Martin Knirsch ist mit dem Pistenbully unterwegs, um die Loipen zu spuren. Foto: Zoller

Pistenbully der Skizunft mehr als 30 Jahre alt. Fahrer Martin Knirsch ehrenamtlich im Einsatz.

Bad Herrenalb - "Mit dem Neuschnee sind die Wintersportbedingungen auf der Talwiese geradezu ideal", erklärt Martin Knirsch und klettert schon in den frühen Morgenstunden in den rot lackierten Pistenbully mit der Aufschrift "Bad Herrenalb". 1988 von der Stadt Bad Herrenalb als Loipengerät angeschafft, kam die 1,5 Tonnen schwere Pistenraupe mit dem breiten Kettenfahrwerk im Jahr 2005 in den Besitz der Herrenalber Skizunft und zählt nach Aussage von Knirsch "seitdem zum auserkorenen Heiligtum des Skiclubs".

Gut gewartet

"Dieser Winter ist ein Traum, so etwas hatten wir schon lange nicht mehr", schwärmt der aktive Rentner, der seit zehn Jahren ehrenamtlich mit dem zuverlässigen und gut gewarteten Pistenbully im Einsatz ist. Hatten bislang die Abfahrten für die alpinen Skifahrer Vorrang beim Aufbereiten der Schneeflächen, so entfällt dieses Aufgabenfeld in dieser Saison. Zum Schutz vor dem Coronavirus kann der Skilift auf der Talwiese nicht in Betrieb genommen werden, sodass nun ausschließlich die Rund- und Fernwanderloipe für die Wintersportler im Fokus stehen.

Loipen gelten nicht als Sportstätten und dürfen daher gespurt werden. Dadurch ist der Individualsport alleine, zu zweit oder mit Angehörigen des eigenen Haushaltes auf weitläufigen Anlagen erlaubt, zumal der Mindestabstand von 1,5 Metern ohne Probleme einzuhalten ist.

Mit Blick auf die Schneelage startet Knirsch das Fahrzeug und senkt das hinten angehängte Loipenspurgerät, um rund um das alte Forsthaus eine Doppelspur für die rund zwei Kilometer lange Rundloipe zu ziehen. "Jetzt hat hier auf der Talwiese der Wintersport den Vorrang", erklärt Knirsch, der sich sichtlich darüber ärgert, dass der dort ansässige Bauer nicht freiwillig den eingezäunten Pferdebereich für die Loipe reduziere.

Glatte und breitere Fläche

Um den nordischen Trendsport in all seinen Facetten auszuüben, werden für die Langläufer die Langlaufspuren nicht nur klassisch mit zwei Spuren, sondern und auch für Skater präpariert. Die ästhetisch eindrucksvolle Fortbewegung erfordert eine weitere, glatte und breitere Fläche, wodurch mittels "Schlittschuhschritt" eine schnellere Fortbewegung durch eine höhere Geschwindigkeit beim Gleiten erreicht werden kann.

Obwohl die Skating-Technik mehr Kraft und Ausdauer als beim klassischen Langlaufen erfordert, hat diese Sportart mittlerweile zahlreiche Anhänger gefunden. Denn nicht nur Gleichgewichtssinn, Koordination und Beweglichkeit sind gefordert, sondern rund 90 Prozent der Körpermuskulatur kommen zudem zum Einsatz. Ein Thema, das Knirsch als leidenschaftlichen Wintersportler begeistert.

1938 im Gaistal geboren, ist Knirsch nicht nur mit der Region fest verwurzelt, sondern zudem seit 1953 aktives Mitglied in der Skizunft.

"Schon als Kind habe ich hier meine ersten Skirennen gefahren", erzählt er, der auch darüber berichtet, dass das Equipment einst wesentlich einfacher als heute war. "Weil es nach dem Krieg kein entsprechendes Schuhwerk gab, hat mein Bruder meine Holzschuhe durchbohrt und fest auf die Skier geschraubt." Als Schüler ist er so seine ersten Rennen hinunter fast bis ins Tal gefahren und war in späteren Jahren einer der letzten Kampfrichter für die Ski-Sprungschanze auf der Talwiese. In den 1960-er Jahren wurde die Sprungschanze abgebaut und auf dem Hang entstand 1967 der heutige Skilift. "Auf dem steilen Gelände ist üblicherweise das Rodeln verboten, aber da nun der Skilift stillsteht, freuen sich Kinder und Erwachsene über die lange Talabfahrt."

Leicht ansteigend

Auf 640 Meter Höhenlage bietet die Neuschneemenge auf der Talwiese den idealen Start- und Ausgangspunkt für die Loipe zur Hahnenfalzhütte, die direkt am Skifernwanderweg liegt. "Von unserem Skiheim auf der Talwiese bis zur Hahnenfalzhütte sind das hin und zurück fünf Kilometer Loipe", so Knirsch, der für diese leicht ansteigende Route Tourenskier mit Skifellen bevorzugt, die das Abrutschen der Skier verhindern. "Von der Hahnenfalzhütte aus werden dann die Loipen vom Forstamt Kaltenbronn aus gespurt, und die Betriebskosten gemeinsam durch die Gemeindeanlieger Gernsbach, Loffenau, Dobel und Bad Herrenalb finanziert."

Mit sichtlichem Vergnügen steuert Knirsch den Pistenbully und freut sich, dass seine frisch präparierten Loipenspuren aufgrund der ausreichend vorhandenen Schneelage in dieser Saison von vielen Sportlern genutzt werden können.

Weitere Informationen:Infohotline: 07083/52 59 07 www.skizunft-badherrenalb.de

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