Ernst-Peter Scherer ist seit 25 Jahren Ortsvorsteher von Sitzenkirch. Foto: Jutta Schütz Foto: Schwarzwälder-Bote

Ernst-Peter Scherer ist bereits seit 25 Jahren Ortsvorsteher / Auch bürokratische Hürden überwunden

Kandern-Sitzenkirch (jut). Eigentlich sind es schon ein paar Jahre mehr, aber ganz offiziell ist Ernst-Peter Scherer (63) in diesem Jahr seit knapp mehr 25 Jahren der Ortsvorsteher von Sitzenkirch. Ob er 2014 noch mal zur Wahl antritt, das lässt er offen. „Es hängt davon ab, ob man gesund bleibt und ob der Job noch Spaß macht“, sagt er.

Nach der Gemeindereform, die 1974 abgeschlossen war, war man zunächst der Ansicht, dass Sitzenkirch wegen der niedrigen Einwohnerzahl von um die 250 Personen und wegen der Nähe zu Kandern keinen Ortsvorsteher brauche, erzählt Scherer. Dann aber wurde man in Sitzenkirch doch unzufrieden – schließlich hatten alle anderen Kanderner Teilorte einen Ortsvorsteher. Auch der damalige Kanderner Bürgermeister Erwin Fünfgeld war dafür, dass der kleine Teilort einen Ortsvorsteher bekommen sollte.

Bis 1984 hatte Sitzenkirchs Altbürgermeister Hermann Steinger die Ortspolitik quasi in inoffizieller Funktion weitergeleitet. „Als ich dann 1984 gewählt wurde, hatte niemand Kenntnis davon, dass es von der Rechtslage her so war, dass ein städtischer Angestellter nicht gleichzeitig Ortsvorsteher sein durfte. Darüber informierte uns aber der damalige Landrat Leible in einem Schreiben von Januar 1985“, erinnert sich Scherer, der im Mai 1985 erst einmal das Amt abgeben musste.

Wieder sprang Steinger ein. Fünfgeld und der damalige Bürgermeister von Schliengen, Alois Rübsamen, in dessen Gemeinde auch ein Ortsvorsteher von den Vorgaben betroffen war, wurden aktiv, so wie auch andere Bürgermeister im Land. Sie wandten sich seinerzeit an Innenminister Dietmar Schlee und später auch an Ministerpräsident Erwin Teufel.

„Die Vorgabe war einfach Unsinn, und das erkannte dann auch die höhere Politik“, konstatiert Scherer im Rückblick. Im August 1987 konnte nach Änderung der Gemeindeordnung der Gemeinderat darüber entscheiden, Scherer wieder einzusetzen. Seitdem nimmt Scherer das Ehrenamt wahr und hat zusammen mit Ortschaftsrat und Bevölkerung viel bewirkt im Ort.

Zunächst wurde der An- und Umbau des Bürgersaals beschlossen und mit viel Eigenleistung umgesetzt. Das Mühlrad wurde sogar zweimal saniert – einmal setzte man das alte Rad mit Hilfe des Ortschaftsrates instand. Beim zweiten Mal ließ man das Wasserrad in der Gewerbeschule Schopfheim grunderneuern, baute es aber in Eiegenleistung aus und wieder ein. „2000 nahmen wir erfolgreich am Wettbewerb ‚Unser Dorf soll schöner werden‘ teil – damals bauten wir einen Brunnen“, zählt Scherer auf.

Ein großes Projekt folgte mit der Schaffung eines Festplatzes an der Langmatt in Zusammenarbeit mit Gesangverein, Ortschaftsrat und Feuerwehr, dabei entstand auch der Festschopf. Die Dorfgemeinschaft erneuerte den alten brüchigen Dorfbrunnen, und auch das 1877 erbaute Rebhüsle. „Eine Besonderheit ist unser Schlachthaus – es kann immer noch von Metzgern gemietet werden, weil es allen EU-Normen entspricht – wir halten es mit der Interessengemeinschaft der Landwirte im Ort auf dem neuesten hygienischen Stand und haben dafür einige tausend Euro investiert“, ergänzt Scherer vor dem Hintergrund, dass auch heute noch Landwirte im Dorf die Landschaft durch Beweidung offenhalten.

Das vorerst letzte Projekt war das Feuerwehrgerätehaus, ebenfalls mit der Eigenleistung der Feuerwehr gebaut. Es folgt bald der Ausbau des Spielplatzes an der Langmatt, und „mein großer Wunsch ist eine bessere Internetversorgung mit Glasfaser – dafür setze ich mich ein, denn ein schnelles Internet brauchen wir für die bei uns lokalisierte Schule der Black Forest Akademie und auch für unsere Dorfbewohner – sonst gehen die Jungen weg“, weiß er.

„Super“ sei der Mithilfewillen der Bevölkerung, ob Alteingesessener oder Neubürger, wenn Projekte anstehen. Und natürlich hat man in so einer langen Zeit als Ortsvorsteher auch das eine oder andere lustige Erlebnis. So hat sich mal ein Bewohner gegenüber einem Schäfer, den er von seiner Wiese vertreiben wollte, als Ortsvorsteher ausgegeben. „Ich war kurz danach vor Ort und musste dann bei Rückfragen an den Schäfer feststellen, dass meine Person ohne mein Wissen schon dagewesen war“, schmunzelt Ernst-Peter Scherer.