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Lokales Wenn Mensch und Kugel eins werden

Von

Von Till Neumann

Titisee-Neustadt. Seit August ist der Schwarzwald um eine Besonderheit reicher: An der Hochfirstschanze in Titisee-Neustadt können Adrenalin-Junkies in einem großen Plastikball (Zorb) den Berg runterrollen.

Bevor ich selbst in den Ball steige, sehe ich, wie ein Mann im Zorb den Berg hinunterkugelt. "Sieht lustig aus, aber gar nicht mal so rasant", sage ich mir. Als ich 15 Minuten später mit meiner Kollegin Nicole selbst im Ball bin, ist plötzlich alles anders. Von wegen nicht rasant! Als Timo Grießenauer (29 Jahre, Koch) und Philipp Hog (29 Jahre, Elektriker), die Macher des Zorbings in Titisee, den Ball von der Startrampe rollen, dreht sich alles: der Ball, der Berg, der Himmel, mein Kopf. Auweia!

Immer schneller rollen wir den etwa 150 Meter langen Hang hinunter. Ich schreie, meine Hände krallen sich an zwei Schlaufen. Mein Körper, der mit Gurten an einem Sitzpolster befestigt ist, verkrampft. Jeder Muskel versucht dem unbekannten Rollgefühl entgegenzuwirken. Vergebens. Bis zur Hälfte der Strecke haben wir bestimmt fünf Loopings gemacht. Ich weiß nicht mehr, wo oben und unten ist, weiß auch nicht mehr wie lange die Fahrt noch dauert. Die Höchstgeschwindigkeit von 30 Stundenkilometern haben wir sicher erreicht. Ich bete, dass wir nicht noch schneller werden.

Ein paar Loopings später verlieren wir an Geschwindigkeit. Der Hang ist geschafft. Jetzt bremst uns der gegenüberliegende Anstieg. Gerne würden sich meine Muskeln entspannen. Doch so weit ist es noch nicht. Erst rollen wir wieder ein Stück zurück. Timo und Philipp stehen bereits draußen. Sie bringen den Zorb in die Ausgangslage. Nicole und ich sitzen wieder aufrecht. "Wie wars?", fragt Timo. "Geil", schwärmt Nicole, "krass", sage ich.

Nachdem wir uns von den Gurten befreit haben, geht’s durch eine der zwei kleinen Öffnungen ins Freie. Die Knie sind noch wackelig, und der Kopf dreht sich, als Timo und Philipp uns zwei Urkunden überreichen. Damit sind wir offiziell im erlauchten Kreis der Zorbonauten.

"Wir sind die Einzigen, die Downhill-Zorbing in Deutschland anbieten", sagt Timo stolz. "Und hab-

Die Knie sind noch wackelig und der Kopf dreht sich

en die weltweit einzige Anlage an einer Skischanze", ergänzt Philipp. Entdeckt haben die beiden das Zorb-Riding (Zorb-Reiten) vor knapp zwei Jahren in Österreich. "Wir waren in dem Ball und haben uns gesagt: Wow, so ein Teil wollen wir auch."

Von der Idee bis zur Umsetzung haben sie eineinhalb Jahre gebraucht. Zuerst musste eine geeignete Fläche gefunden werden. "Wir haben im ganzen Schwarzwald gesucht", berichtet Timo. Die Auslaufbahn der Weltcup-Skisprung-Schanze in Titisee-Neustadt hat schließlich gepasst. "Das ist mit 15 Prozent Gefälle ideal. Wäre es flacher, wäre weniger Adrenalin im Spiel. Ein steilerer Hang wäre für manche zu viel", betont Philipp.

Als Nächstes machten sie sich auf die Suche nach einem geeigneten Ball. "Wir haben das weltweit beste Produkt", betont Philipp. Die Nürnberger Firma Downhill-Revolution hat den Ball hergestellt. "Er kostet so viel wie ein Neuwagen". Genau wie das Unternehmen auf seiner Homepage warnt auch Timo vor billigen Imitaten: "Im Internet findet man Zorbs für knapp 2000 Euro. Da kostet das ganze Teil so viel wie bei uns die Sicherheitsgurte."

Bis zum endgültigen Start mussten zahlreiche Sicherheitstests bestanden werden, unter anderem wurde der Zorb TÜV-zertifiziert. Wichtig auch die Begrenzungen der Bahn. An beiden Seiten des rund 20 Meter breiten Grashangs sind Holzbarrieren. "Die Bande hier ist eineinhalb Meter hoch. Da kommt der Ball nie im Leben drüber", sagt Philipp.

Sicherheit wird bei den beiden groß geschrieben. Auch weil beim in Neuseeland erfundenen Downhill-Zorben schon schreckliche Dinge passiert sind. Ein Video auf YouTube zeigt einen tödlichen Unfall in Russland. Ein Ball mit zwei Personen kommt dabei von der Bahn ab und rast Hunderte Meter einen steilen Hang hinab. "So etwas kann bei uns nicht passieren. Ausgeschlossen", betont Timo. Ich stimme zu. Die Anlage in Titisee-Neustadt wirkt sehr sicher. "Das Gefährlichste beim Downhill-Zorbing in Titisee-Neustadt ist die Anreise mit dem Auto", sagt Timo und lacht. Ich nicke, nehme all meinen Mut zusammen und mache mich auf die Heimreise.

 
 

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