Auf die Aufzucht von Kälbern hat sich der Betrieb der Friesenheimer Familie Benz spezialisiert. Foto: Bohnert-Seidel

Karl-Josef Benz fordert mehr Bewusstsein für die Herkunft von Lebensmitteln. Der Friesenheimer Landwirt hat sich bei den Landtagsabgeordneten Martina Braun und Sandra Boser bei deren Besuch auf dem Kälberaufzuchthof Gehör verschafft.

Friesenheim - Kälber schubsen die Spielkugel, die im offenen Stall von der Decke hängt. Einige Jungtiere streifen durch das Stroh, andere schlafen. Zu sehen ist eine Kinderstube für Kälber beim Aufzuchtbetrieb der Familie Benz in Friesenheim. In die Nase steigt der Duft von frischem Heu und ein sanftes Rascheln ist im Stall zu hören. Unterschiedliche Rassen von Kälber sind anzutreffen. Franz-Josef Benz hat die drei bis vier Wochen alten Tiere auf Höfen für Milchwirtschaft abgeholt.

"Das ist ein Vorzeigebetrieb", attestiert die Landtagsabgeordnete Martina Braun, die auch Sprecherin für Tierschutz ihrer Fraktion und stellvertretende Arbeitskreisvorsitzende für Ernährung, Ländlicher Raum und Verbraucherschutz ist. Die Grünen-Politikerin hat gemeinsam mit ihrer Parteikollegin Sandra Boser, Staatssekretärin im Ministerium für Kultus, Jugend und Sport, den Friesenheimer Betrieb besucht. Anlass war die im vergangenen Jahr erhaltene Auszeichnung "Tierschutzpreis Baden-Württemberg" (wir berichteten).

Das Konzept der Kälberaufzucht, wie sie Familie Benz seit vielen Jahren praktiziert und stetig für das Wohl der Tiere weiterentwickelt, soll als Modell für weitere Betriebe dieser Art gelten. Die beiden Politikerinnen betonten, dass sie mit der Familie in Kontakt bleiben werden. "Ihre Erfahrungen lassen sich für andere sehr gut nutzen", sagen Braun und Boser. Struktur und Aufbau seien stimmig. Zehntausende Kälber werden jährlich aus Baden-Württemberg nach Spanien exportiert, erklärt Braun. Eine mörderische Tortur für die Tiere.

Franz-Josef Benz beobachtet seit vielen Jahren Veränderungen bei der Viehhaltung. "Bei einer Hofübergabe steht in der Regel die Tierhaltung auf dem Prüfstand", so Benz. Viele Nachfolger sagten: "Den Hof übernehme ich schon, aber ohne Tiere." Ackerbau erlaube etwas Luft für Freizeit. "Wenn aber ein landwirtschaftlicher Betrieb mit 100 Hektar Ackerbau im Nebenerwerb geführt werden muss, weil das Einkommen fehlt. Dann stimmt etwas nicht." Will Deutschland nach Argentinien oder in die USA Autos und Maschinenbau exportieren, müsse man Tauschverträge erfüllen und deren Fleisch abnehmen. Dass dieses Fleisch längst nicht den Standards in Deutschland entspreche, sei für Benz nicht mehr nachvollziehbar. "Landwirtschaft ist in Deutschland nicht mehr gewollt", konstatiert Benz. Martina Braun erkennt: "In Deutschland ist der Erzeugerpreis zu niedrig. Was Erzeuger zum Überleben brauchen, kommt nicht an".

Das Problem in Deutschland sei das Kaufverhalten, erklärt Benz. Dass Deutschland über lokal produzierte landwirtschaftliche Produkte unabhängiger werden könnte, liege auf der Hand und zwinge mit Blick auf die weltwirtschaftliche Entwicklung zum Handeln. Umfragen nach der Auswahl für regionale Lebensmittel sollten in Deutschland nicht vor dem Einkauf gemacht, sondern nach dem Einkauf die Waren analysiert werden, so Benz. Zwischen Wunsch und Wirklichkeit klaffe eine ziemlich große Lücke. "Bis Regionalität und die Wertigkeit von Lebensmitteln beim Verbraucher ankommen, gibt es viele Betriebe nicht mehr", warnt Benz.

Nachhaltigkeit werde auf dem Hof in Friesenheim gelebt. Heu und Stroh liefern Landwirte aus der Umgebung und der anfallende Mist wird an eine Biogasanlage abgeführt. "Der Landwirt trägt das größte Risiko hat aber maximal ein Drittel des Preises", stellt Martina Braun fest. Sie verweist auf einen Strategie-Dialog zwischen Landwirtschaft und Handel, der am 23. September erstmals beginnen soll.

Für Benz drängt die Zeit. "Bleibt der Verdienst auf dem Hof unter dem Limit, wandern viele Junglandwirte in die Industrie ab und sind dort sehr willkommen", bemerkt Benz. Außerdem fehlten vielen Hofnachfolgern die geeigneten Partner. Für die Landwirtschaft wünsche er sich insgesamt ein besseres gesellschaftliches und politisches Klima.

1984 gegründet

Metzger Franz-Josef Benz, gründete im Jahr 1984 die Viehhandlung im Industriegebiet in Friesenheim. 1986 begann er mit Ehefrau Beate mit der Kälberaufzucht. 1992 erhielt er die Zertifizierung EU-Verlade- und Sammelstelle. Der Betrieb beschäftigt derzeit sieben Mitarbeiter.