Eine wechselhafte Geschichte weist die Lorenzkirche in St. Georgen auf. Am Sonntag gibt es einen Festgottesdienst zur ersten urkundlichen Erwähnung vor 750 Jahren.
Am Sonntag, 14. Dezember, wird mit einem ökumenischen Festgottesdienst um 10.30 Uhr in der Lorenzkirche der ersten urkundlichen Erwähnung des Gotteshauses vor 750 Jahren gedacht.
Die Anfänge der Lorenzkirche liegen im Dunkel der Geschichte. Ungewöhnlich wenig ist über ihre Ursprünge bekannt. Wann und mit welcher Funktion an dieser Stelle erstmals ein Gotteshaus errichtet wurde, wie groß es war und wie es ausgesehen hat, ist nicht bekannt.
Die erstmalige urkundliche Erwähnung der Lorenzkirche findet sich in der Liber decimationis des Bistums Konstanz. Diese ist ein zum Zweck der Einziehung eines päpstlichen Kreuzzugszehnts 1275 in lateinischer Sprache angelegtes Amtsbuch, das einen weitgehend vollständigen Überblick über die damals bestehenden Pfarreien und Klöster des Bistums vermittelt.
Nähere Informationen und Daten zur Baugeschichte finden sich erst ab Mitte des 17. Jahrhunderts. So war die Kirche nach den Jahren des Dreißigjährigen Krieges ziemlich baufällig geworden. Über den Turm hieß es damals, es seien durch Wind, Regen und Schnee schon Risse in das Gemäuer gekommen und große Steine heruntergefallen, Glocken und Uhr einer großen Gefahr ausgesetzt. Es folgte ein weitgehender Neubau des Turms, der 1681 mit der Deckung des Daches und dem Einbau eines neuen Glockenstuhls seiner Vollendung entgegen ging.
Große Pläne für Ruine der ehemaligen Klosterkirche
Eine kühne Idee kam um die Mitte des 19. Jahrhundert auf. Anscheinend war die Lorenzkirche damals in keinem besonders guten Zustand. Es wurde die Idee geboren, keine Reparaturen und Umbauten an der Kirche vorzunehmen, sondern gleich ein ganz neues Gotteshaus zu bauen, und zwar in riesigen Dimensionen: Die damals noch erhaltene Ruine der ehemaligen Klosterkirche sollte als neue evangelische Pfarrkirche wieder aufgebaut werden. Ein verlockender Gedanke, der jedoch nie realisiert wurde.
Ein Schicksalstag für St. Georgen war der 19. September 1865, als beim großen Stadtbrand zahlreiche Häuser und auch die Lorenzkirche in Schutt und Asche versanken. Nur der Kirchturm konnte mit größter Anstrengung gerettet werden, wurde aber ebenfalls beschädigt. Dies war auch der Grund, weshalb die Kirche schließlich wieder am alten Platz neu aufgebaut wurde, da durch den noch stehenden alten Kirchturm entsprechende Kosten eingespart werden konnten.
Kritik am optischen Erscheinungsbild
Der Grundstein zum Kirchenneubau wurde am 20. Juni 1866 gelegt. Die Bauarbeiten gingen zügig voran, und bereits am 27. Oktober 1867 konnte die neue Kirche eingeweiht werden. Die Baukosten beliefen sich auf 58 603 Gulden.
Kaum war die neue große Kirche fertiggestellt, gab es schon Kritik am optischen Erscheinungsbild. Der alte Turm, der den Brand 1865 überdauert hatte, und das neue Kirchenschiff standen in keinem guten Größenverhältnis zueinander. Am 19. Januar 1898 beschloss der Kirchengemeinderat mit 33 gegen vier Stimmen den Neubau des Kirchturms.
Neubau des Kirchturms in neugotischen Formen
Im Frühjahr 1900 wurde mit dem Bauvorhaben begonnen. Dem Abbruch der baufälligen oberen Geschosse folgte der Neubau des Kirchturms in gefälligen neugotischen Formen. Der Bau kam rasch voran, und am Konfirmationstag 1901 war Turm- und Glockenweihe. Mit dem weithin sichtbaren, 57 Meter hohen Turm hatte die Lorenzkirche ihre äußere Gestalt bekommen, die im Wesentlichen bis heute unverändert ist.
Im Inneren wurde die Kirche 1914 renoviert. Um dies finanzieren zu können, wurden die beim Brand 1865 geretteten Teile des ehemaligen gotischen Hochaltares für 30 000 Mark an die Staatliche Kunsthalle in Karlsruhe verkauft, wo sie sich heute noch befinden. 1962 gab es erneut eine Innenrenovierung. Im Geschmack der damaligen Zeit wurde das Innere umgestaltet und modernisiert. Die alte Ausmalung verschwand unter einem schlichten Anstrich, moderne Glasbetonfenster ersetzten die Fenster im Chorraum.
Umfassende Renovierungsarbeiten
Im Laufe der folgenden Jahrzehnte nagte der Zahn der Zeit an der Lorenzkirche. Am 25. November 1983 entschloss sich der Kirchengemeinderat für eine Gesamtrenovierung, die über mehrere Jahren bis 1998 in verschiedenen Abschnitten erfolgte. 1987 mussten die Emporen saniert werden. 1989 folgte die Außenrenovierung des Kirchenschiffs. Im Frühjahr 1990 startete die umfassende Sanierung des Kirchturms.
Nach einer längeren Pause wurde 1998 eine umfassende Innenrenovierung in Angriff genommen. Der Kirchenraum sollte nicht nur aufgefrischt, sondern auch den heutigen Bedürfnissen angepasst werden. Die Wände erhielten einen frischen und hellen Anstrich. Die Holzdecke im Kirchenschiff bekam ein kräftiges Blau. Am 13. Dezember 1998 wurde die Kirche nach rund siebenmonatiger Bauzeit mit einem Festgottesdienst wieder eröffnet.