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Lokales Doch die Inbrunst lässt nicht lange auf sich warten

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Die Kantorei und die Kammersinfonie boten unter der Leitung von Martin W. Hagner eine ausgezeichnete Leistung. Foto: Mikulcic Foto: Schwarzwälder-Bote

Von Marija Mikulcic

Calw. Was muss Bach getrieben haben, ein derart monumentales Werk wie die h-Moll-Messe zu schaffen? Musikwissenschaftler, Historiker und passionierte Laien mögen sich diese Frage schon gestellt, ihr gar ihr Leben gewidmet haben. Eine Theorie besagt, dass diese Messe von Bach als eine Art musikalisches Vermächtnis angelegt wurde. Ihre vollständige, zusammenhängende Aufführung hat er nie erlebt. Dieses Privileg blieb der Nachwelt vorbehalten.

In der Stadtkirche machten von diesem Privileg zahlreiche Zuhörer Gebrauch und füllten das Gotteshaus bis auf den letzten Platz. Unter der Leitung Martin W. Hagners brachten dort die Calwer Kantorei und die Kammersinfonie Calw Bachs meistgespieltes Großwerk zur Aufführung. 18 Chorsätze und neun Arien beinhaltet es. Und sucht damit, was den Umfang sowie auch die musikalische Wucht angeht, seinesgleichen.

Die Anrufung Gottes durch den Chor im "Kyrie" läutete die Messe ein. Noch verhalten, fast jenseitig, gestalteten sich die Eingangstakte. Als wolle Bach dem Hörer Zeit lassen, sich zu sammeln, sich im Kontext der Messe einzufinden. Doch die Inbrunst ließ nicht lange auf sich warten. Ein Vorgeschmack der dem Werk innewohnenden bot sich bereits in dem Duett der beiden Sopranstimmen. Virtuos entfalteten Stephanie Krug (Sopran I) und Leonie Zehle (Sopran II) ihre Kunst in dem "Christe eleison". Duette mit zweifacher Sopranbesetzung sind in Bachs Vokalkompositionen nicht die Regel. Auch, wer das nicht weiß, merkte intuitiv – die Stimmlagen der Vortragenden ähneln sich. Und konnte eine gewisse Wesensähnlichkeit feststellen.

Genau diese musikalisch abzubilden, war – in Bezug auf das Wesen Gottes, das hier vom Text der Messe her im Zentrum steht – Bachs Absicht. An diesen zahllosen eindrücklichen, musikalischen Abbildungen konnten sich vor allem die geübteren unter den Zuhörern erfreuen. Für jedes Ohr zugänglich hingegen: die Pauken und Trompeten. Die Bläser hatten gerade in den jubilierenden Sätzen eine tragende Rolle inne. Vor allem im "Gloria" hallte das Kirchenschiff von schmetternden Tönen wider. "Ehre sei Gott in der Höhe" tönte der Chor auf Latein. Blech tat ein Übriges, um dem Lobpreis das von Bach intendierte Aussagevolumen zu verleihen.

Ein Gruß aus der Tiefe drang in der Bass-Arie "Quoniam tu solus sanctus" an die Ohren der Zuhörer. Mit Singstimme, zweifachem Fagott sowie basso continuo tief und warm instrumentiert, kennzeichnet diesen Satz eine auf erfreuliche Weise ungewöhnliche Klangzusammensetzung. Geschlagen hatte die Stunde darüber hinaus dem Jagdhorn. Es thronte über der Tiefe wie sich die Menschen zu Bachs Zeiten Gott, über der Welt thronend, vorgestellt haben müssen – und war ein wahrer Hörgenuss.

Ganz andere Töne kamen im "Credo" auf. Was an Potential zur Bedrücktheit der Chor aufzubieten hatte, er legte es in der emotional geladenen Darbietung des "Crucifixus" offen. Nur, um kurz darauf im "Et Resurrexit" zu zeigen, wie sich Auferstehung anhören kann.

Unter Berücksichtigung der bemerkenswerten Dynamik und Präsenz des Dirigenten kann es als gelungene Gemeinschaftsleistung angesehen werden, wenn die Darstellung zweier so gegensätzlicher Aspekte auf so engem Raum gelingt.

 
 
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