Während Nagold gerade erst seinen Weg Richtung „European Energy Award“ angefangen hat, steigt die Gemeinde Ebhausen aus der Initiative wieder aus.
Umweltschutz und Energiethemen sind in Ebhausen schon lange zu Hause. Schon im Jahr 2010 machte sich die kleine Kommune im Nagoldtal unter Führung ihres Bürgermeisters Volker Schuler auf, um den „European Energy Award“ zu erringen.
Voraussetzung für die Teilnahme ist ein Energieteam vor Ort, das von einem ausgebildeten eea-Berater begleitet wird. Das Energieteam arbeitet jährlich ein energiepolitisches Arbeitspapier aus, bestückt mit Maßnahmen, welche zur Kommune passen und umgesetzt werden können.
Vertrag mit der Beratungsfirma endet
Der eea-Berater bewertet die Maßnahmen jährlich (internes Audit), mittlerweile alle vier Jahre muss ein externes Audit durchgeführt werden. Nach erfolgreichen Zertifizierungen in den Jahren 2011, 2014, 2018 und 2022 würde in Ebhausen nun im Jahr 2026 eine erneute Zertifizierung anstehen, um die Auszeichnung weiterführen zu dürfen.
Nun endete allerdings der Vertrag mit der „Endura kommunal“ als langjährige eea-Beraterin der Gemeinde Ebhausen. Aus Personalmangel konnte der Vertrag nicht erneuert werden. Trotz verschiedentlicher Anfragen konnte die Gemeinde bis heute keinen geeigneten neuen eea-Berater finden. Außerdem war die Suche nach ehrenamtlicher Verstärkung im Energieteam nicht wirklich erfolgreich.
„Da herrscht schon ein hohes Maß an Bürokratie“
Zu diesen Problemen gesellte sich auch die Tatsache, dass es beim Energy Award interne Neuerungen gab, die die Sache komplizierter und bürokratischer gemacht haben. „Da herrscht schon ein hohes Maß an Bürokratie“, stellt Ebhausens Bürgermeister Volker Schule im Gespräch mit der Redaktion fest.
Zudem hat man in Ebhausen schon einen so hohen Level bei den einzelnen Maßnahmen erreicht, dass es nur sehr schwer ist, in die nächst höhere Stufe aufzusteigen.
Angesichts dieser Erkenntnisse reifte im Rathaus Ebhausen die Meinung, aus dem „European Energy Award“ auszusteigen. „Die Erfassung der Energieverbräuche und Darstellung in Energieberichten läuft, wir errichten jährlich PV-Anlagen, sanieren unsere kommunalen Gebäude energetisch, schaffen Infrastruktur für E-Mobilität … alles Projekte, die wir im Rahmen der haushalterischen Möglichkeiten umsetzen, auch ohne alljährlich ein separates energiepolitisches Arbeitspapier zu beschließen“, argumentiert die Kommune in der Vorlage für den Gemeinderat.
Nicht der Ausstieg aus dem systematischen Energiemanagement
Der Ausstieg beim EEA sei aber nicht als Abkehr von den Zielen des Awards zu verstehen: „Wir möchten ausdrücklich klarstellen, dass dies nicht der Ausstieg aus dem systematischen Energiemanagement darstellt, sondern lediglich ein Abstand nehmen von den zusätzlichen zeitlichen und finanziellen Aufwendungen, welche durch den Zertifizierungsprozess entstehen“, heißt es in der Vorlage für den Gemeinderat. „Unsere Aktivitäten in Sachen Klimaschutz gehen weiter“, stellt Bürgermeister Schuler klar.
Im Ebhäuser Gemeinderat gab es angesichts der Pläne der Verwaltung keine zwei Meinungen. Das Gremium stellte sich einstimmig hinter das Vorgehen und beschloss nach 15 Jahren das Ende des Ebhäuser Engagements beim „European Energy Award“.