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Calw Hoffnungsort: Bürger können sich beteiligen

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Vier Gebäudekomplexe entstehen – und die Bürger können sich finanziell daran beteiligen. Foto: Visualisierung: andOFFICE

Calw - Im Neubaugebiet Waldsiedlung auf dem Wimberg darf gebaut werden. Dereinst sollen dort auch die viel diskutierten Bauten der Stiftung Hoffnungsträger mit bezahlbarem Wohnraum entstehen. Für diese stellt der Vorstand, Markus Witzke, nun ein neues Finanzierungsmodell vor – eines, an dem sich die Bürger beteiligen können.

Im März vergangenen Jahres befasste sich der Calwer Gemeinderat erstmals mit dem Konzept der Stiftung Hoffnungsträger für bezahlbaren Wohnraum in der Waldsiedlung auf dem Wimberg. Vier Gebäude mit insgesamt 32 Wohnungen sollen dort entstehen, ein Großteil davon "bezahlbar". Was in diesem Fall bedeutet, dass die Mieten in 80 Prozent der Wohnungen bis zu 33 Prozent unter dem ortsüblichen Mietpreis für Neubauwohnungen liegen sollen. Das heißt im Umkehrschluss, dass 20 Prozent der Wohnungen nicht gefördert werden und demnach für "Normalverdiener" gedacht sind.

Bunte Mischung

Einziehen könne in die geförderten und damit günstigeren Wohnungen nach Angaben der Stiftung Hoffnungsträger jeder, der sich normale Mieten nicht leisten könne. Sofern er gewisse Kriterien erfüllt. So wurde im Herbst vergangenen Jahres schriftlich festgehalten, dass Geflüchtete dann einziehen dürfen, wenn sie einen Wohnberechtigungsschein vorweisen können. Was man, wie Vorstand Witzke erklärt, erst bekommt, wenn man ein eigenes Einkommen vorweisen kann und demzufolge schon länger in Deutschland lebt. Zudem war vergangenes Jahr die Rede davon, dass man nur dann einziehen dürfe, wenn keine Einträge ins Vorstrafenregister vorlägen. So hatte es zumindest der damalige Oberbürgermeister Ralf Eggert formuliert. Dies jedoch möchte Witzke so nicht stehen lassen. Man könne und wolle, so meint er, nicht das Vorstrafenregister jedes potenziellen Mieters prüfen. Jedoch sei klar, dass es kein spezielles (Wiedereingliederungs-)Programm für ehemalige Straffällige geben werde. Die Zielgruppe für den Hoffnungsort seien vorwiegend Menschenn mit einem geringen Einkommen, wiederholt Witzke. Dadurch würde eine bunte und sinnvolle soziale Mischung an Bewohnern entstehen.

Vergangenes Jahr waren nach der Vorstellung des Projekts im Gemeinderat innerhalb der Bevölkerung immer wieder Gerüchte hochgekocht, dass auf dem Wimberg ein Domizil für ehemalige Straffällige und Flüchtlinge entstehen werde. Witzke und Eggert hatten das damals schon vehement bestritten. Denn das Projekt der Stiftung Hoffnungsträger in Calw unterscheidet sich nicht nur was das Konzept angeht, von den bisherigen Bauten, deren Zielgruppe vorrangig Geflüchtete sind. Auch der Name ist anders: Sind es normalerweise "Hoffnungshäuser", entsteht in Calw ein "Hoffnungsort".

Hohe Nachfrage

An der Realisierung desselben soll nun auch die Bevölkerung beteiligt werden. Funktionieren soll das über sogenanntes "Crowd Investing". Dabei können Privatleute einen beliebigen Betrag ab 5000 Euro in das Projekt investieren und erhalten bei einem festen Zinssatz von 1,2 Prozent (bei fünf Jahren Laufzeit), beziehungsweise 1,5 Prozent (acht Jahre) ihr Invest zurück. Bis Ende September erhalten Interessierte zusätzlich 0,3 Prozent Zinsen. Auf diese Weise möchte die Stiftung 700 000 Euro sammeln, von knapp 7,5 Millionen Euro, die das Vorhaben insgesamt kostet. Witzke schätzt dieses Investment als "ziemlich sicher" ein – vor allem in Anbetracht der hohen Nachfrage nach bezahlbarem Wohnraum und dem vergleichsweise geringen Angebot. Zudem, das sieht er als deutlichen Vorteil, könne man das "Produkt", in das man investiert, sehen und auch anfassen. "Diese Form der Geldanlage ist eine hervorragende Möglichkeit, anderen Menschen Gutes zu tun und dabei selbst zu profitieren", findet er. Abgewickelt wird das Ganze über die Plattform Xavin.eu, an der unter anderem die Landesbank Baden-Württemberg beteiligt ist.

Gemeinsamer Raum

Bei ihren Hoffnungshäusern in Konstanz hat die Stiftung Hoffnungsträger das Crowd Investing schon ausprobiert – mit Erfolg, berichtet Witzke. Dort habe man eine halbe Million Euro zusammenbekommen wollen, habe schlussendlich aber bei 570 000 Euro gestoppt. Calw habe ein noch größeres Bauvolumen, weshalb man einen höheren Betrag anpeile.

Baubeginn der vier Gebäude auf dem Wimberg ist in etwa zwei Wochen, sagt der Vorstand. Weil die Bauten per Holzsystembau errichtet werden, was mit Fertighäusern vergleichbar ist, sollen – unter Vorbehalt – bereits im Sommer 2021 die ersten Mieter einziehen können.

Übrigens wird es entgegen der ursprünglichen Planungen doch einen Gemeinschaftsraum in einem der Gebäude geben, kündigt Witzke an. Dieser Wunsch sei vielfach an ihn herangetragen worden, weshalb man ihm Rechnung tragen wolle. Um diesen Raum "zu bespielen" und sich allgemein um das gesellschaftliche Miteinander vor Ort zu kümmern, wird ein Ehepaar zuständig sein, das bereits im Austausch mit der Verwaltung stehe.

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