Der Tuninger Emil Klaiber ist sich sicher: Wo einst genau der Standort der alten St.-Gallus-Kirche war, lässt sich heute nicht mehr mit Gewissheit sagen. Fest steht nur: Es gab sie definitiv und sie hatte eine wechselvolle Geschichte.
Geschichtsdaten, die 1997 in der Heimatchronik Tuningen veröffentlicht und danach in den digitalen Zeitspiegel von 2019 übernommen wurden, entsprachen dem damaligen Kenntnisstand.
Doch bereits bei der Ausarbeitung des digitalen Zeitspiegels seien Zweifel an der Richtigkeit einiger Angaben entstanden, sagt der Tuninger Emil Klaiber. Also forschte er genauer nach. Ergebnis: Der in allen seitherigen Veröffentlichungen angegebene Standort der ehemaligen Tuninger Wallfahrtskirche kann nicht zutreffen.
Die vielfach und weit verbreiteten Druckstücke können aber nicht mehr geändert werden, weshalb es ihm wichtig ist, die Berichtigung den heimatgeschichtlich Interessierten jetzt auf diese Weise mitzuteilen.
Beleg nur für die Existenz
Die Existenz der ehemaligen Tuninger Kirche St. Gallus ist, wie seither schon bekannt, eindeutig belegt. Es gibt jedoch kein historisches Dokument, aus dem die genaue Lage der Kirche und ihr Baujahr hervorgehen.
Ab etwa 759 nach Christus erhielt das Kloster St. Gallen Schenkungen aus der Tuninger Umgebung, mit der Folge, dass das Kloster hier eine Kirche baute. Möglicherweise entstand diese schon um 770 nach Christus, also vor der Gründung der umliegenden Dörfer.
Demnach war sie die Kirche der damaligen Hofbewohner der Umgebung. Die St.-Gallus-Kirche war ursprünglich eine Eigenkirche des Klosters St. Gallen, welches bis ins 13. Jahrhundert das Zehntrecht von Tuningen hatte.
Im 14. Jahrhundert sehr bedeutend
Nachdem das Kloster das Tuninger Zehntrecht verlor, ging dieses an die Herren von Lupfen, wodurch die außerhalb Tuningens stehende Kirche zum Bistum Konstanz kam und im Jahr 1338 zu einer bedeutenden Wallfahrtskirche wurde. In der Folge der Reformation verlor sie jedoch ihre Bedeutung und ging spätestens im Dreißigjährigen Krieg ab.
Noch lange nach der Zerstörung der Tuninger St. Gallus-Kirche gab es keine Landvermessung, folglich auch keine Flurkarten und keine Grundstücksnummern.
Erst im Jahr 1808 erstellte der Tuninger Feldmesser Johann Jacob Erchinger, im Auftrag und zur Klärung der Grenzsituation zwischen Württemberg und Baden, eine erste Handzeichnung.
Bei Anfertigung dieser selbstverständlich noch unmaßstäblichen Skizze konnte Erchinger von der schon längst zerfallenen und vergessenen Kirche nichts gewusst haben. Folglich wurde sie in seiner Skizze auch nicht eingetragen. In allen ab 1839 veröffentlichten offiziellen Flurkarten ist die Kirche ebenfalls nicht zu finden. Damals bestand die ehemalige Wallfahrtskirche schon seit einigen Jahrhunderten nicht mehr.
„Der Dichtung zuzuordnen“
Nach einer alten Pfarrbeschreibung und nach den heute noch bekannten alten Flurnamen müsste sie irgendwo am alten Weg, der von Tuningen nach Sunthausen über den Zaisenberg führte, zu suchen sein. Unter Berücksichtigung dieses Sachverhalts kann der Standort der Tuninger St.-Gallus-Kirche nicht im Vogelösch und gewiss nicht auf den Flurstücken mit den Parzellennummern 1843 I und 1844 gestanden haben. Grundstücke wurden erst nummeriert, nachdem das Land vermessen war.
„Alle seitherigen Veröffentlichungen über den Standort der St.-Gallus-Kirche sind deshalb nur der Dichtung zuzuordnen. Der genaue Standort ist und bleibt unbekannt“, da ist sich Emil Klaiber sicher.