Schwäche und schnelle Erschöpfung können zu den Langzeitfolgen einer SARS-CoV-2-Infektion gehören. (Symbolbild) Foto: AOK

Anhaltende Erschöpfung, geringe Belastbarkeit und diffuse Beschwerden: Long Covid verändert das Leben vieler Betroffener dauerhaft – auch im Schwarzwald-Baar-Kreis.

Schwäche und schnelle Erschöpfung, eingeschränkte Belastbarkeit, Konzentrations- und Gedächtnisprobleme sowie anhaltende Atem- und Muskelbeschwerden: Langzeitfolgen einer SARS-CoV-2-Infektion können unterschiedliche Organsysteme betreffen und sich bei den betroffenen Personen sehr unterschiedlich äußern. Gemeinsam haben alle Betroffenen allerdings eines – ihre Lebensqualität und ihr Alltag sind beeinträchtigt.

 

Im Schwarzwald-Baar-Kreis waren im vergangenen Jahr 252 Versicherte der AOK wegen Long Covid in ärztlicher Behandlung – 153 von ihnen waren Frauen, so eine Pressemitteilung der AOK.

„Von Long Covid scheinen Mädchen und Frauen häufiger als Jungen und Männer betroffen zu sein“, sagt Alexandra Isaksson, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie bei der AOK Baden-Württemberg.

„Unter Long Covid werden längerfristige, gesundheitliche Beeinträchtigungen im Anschluss an eine SARS-CoV-2-Infektion verstanden, die über die akute Krankheitsphase von vier Wochen hinaus andauern“, so die Ärztin weiter.

Häufiger Long Covid bei schwerer Infektion

Insbesondere nach einer schweren Infektion können die Beschwerden monatelang andauern. „Erwachsene, die wegen einer SARS-CoV-2-Infektion im Krankenhaus behandelt wurden, haben häufiger Long Covid als dies bei Personen mit milden oder wenig symptomatischen Verläufen der Fall ist“, erläutert Isaksson.

Aber auch milde oder sogar symptomlos verlaufene SARS-CoV-2-Infektionen können nach aktuellem Wissensstand Langzeitfolgen haben. Es gibt Hinweise darauf, dass eine SARS-CoV-2-Infektion als mögliche Folge zu Beeinträchtigungen der Lungen- und Nierenfunktion sowie zu einer Zunahme anderer Gesundheitsprobleme, wie zum Beispiel Herz-Kreislauferkrankungen, führen könnte.

Bei einem Teil der Betroffenen tritt als Langzeitfolge eine schwere chronische Beeinträchtigung der körperlichen und psychischen Funktionsfähigkeit auf, die Ähnlichkeit mit dem chronischen Erschöpfungssyndrom hat. Die Ursachen für dieses Syndrom sind bislang ungeklärt, aber Immunreaktionen nach Virusinfektionen spielen nach bisherigen Erkenntnissen eine wichtige Rolle.

Die zugrundeliegenden Ursachen

Die zugrundeliegenden Ursachen von Long Covid sind bislang nur unzureichend verstanden, was die Diagnostik und Behandlung von Langzeitfolgen erschwert. Für Betroffene ist der Hausarzt oft die erste Anlaufstelle.

„Eine spezifische medikamentöse Therapie existiert aktuell leider noch nicht, so dass die Betroffenen symptomatisch behandelt und in ihrer Alltagsfähigkeit unterstützt werden“, meint Isaksson.

Aufgrund der häufig mehrere Organe betreffenden Symptomatik sei eine interdisziplinäre Versorgung sinnvoll. „Für Schwerstbetroffene oder Patienten mit komplexem Versorgungsbedarf wird eine Behandlung in Spezialambulanzen empfohlen“, so die AOK-Expertin weiter.

Die Versorgung von Long Covid

Für eine verbesserte, bedarfsgerechte und zeitnahe Versorgung wurde Ende 2023 die Long-Covid-Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschuss veröffentlicht. Hier sind der Ablauf der Diagnostik und Behandlung sowie Regelungen für die berufsgruppenübergreifende, koordinierte und strukturierte Versorgung beschrieben.

„Um die Versorgung von Long Covid zu verbessern, werden aktuell in Deutschland und international viele Medikamenten- und Therapiestudien durchgeführt“, erklärt die Fachärztin.

Die AOK Baden-Württemberg unterstützt Betroffene mit dem Programm „Long Covid Coach“ – ein Gemeinschaftsprojekt des Universitätsklinikums Heidelberg und des AOK-Bundesverbandes, mit Unterstützung der Rehaklinik Heidelberg-Königstuhl. Das Programm bietet einen Überblick über die Erkrankung, Therapiemöglichkeiten und Übungen zur Linderung von Beschwerden.