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Loßburg Corona-Krise: Edeka-Geschäftsführer kämpft gegen Maskenpflicht

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Der Edeka-Marktleiter ist überzeugt, dass das langzeitige Tragen der Atemschutzmasken für seine Mitarbeiter schädlich ist. Foto: Fuchs

Loßburg - Der Geschäftsführer eines Supermarkts widersetzt sich der Maskenpflicht. Damit fing alles an. Und es endete damit, dass nun zwei Dutzend Senioren in Loßburg keine Lebensmittellieferungen mehr bekommen. Wie eins zum anderen führte, überrascht. Mehr lesen Sie in unserem (SB+)Artikel.

Gerhardt Schweizer ist in einer prekären Lage. Und er ist nicht der einzige. "Ich bin 75 Jahre alt und pflege meine demenzkranke Frau", sagt er. "Wir haben beide Vorerkrankungen, gehören also zur Corona-Risikogruppe. Wir müssen vorsichtig sein." Er könne deshalb nicht einfach einkaufen gehen. Sowohl aus zeitlichen, als auch aus gesundheitlichen Gründen. Vor einigen Wochen entdeckte er ein Flugblatt vor der Apotheke. Es präsentierte ein gemeinsames Projekt vom "Allianz Team Loßburg" und dem "Edeka Team Loßburg". In einer Zusammenarbeit übernehmen Ehrenamtliche die Einkäufe für ältere Bürger und bringen sie bis zur Haustür, durfte Schweizer dort lesen. "Dieses Angebot war wie für uns gemacht", freute er sich.

Korb mit Lebensmitteln vor der Haustür

Und er hatte sich nicht zu viel versprochen. "Wir haben seitdem jeden Mittwoch einen Einkaufszettel und das Geld bei der Allianz vorbei gebracht und dann wurde uns ein Korb mit den Lebensmitteln vor die Haustür gestellt", erklärt der Rentner. "Ich kenne auch andere, die ebenso gute Erfahrungen gemacht haben." Einige von denen hätten eine derart schmale Rente, dass sie einen kostenpflichtigen Lieferservice gar nicht bezahlen könnten. Für jene entpuppte sich das Projekt als Segen in den Krisenzeiten – bis es schließlich vor rund drei Wochen plötzlich wieder abgeschafft wurde.

Schweizer bedauert das. "Uns Nutzern wurde erzählt, dass die Kühlkette nicht eingehalten wurde." Im Ort macht aber die Runde, dass es einen Vorfall gab: "Ich war zwar selbst nicht dabei. Aber ich habe von anderen gehört, was passiert sein soll: Landrat Klaus Michael Rückert, der in Loßburg wohnt, habe als Kunde den Edeka-Markt besucht und sei mit dem Marktleiter aneinander geraten." Kurz darauf sei der Lieferdienst eingestellt worden.

Ein lauter Disput, Fotos und Besuch vom Gesundheitsamt

Marktleiter Alexander Kebeck bestätigt das. Er erinnere sich noch gut daran. Der Landrat habe Markt-Mitarbeiter angetroffen, die keine Atemschutzmaske trugen. Darüber habe sich Rückert sehr aufgeregt, regelrecht "getobt und rumgeschrien", so Kebeck.

"Der Landrat kam als Privatperson in unser Geschäft", erzählt der Marktleiter. "Dann hat er einige meiner Mitarbeiter fotografiert und sich beschwert, weil diese keine Masken getragen haben." Eine Mitarbeiterin habe Kebeck angerufen, da er sich zu diesem Zeitpunkt selbst nicht in dem Markt befand, und das Telefon an Rückert weiter gereicht. Kebeck sagt, er habe den Landrat dazu aufgefordert, die Bilder unverzüglich zu löschen. Wie der Landrat den Vorfall erlebt hat, ist nicht in Erfahrung zu bringen. Er erlitt kurz darauf einen Kollaps beim Spaziergang im Wald. Mittlerweile ist er wieder im Dienst. Anfragen in dieser Sache beim Landratsamt blieben bislang jedoch unbeantwortet.

Kebeck sagt, er habe am darauffolgenden Dienstag einen Anruf von einer Behörde bekommen. Ihm sei gesagt worden, dass er sich "in den oberen Reihen Feinde gemacht" habe. Falls er der Maskenpflicht nicht nachkomme, könnten Geldstrafen bis 25 .000 Euro fällig werden. Im Laufe des Nachmittags seien Mitarbeitern des Ordnungsamts und von der Gewerbeaufsicht im Markt gewesen, so Kebeck.

