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Lokales Gustl Mollaths verzweifelter Kampf um Spendengelder

Von

Von Patrick Guyton

München. Liest man die Liste der mehreren Hundert Spendeneingänge, so wird rasch klar, wem ausschließlich dieses von ganz normalen Bürgern aufgebrachte Geld zugedacht ist. Da sind fünf Euro verzeichnet als "Spende für Gustl Mollath", 25 Euro mit dem Zusatz "Alles Gute für den Neuanfang" oder auch 1000 Euro – "nur für Gustl Mollath".

Doch nun gibt es erbitterten Streit, ob dieses Geld voll und ganz dem 56-Jährigen zusteht, der am 6. August nach mehr als sieben Jahren in der geschlossenen Psychiatrie in Bayreuth freigekommen ist.

Mollath hat Strafanzeige gestellt gegen ein Mitglied des Unterstützerkreises wegen Betrugs, wie die Wochenzeitung "Die Zeit" berichtete. Der Münchner Gestalttherapeut Fritz Letsch ist Vorstandsmitglied des Münchner Vereins "Zusammenschluss bayerischer Bildungsinitiativen" (ZBB) und sammelt seit dem Jahr 2013 Spendengelder für Mollath auf einem Konto des Vereins. 27 000 Euro seien dabei zusammengekommen, bestätigte er unserer Zeitung auf Anfrage.

Nach Ansicht von Mollath-Verteidiger Gerhard Strate müsste das Geld nun auch an seinen Mandanten ausgezahlt werden. Wie der Verein die Verwaltung der Spenden allerdings geregelt habe, sei "letztlich eine Betrugskonstruktion", so Strate gegenüber unserer Zeitung. Denn der Verein hat es sich so vorgestellt, dass sich der Nürnberger Automechaniker das Geld über Dienstverträge etwa für Projekte der "Psychiatrie-Politik" und Beratungen verdient.

Einen solchen Vertragsentwurf habe Letsch kürzlich am Rande einer Demonstration in München an Mollath übergeben. Zuvor hatten sich die beiden noch nie gesehen, Letsch gibt auch zu, dass er ihn nie in der Psychiatrie besucht hat. "Wer Mollath ein wenig kennt", so sagt Strate, "der weiß, dass er nicht auf die Schnelle einen solchen Vertrag unterschreiben würde." Er verlangt, das Geld an Mollath auszuzahlen oder aber die Spenden zurückzuüberweisen – was der ZBB aber bisher ablehnt.

Letsch: ZBB ist kein mildtätiger, sondern ein "Bildungsverein"

Bis zum 17. September, so dokumentiert es Anwalt Strate, seien im Internet um Spenden "ausschließlich für Gustl Mollath und seine Unterstützung" geworben worden, die Unterstützergruppe arbeite "zu 100 Prozent ehrenamtlich". Nun ist dieser Verwendungszweck gelöscht, es wird aber für andere Projekte um Spenden gebeten, die auf das gleiche Konto überwiesen werden sollen.

Letsch argumentiert, dass der ZBB kein mildtätiger, sondern ein "Bildungsverein" sei. Als solcher "kann ich nicht einfach Geld auszahlen", so Letsch. Der Dienstvertrag sei ein Weg gewesen, das Geld Mollath auf andere Weise zur Verfügung zu stellen. "Die einzige Möglichkeit war, Herrn Mollath Honorar für das zu zahlen, was Mollath immer macht: In Vortragsveranstaltungen über seine Erfahrung mit der Psychiatrie zu sprechen", sagte Letsch.

Anwalt Strate hingegen meint, dass das Geld zweifellos von den Spendern nur für Mollath gedacht war. Wenn die Vereinssatzung dies nicht vorsehe, aber dennoch mit diesem Vorwand gesammelt worden sei, stecke darin "ein Betrug".

Warum das Konto überhaupt zum Jahreswechsel 2012/13 von der "Gesellschaft für Ethik in der Psychiatrie" auf den ZBB übergegangen ist, bleibt unklar. Auch Strate weiß darauf keine Antwort.

Fritz Letsch jedenfalls möchte das Thema bis Mitte kommender Woche vom Tisch haben. Er werde, so sagt er, mit Vorstandskollegen zum Finanzamt gehen und sich beraten lassen, "wie wir das Geld korrekt an Gustl Mollath weiterleiten können". Vor allem mit dessen Anwalt liegt er aber ordentlich über Kreuz: "Strate macht jetzt einen großen Wind durchs ganze Land." Er hoffe, "dass das nicht dem Gustl Mollath schadet".

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Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

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