Alexander Stein und Christoph Keller destillieren in Betzweiler den Monkey 47 / In den Fußstapfen von Commander Montgomery Collins

Von Sylvia Wiegert Loßburg-Betzweiler. Der weltbeste Gin kommt nicht etwa aus England, sondern aus dem Schwarzwald und heißt Monkey 47.Zu diesem Ergebnis kam 2011 die Jury des International Wine & Spirit Competition (IWSC) bei einer Blindverkostung. Die Prämierung des Schwaben-Destillats fand ausgerechnet in der altehrwürdigen Gin-Stadt London statt – die Queen wird sich die Haare raufen.

"Wir haben im Schwarzwald zwar keinen englischen Humor, dafür aber den besten Gin", scherzt Alexander Stein, Chef der prämierten Black Forest Distillers, die ihren Firmensitz in Betzweiler haben. Vor drei Jahren hat der ehemalige Nokia-Manager dem Business den Rücken gekehrt, um eine "Schnapsidee" aufzugreifen, die ihren Ursprung im Juli 1945 hat.

Damals, so die Firmenlegende, wurde der in Indien aufgewachsene Commander Montgomery Collins von der Royal Air Force in den britischen Teil Berlins versetzt. Dort engagierte sich der Engländer nach Kriegsende beim Wiederaufbaubau des Berliner Zoos und übernahm die Patenschaft für einen Affen namens Max.

1951 schied Collins aus der Royal Air Force aus, blieb allerdings in Deutschland und ließ sich im Nordschwarzwald nieder. Als echter Brite wollte er auf ein gutes Glas Gin nicht verzichten und erkannte schnell: Diese Gegend hat vieles zu bieten, was man für das englische Nationalgetränk braucht – Kräuter, Beeren, Früchte und frisches Quellwasser.

Hinzu kamen noch exotische Gewürze, die er aus seiner Kindheit in Indien kannte. Und so kreierte Collins den ersten Black Forest Dry Gin, sozusagen eine Mischung aus Turban und Bollenhut, den er im Gedenken an seinen Berliner Affen "Max Monkey" nannte. Die Spur Collins verliert sich irgendwann in der Geschichte, doch in seine Fußstapfen sind jetzt Alexander Stein und sein Partner Christoph Keller getreten. Glück für Gin-Liebhaber, dass die beiden sich getroffen haben, denn sie sind Kenner.

Alexander Stein ist bei Hochprozentigem nicht unerfahren. Er kommt aus einer Spirituosenfamilie, die unter anderem Jacobi 1880 und Fernet Branca produzierte, und hat sozusagen den Alkohol im Blut. Christoph Keller gehört zu Europas hoch dekorierten Destillateuren.

Beiden hat es die Collins-Geschichte und die Idee vom Schwarzwald-Gin so angetan, dass sie mit dem alten Rezept zu tüfteln begannen. "Wir haben zwei Jahre lang experimentiert", erzählt Alexander Stein. 120 Testdestillationen wurden mit wechselnden Zutaten gemacht, bis die besten fünf Ergebnisse der Deutschen Barkeeper-Union bei einer Verkostung im Hotel Traube Tonbach vorgestellt wurden. "Wir wollten wissen, was die Experten davon halten", sagt Alexander Stein. Das Urteil konnte sich sehen lassen, und nach der Vorauswahl der Keeper wurde der Gin mit den Schwarzwald-Genen in Anlehnung an den alten "Monti" Collins Monkey 47 getauft.

Die Zahl im Namen steht für die Zutaten. 47 Kräuter, Gewürze und Beeren, so genannte Botanicals, vereint die Monkey-Rezeptur, darunter Wachholder, Zitronen, Preiselbeeren, Fichtensprossen, Angelika, Schlehen, Brombeer-Blätter und Holunder-Blüten. Gut ein Drittel der Zutaten stammen aus dem Schwarzwald und zählen normalerweise nicht zu den typischen Gin-Zutaten, die sich meist auf acht bis zwölf Gewürze beschränken, sagt Alexander Stein. Der Monkey sei ein Naturprodukt mit handverlesenen Rohstoffen, das vom Flascheninhalt bis zu Korken und Etikett von Hand gefertigt wird.

2010 haben Stein und Keller die ersten 2000 Flaschen ihres Black Forest Dry Gin abgefüllt und waren schon nach wenigen Tagen ausverkauft, denn in Kenner-Kreisen hat man auf den Affen mit der Schwarzwald-DNA regelrecht gewartet.

Im vergangenen Jahr kletterten die Verkaufszahlen dann steil nach oben, 50 000 Flaschen fanden reißenden Absatz – mehr konnten die Schwaben-Destiller nicht produzieren. "Wir waren immer ausverkauft, noch bevor die Flaschen abgefüllt waren", erzählt Stein, der seinen Monkey zwischenzeitlich in 18 Länder exportiert. Dass darunter jetzt auch England ist, freut ihn ganz besonders: "Ich hätte nie geglaubt, dass wir vom Schwarzwald aus mal die Briten mit Gin beliefern", lacht der "Affenvater".

Und wie schmeckt der Schwarzwald-Tropfen? "Exzentrisch, wie ein ganzer Kräutergarten mit der Spritzigkeit frischer Zitronen", schwärmt Stein. Na dann, Cheers Max Monkey!

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: