Günther Muth hatte als Kämmerer viele Aufgaben. Auch war er Kurator für die Kunststiftung Hemberger, von der das Kunstwerk im Sitzungssaal des Rathauses stammt.Foto: Fuchs Foto: Schwarzwälder Bote

Porträt: Kämmerer Günter Muth blickt auf mehr als vier Jahrzehnte im Rathaus zurück / Beruf als spannend und vielseitig erlebt

Er war 50 Jahre lang im öffentlichen Dienst tätig, 45 Jahre davon in Loßburg, wo er unter drei Bürgermeistern arbeitete: Günter Muth blickt auf einen beachtlichen Berufsweg zurück. Und der war lange nicht so trocken, wie man es bei einem Kämmerer vermuten würde.

Loßburg. Über mehr als vier Jahrzehnte konnte Günter Muth zusehen, wer im Loßburger Rathaus gekommen und gegangen ist und wie sich die Gemeinde weiterentwickelt hat. Angefangen hat er in der Finanzabteilung noch mit einer mechanischen Schreibmaschine und musste das Sachbuch von Hand aufrechnen. Der erste PC im alten Rathaus habe dann schon viel Erleichterung gebracht. Und der Umzug ins neue Rathaus im Jahr 2003 erst recht.

"Das alte Rathaus ist jetzt ein Museum", sagt Muth. "Das sagt schon alles über den baulichen Zustand aus." Der Umzug sei damals ein Mammutprojekt gewesen. "Es ist schon aufwendig, privat umzuziehen. Aber mit einer ganzen Verwaltung, und zwar so, dass der Bürger davon möglichst wenig mitbekommt, ist eine Herausforderung." Aber es habe sich gelohnt. Immerhin gebe es jetzt dank Tiefgarage sogar Parkplätze, lobt Muth.

In weniger guter Erinnerung hat der baldige Ex-Kämmerer die Wirtschaftskrise 2009. Loßburg sei von der Gewerbesteuer abhängig und davon sei ein Großteil weggebrochen. Davor sei der Ort finanziell immer gut aufgestellt gewesen und habe sich auch danach wieder gefangen. Aber die etwa zwei Jahre dazwischen seien von vielen schlaflosen Nächten geprägt gewesen. "Wir mussten alle freiwilligen Leistungen auf ein Minimum reduzieren. Es war nicht einmal mehr Geld da, um die Gehälter zu bezahlen. Ich hatte ein leeres Konto", blickt Muth zurück. "Ich musste Kassenkredite für die normalen Aufwendungen aufnehmen. Und wir mussten damit zum ersten Mal Fehlbeträge ausweisen." Umso glücklicher sei er, dass es für Loßburg danach wieder bergauf ging. Bis 2019 habe die Gemeinde bei den Gewerbesteuereinnahmen Rekordeinnahmen vorweisen können.

Mit den finanziellen Herausforderungen, die zukünftig anstehen, beschäftigt sich Muths Nachfolger Alexander Hoffarth, mit dem Muth auch schon das Büro getauscht hat. Ebenso mit den weiteren Umstellungen innerhalb der Finanzarbeit. "In die doppische Haushaltsführung habe ich mich gar nicht mehr wirklich eingearbeitet", sagt Muth. "Mein Nachfolger dagegen kann das sehr gut, weil er die Kameralistik gar nicht mehr lernt." Die Übergabe gestaltet sich in dieser Hinsicht also praktisch. Allgemein habe sich mit dem aufstrebenden jungen Hoffarth eine gute Gelegenheit ergeben, so langsam auszusteigen. "Ich bin jetzt 67 und hätte schon längst aufhören können", so Muth. Aber er habe einen "weichen Übergang" schaffen wollen.

Mit Leib und Seele auf dem Rathaus

Bis Ende August kümmert Muth sich noch um die Liegenschaften und Grundstücksverhandlungen, während Hoffarth die Finanzen schon übernommen hat. Dass er längst bekannt sei im Ort, komme ihm bei den Grundstücksverhandlungen zugute. Die Menschen merken, dass Muth sich auskenne und es gebe immer Gesprächsthemen. Er sei bis zum Sommer damit noch gut ausgelastet.

Und danach? "Das muss man auf sich zukommen lassen", sagt Muth. "Irgendwann ist der Keller aufgeräumt, alle Fotos sind sortiert und die alte Eisenbahn ist wieder aufgebaut. Aber das ist ja nichts im Vergleich zu dem Zeitvakuum, das sich auftut, wenn ich dann keine zehn Stunden am Tag mehr auf dem Rathaus verbringe." Dennoch klebe er nicht an seinem Stuhl. Alles habe seine Zeit, das wisse man schließlich von Anfang an. Muth blickt geteilt auf die bevorstehende Pensionierung. "Ich bin mit Leib und Seele auf dem Rathaus, habe die Gemeinde über die Jahre mitgestaltet und erinnere mich gerne an die Highlights, die ich hier erlebt habe." Gleichzeitig finde er es auch schön, wieder selbst Herr seiner Zeit zu sein.

Der 67-Jährige ist nicht der nüchterne Zahlenmensch, den man hinter einem Kämmerer vermutet. Er ist gesellig, plaudert gerne und geht offen auf Fremde zu. Außerdem sei sein Beruf gar nicht trocken, widerspricht Muth. Er treffe täglich Menschen und lerne immer neue kennen dank seiner Fülle an Aufgaben. "Ich war Fachbeamter für Finanzwesen, habe mich um die größten Ersatzbeschaffungen für die Feuerwehr gekümmert, um Jagd-Pachtverträge, Liegenschaften mitsamt Grundstücksverhandlungen, um den Gemeindewald, um Vereinsförderungen, war innendienstlicher Vertreter des Bürgermeisters, kümmerte mich um die Stiftungen", zählt er die vielseitigen Aufgaben auf, die er inne hatte. Und die Liste ist noch längst nicht zu Ende. Er ist unter anderem auch Kurator der Kunststiftung Hemberger. Er sei auch privat recht kunstaffin, erklärt er. Und nicht nur das, auch musikalisch ist er begabt.

Auf Wanderungen, Grillfesten oder Feiern, die die Verwaltung hin und wieder veranstaltete, holte er in ruhigen Momenten gerne seine Gitarre heraus und gab die passenden Lieder zum Besten. "Ich habe mal ein Volksliederbuch entwickelt und es 30 Mal ausgedruckt. Bei passenden Anlässen wird das herausgeholt und dann spiele ich Gitarre und die Kollegen singen mit."

Das gesellige Miteinander ist einer der Hauptgründe für seine Liebe zum Arbeitsplatz. "Arbeitszeit ist auch Lebenszeit", sagt er. "Deswegen sollte man die Arbeit nicht nur als Job sehen, sondern sie so gestalten, dass man gerne hingeht."

Von Partnergemeinden viel gelernt

Besonders am Herzen liegen ihm die Städtepartnerschaften mit Anse (Frankreich) und Harta (Ungarn) und die gegenseitigen Besuche. "Es ist spannend, sich anzuschauen, wie sich andere Gemeinden organisieren", sagt Muth. Von den ungarischen und französischen Partnern lasse sich aber noch mehr lernen. "Die Gastfreundschaft und Freundlichkeit dort sind überwältigend. Es ist wirklich schade, dass durch Corona gerade alles lahm liegt", sagt Muth und lässt den Blick durch den Sitzungssaal schweifen. Es ist alles für die Landtagswahl vorbereitet, der Raum ist geteilt, die Tische und Desinfektionsständer aufgestellt. Das hat die Verwaltung einiges an Arbeit gekostet. Ebenso wie der Aufbau des Schnelltestzentrums nebenan im Kinzighaus. Bis zu Muths Abschied nach dem Sommer steht noch einiges an.

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