleiner als er sein sollte, das schmälert die Freude des MGV Concordia Lombach jedoch nicht. Der Verein erhält mit der Zelter-Plakette die höchste Auszeichnung, die Laienchöre überhaupt bekommen können.

Loßburg. Zum ersten Mal darf sich Bürgermeister Christoph Enderle hochoffiziell als Vertreter des Bundespräsidenten bezeichnen. Von diesem, so Enderle, könne man leider nicht erwarten, dass er extra nach Loßburg komme. Doch sicherlich hätte er dem Männergesangverein Concordia Lombach gerne die Zelter-Plakette verliehen. Unter den aktuellen Pandemie-Umständen, muss jedoch alles etwas anders laufen als für gewöhnlich.

"Nachdem die Feier zum 100-jährigen Jubiläum des MGV schon verschoben werden musste, habe ich nun zur Feierstunde in kleinem Rahmen eingeladen", erklärt Enderle und begrüßt die Sänger im Sitzungssaal des Rathauses. Damit hat er die wohl letzte Gelegenheit auf längere Zeit erwischt, da, wie allseits bekannt, am kommenden Montag die Corona-Regelungen verschärft werden. Und ein "Festakt light", so der Bürgermeister, sei immer noch besser als gar keiner.

Nachdem das Jubiläum vorbereitet und die Festschrift erstellt war und dann die große Ernüchterung folgte, beantragte Vereinsvorsitzender Jörg Ziegler die Zelter-Plakette für seinen Chor beim Bund. Er wünschte sich für seine Mitgliedern diese Wertschätzung besonders in den schwierigen Zeiten. Und sein Antrag war erfolgreich. So hält Bürgermeister Enderle nun die große, goldene Scheibe in den Händen, bereit, sie zu überreichen.

Verbundenheit, Kameradschaft und die Liebe zur Musik

"Die Zelter-Plakette zeigt auf der Vorderseite das Bildnis Carl Friedrich Zelters, auf den die Auszeichnung zurückgeht, und auf der Rückseite den Bundesadler mit der Umschrift ›Für Verdienste um Chorgesang und Volkslied‹", erklärt der Bürgermeister. Verliehen werde die Auszeichnung traditionell jedes Jahr drei Wochen vor Ostern an wechselnden Orten in Deutschland. Bei einem Festakt überreiche der Bundespräsident den Chören die Plakette und eine Urkunde. Wenn der Präsident verhindert sei, nehme der Kultur-Minister, die Verleihung vor. Und in Ausnahmesituationen wie dieser, liegt die hohe Aufgabe in den Händen des Bürgermeisters.

11 600 Chöre hätten die Auszeichnung seit ihren Anfängen, Mitte des 20. Jahrhunderts, erhalten, sagt Enderle. "Ein Chor muss mindestens 100 Jahre alt sein und sich besondere Verdienste um die Pflege der Chormusik und des deutschen Volksliedes erworben haben." Die 100-Jahres-Grenze habe der MGV eindeutig erreicht, schließlich sei leicht zu belegen, dass er 1920 mit 18 Sängern gegründet worden sei. "Aber wie steht es mit der Pflege der Volksmusik?", meint Enderle. Schon in den Anfangszeiten sei die Solidarität zum Verein groß gewesen. Ein Sänger habe damals seinen Lohn von 14 Tagen zur Verfügung gestellt, um eine Vereinsflagge zu beschaffen, die damals unbedingt zum Vereinsleben gehört habe. Und an dem Zusammenhalt habe sich nichts geändert. Oft, aber nicht immer sei das musikalische Tun nur von Erfolg gekrönt gewesen, aber davon haben sich die Mitglieder nicht beirren lassen. "Über die Jahre konnte man am Repertoire feilen und es vergrößern." Sogar einen Weltkrieg habe der Verein überstanden, um nach der schwersten Zeit musikalisch ungebrochen wieder in Erscheinung zu treten.

"Verbundenheit, die Pflege der Kameradschaft und die Liebe zur Musik haben letztendlich dazu geführt, dass diese Auszeichnung heute und hier möglich ist", freut sich Enderle und überreicht die Plakette mitsamt Urkunde an Ziegler. "Der Präsident hat in blau unterschrieben, obwohl er ein Roter ist", scherzt Enderle und lacht.

Mitglieder halten in schweren Zeiten zusammen

"Lasst euch durch die schwindende Zahl an Sängern nicht entmutigen", appelliert der Bürgermeister an den Verein. "Dass in den Schulen im Musikunterricht kaum noch gesungen wird, ist schade. Aber ich hoffe, dass ein Meinungswandel eintritt und den jüngeren Menschen bewusst wird, wie wertvoll Chormusik ist." Er beobachte mit Sorge, dass bei vielen Vereinen nach dem ersten Corona-Lockdown die Motivation fehle, wieder zu den Treffen zu kommen. "Der Gesangverein bereichert das Vereinsleben in Lombach und auch die Kulturlandschaft der Gemeinde."

Musikalisches gibt es angesichts der Umstände von dem mit 13 Sängern recht stimmgewaltigen Chor nicht zu hören, dafür meldet sich aber der Vorsitzende am Podium zu Wort. "Uns fehlt nicht die Motivation zum Weitermachen, wir freuen uns darauf", versichert Ziegler. "Die Umstände sind dennoch schwierig. Ab Montag dürfen wir uns nicht einmal mehr zum Stammtisch treffen", spricht er aus, was den Verein beschäftigt. "Wir müssen bei der Stange bleiben und trotzdem zusammenhalten. Wir stehen diese Zeit durch und dann werden wir irgendwann wieder singen dürfen."

Carl Friedrich Zelter (1758 bis 1832) war ein deutscher Musiker, Professor, Musikpädagoge, Komponist und Dirigent mit sehr großem kulturpolitischen Einfluss. Er gründete 1807 in der Sing-Akademie die Ripienschule für Instrumentalmusik und die sogenannten Freitagsmusiken und 1809 die erste Berliner Liedertafel, deren Meister er war. 1820 gründete er das Königliche Institut für Kirchenmusik. In den Jahren 1825 bis 1827 veranlasste und leitete er den Bau des Hauses seiner eigenen Sing-Akademie. Im Jahr 1909 stiftete die Berliner Liedertafel – ein von Zelter gegründeter Männerchor – die erste Zelter-Plakette für Verdienste um den deutschen Männergesang. Die Geschichte der Zelter-Plakette als staatliche Auszeichnung reicht in die 1920er Jahre zurück.

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