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Loßburg Blick ins Weltall begeistert sie schon immer

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Dieses Bild vom Vollmond gelang Josef Dettling.Foto: Dettling Foto: Schwarzwälder Bote

Rund eine Stunde dauert der Aufbau der Teleskope, bevor die beiden Hobby-Astronomen Mirko Keller und Josef Dettling einen Blick ins Weltall werfen können. Bei optimalen Bedingungen lohnt sich der Aufwand: Mond, Saturn und Milchstraße können genau betrachtet werden.

Loßburg-Schömberg/Baiersbronn/Dornhan-Leinstetten. Keller und Dettling sind seit frühester Kindheit von der Astronomie begeistert. Wann immer es die Zeit ermöglicht, sind sie auf der Jagd nach guten Fotos und fantastischen Einblicken.

"In der Kindheit habe ich die Apollo-Missionen mit großer Faszination begleitet, und nach der Sonnenfinsternis im Jahr 1999 musste dann ein eigenes Teleskop her", erinnert sich Josef Dettling. Seine Frau hat ihm das erste Tele­skop geschenkt. Er arbeitet im Bauamt der Gemeinde Baiersbronn, aber seine Lieblingsaussichtspunkte befinden sich in der Nähe seines Wohnorts in Leinstetten.

"Seit elf Jahren habe ich nun Kontakt mit Mirko Keller, und wir sind rund vier bis fünf Mal im Jahr gemeinsam unterwegs, um in die Sterne zu schauen", sagt Dettling.

Dieses Mal haben sie sich an einem Aussichtspunkt zwischen Schömberg und Loßburg verabredet, um den Vollmond zu sehen. "Wichtig sind immer die Lichtverhältnisse. Wenn es zu hell ist, kann man auch nicht viel sehen", erklärt Dettling. Die Lieblingsplätze der beiden Hobby-Astronomen liegen beim Spielplatz in Schömberg und beim Kaltenhof zwischen Oberiflingen und Leinstetten, verraten sie. "Dort ist die Aussicht am besten."

Wichtig sei das präzise Aufstellen und Ausrichten der Teleskope, sonst habe man keine Freude am Beobachten. Geduld und eine gewisse Wetterfestigkeit gehörten ebenfalls dazu. Nach rund zwei Stunden in der freien Natur ist der Mond zwar wunderbar zu erkennen, doch die Temperaturen sinken merklich.

In Mirko Keller hat Josef Dettling einen gleichgesinnten Interessierten und Kenner gefunden. Etwas bedauernd erzählt er, dass die Astronomie ihn als einzigen in der Familie interessiere: "Wir sind da eher musikalisch interessiert, ich selber bin E-Bassist und spiele Tuba, und auch der Rest meiner Familie ist sehr musikalisch."

"Ein ganz besonderes Erlebnis für mich war, als ich gerade durch mein Teleskop den aufgehenden Vollmond beobachtete und zwei Kampfjets durchflogen – die Kondensstreifen und die Maschinen waren so nah!", gerät Dettling ins Schwärmen.

Starlink-Projekt wird Nachthimmel verändern

Zu seinen Favoriten am Himmel gehören die Andromeda-Galaxie und der Mond. "Die Galaxien sind über 2,5 Millionen Lichtjahre von der Erde entfernt, und ich finde es faszinierend, sie durch ein Tele­skop so gut sehen zu können. Die Entfernung ist kaum vorstellbar", sagt Dettling.

Mirko Keller arbeitet in Aichhalden als Elektriker und ist ebenfalls seit seiner Kindheit von der Astronomie begeistert. "Er ist der ›Checker‹ von uns beiden", sagt Dettling über Keller. "Während ich mein computergesteuertes Teleskop brauche, um die Objekte zu finden, orientiert sich Mirko frei am Sternenhimmel. Er ist sehr belesen und kennt sich einfach auch mit dem Fotografieren aus. Optik, Nachführung, Fotografieren, das ›Stacken‹, also die Bildnachbearbeitung – all das sind seine Spezialgebiete."

Keller hat gleich eine komplette Fotoausrüstung am neuen Hightech-Teleskop angebracht. Das Fotografieren der Sterne und Planeten ist für ihn Faszination und Herausforderung zugleich. "Es dauert schon mal drei bis vier Stunden, bis ein gutes Foto gelingt, da muss man geduldig sein und auch Glück haben", erzählt er. 400 bis 800 Euro koste eine Einsteigerausrüstung, Geräte für Profis könnten schon bei mehreren tausend Euro liegen.

Josef Dettling nutzt sein Wissen und auch die guten Fotos seines Freundes für Vorträge. Dabei stößt er oft auf großes Staunen darüber, was durch ein Teleskop so alles sichtbar wird. Er findet auch mahnende Worte: "Wir haben nur eine Erde. Das Fliegen zu anderen Sternen und Planeten ist alles ›Science Fiction‹. Selbst mit der schnellsten Raumsonde der Nasa, ›New Horizon‹, die 50 000 Kilometer pro Stunde durch das All unterwegs ist, bräuchte man zum nächstgelegenen Stern Proxima Centauri in vier Lichtjahren Entfernung mindestens 92 000 Jahre. Mit den uns zur Verfügung stehenden technischen Mitteln ist das nicht machbar."

Mirko Keller ist überzeugt, dass das Starlink-Projekt des US-Raumfahrtunternehmens SpaceX unter Elon Musk mit über 40 000 Satelliten den Sternenhimmel in den kommenden Jahren total verändern wird: "Es wird nicht nur den Wissenschaftlern und Hobby-Astronomen Probleme beim Fotografieren bereiten, es wird auch viel mehr Weltraumschrott geben, der die Raumfahrt allgemein gefährdet." Einige der Satelliten könne man jetzt schon mit bloßem Auge beobachten. "Sie sehen aus wie eine Lichterkette, die am Himmel entlang fliegt."

Auf seine jüngsten gelungenen Fotos ist Keller besonders stolz. "Vor rund vier Wochen ist es mir gelungen, die Plejaden, also einen offenen Sternhaufen, zu fotografieren", berichtet er.

Die beiden Hobby-Astronomen würden sich freuen, wenn sich noch weitere Gleichgesinnte finden würden, die von der Astronomie so begeistert sind wie sie. "Es wäre toll, wenn sich eine Gruppe hier im Kreis bilden würde", sagen beide unisono. Interessierte können sich per E-Mail an mkeller1@live.de oder dettling-josef@web.de jederzeit melden.

Während des Gesprächs hat sich der Mond ganz still an den Himmel geschoben. Beim Blick durch das Teleskop kann man nur staunen. Fast zum Greifen nah sieht die grauliche Oberfläche an diesem Abend aus, beeindruckend und fremd, aber faszinierend genug, um zu verstehen, dass die Astronomie einen durchaus in den Bann ziehen kann.

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