Marktleiter befreit Mitarbeiter von Maskenpflicht

Der Marktleiter erklärt, er habe "alles getan, um seine Mitarbeiter und Kunden zu schützen". Von der Maskenpflicht habe er seine Mitarbeiter selbst befreit: "Denn ich bin davon überzeugt, dass das langzeitige Tragen dieser Atemschutzmasken schädlich ist." Er sei zwar kein Arzt, aber Experten hätten Bedenken geäußert. Das Atmen durch die Maske könne sich negativ auf den Kreislauf auswirken, Atemnot und Angstzustände hervorrufen, so Kebeck. "Und Ärzte sind heute schnell dabei, Patienten über längere Zeit krank zu schreiben." Der Handelsgruppe lägen schon einige Krankmeldungen vor. Das interne Krisenmanagement überlege schon, was getan werden müsse, wenn weitere Ausfälle folgten. "Vielleicht kann das Geschäft dann nur noch stundenweise geöffnet werden und dann wäre die Nahversorgung nicht mehr gewährleistet", befürchtet Kebeck. Dieses Problem ziehe sich durch den gesamten Einzelhandel. Im Sommer stiegen auch die Temperaturen unter den Masken.

Und was sagen die 28 Mitarbeiter dazu? "Zwei von ihnen tragen Masken freiwillig. Das unterstütze ich und statte sie gerne mit Masken aus", sagt er. Doch die große Mehrheit wolle und könne den Schutz nicht tragen. Und das sei zu respektieren, findet er. Dabei gehe es auch um Rechtsfragen. "Nur einmal angenommen, ein Kollege wird wegen der Maske bewusstlos, stürzt und verletzt sich. Wer haftet dann?" Kebeck bleibt dabei. Er will eine Aufhebung der Pflicht durchsetzen. "Mit den Vollzugsbehörden bin ich in Kontakt."

Oft werde ihm gesagt, in andern Berufen, etwa in der Pflege, werde immer Mundschutz getragen. "Das ist etwas völlig anderes", findet er. Für Mitarbeiter im Einzelhandel, die den ganzen Tag körperlich arbeiten, sei das unzumutbar. "Vielleicht werden die Regelungen morgen gelockert und das Problem löst sich von allein", meint er. "Aber bis dahin will ich mir nicht vorwerfen müssen, dass ich nicht genug getan habe. Es geht um meine Fürsorgepflicht den Mitarbeitern gegenüber." Einige Lichtblicke gebe es, meint Kebeck. "Vor ein paar Tagen hat Hamburg entschieden, die Mitarbeiter im Einzelhandel von der Maskenpflicht zu befreien. Österreich zieht bald nach." Es sei also gut möglich, dass diese Einstellung auch bald im Schwarzwald ankomme. "Auch der Handelsverband kämpft dafür."

Senioren bedauern das Aus für den Lieferservice

Edeka Loßburg treffe andere Vorkehrungen gegen die Ansteckungsgefahr. Ein Kundenzähler sei im Eingangsbereich montiert, um die maximale vorgeschriebene Kundenzahl nicht zu überschreiten. Sicherheitsabstände würden dadurch eingehalten, dass jeder Kunde einen Einkaufswagen nutzen müsse. In den ersten Wochen sei dies vom Mitarbeiter eines privaten Sicherheitsdiensts geregelt worden. Es gebe Desinfektionsspender, Hinweisschilder und Plakate zu Verhaltensregeln sowie Signalbänder am Boden. Vor den Kassen seien Plexiglasscheiben angebracht. An den Kassen gebe es Desinfektionsmittel für die Mitarbeiter, und in kleinere Räume wie den Leergutbereich werde jeweils nur eine Person gelassen. An den Bedientheken gebe es Absperrbänder für den Mindestabstand.

Was hat das alles aber nun mit dem abgeschafften Lieferservice zu tun? Kebeck sagt, er hat das selbst entschieden. Er stehe "nun sicherlich unter Beobachtung". Beim Ausliefern könne er nicht garantieren, dass die Kühlkette eingehalten werde. Wenn ein Kunde Tiefkühlkost kaufe, liege der Heimtransport in der eigenen Verantwortung. "Wenn wir liefern, ist es unsere. Demnach müssten wir die Waren selbst für einen Weg von fünf Minuten gekühlt halten." Ein Bußgeld wolle er nicht riskieren. Daher habe er den Lieferservice nach sechs Wochen wieder eingestellt.

Den Senioren nutzt das wenig. "Wir wohnen nicht weit vom Laden entfernt und Frau Buchholz von der Allianz Loßburg hat uns die Lebensmittel immer direkt vom Laden gebracht. Tiefgefrorenes war immer noch gefroren", so Schweizer. Für ihn ist das Problem unverständlich. Er dankt den Initiatoren des Projekts. "Es gibt keine Alternative für einen so guten und kostenlosen Dienst."

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