Immer weniger Haushalte bringen ihr Altpapier zu den Vereinen, sodass die Sammlungen wirtschaftlich kaum noch lohnen.
Für viele Vereine war die Altpapiersammlung über Jahrzehnte hinweg eine verlässliche Möglichkeit, die Vereinskasse aufzubessern. Doch dieses Modell scheint zunehmend an Bedeutung zu verlieren. Immer mehr Vereine in der Region haben das Sammeln eingestellt – der Aufwand steht oft in keinem Verhältnis mehr zum Ertrag.
Auch der Posaunenchor Balingen-Heselwangen hat am vergangenen Samstag zum letzten Mal Altpapier in Heselwangen eingesammelt. Damit geht eine lange Tradition zu Ende, weiß der Vorsitzende Markus Schmalzl.
Aufwand steht in keiner Relation zum Erlös
„Die Durchführung der Sammlungen stellt rein wirtschaftlich betrachtet keine Einnahmequelle mehr dar und der in diesem Zusammenhang stehende Aufwand steht in keiner Relation zum Erlös“, erklärt Schmalzl. Der Grund darin liegt in den geringen Mengen, die mittlerweile zusammenkommen.
Mit der Einführung der Blauen Tonne vor einigen Jahren machte sich erstmals ein deutlicher Rückgang bemerkbar. Seit etwa fünf Jahren stellen immer weniger Menschen ihr gebündeltes Altpapier an den Straßenrand. Meist sind es ältere Bürgerinnen und Bürger, die das Papier nach wie vor für die Vereine aufbewahren und zum Sammeltermin bereitstellen. Jüngere hingegen nutzen zunehmend den bequemeren Weg über die Blaue Tonne. Hinzu kommt, dass längst nicht mehr jeder Haushalt regelmäßig eine Zeitung bezieht. Auch Kartonagen werden von den Vereinen in der Regel nicht gesammelt, da die Vergütung durch das Landratsamt nicht nach Volumen, sondern nach dem Gewicht des gesammelten Papiers erfolgt.
40 Euro pro Tonne
40 Euro erhalten die Vereine in der Regel pro Tonne, bestätigt Sabrina Stotz, Sprecherin des Landratsamts. Nach der Sammlung gelangt das Altpapier zur Deponie in Hechingen, wo es zur weiteren Verwertung vorbereitet wird.
„Bei den vergangenen Sammlungen kamen nur noch Bruchteile der Mengen aus den Vorjahren zusammen, sodass der bereitgestellte Abrollcontainer oft maximal zu einem Drittel gefüllt war“, erklärt Schmalzl. Wenn von den ohnehin geringen Einnahmen noch die Kosten für die Verpflegung der Helferinnen und Helfer abgezogen werden, schrumpfe der Erlös auf einen einstelligen bis niedrigen zweistelligen Betrag. Hinzu kommt, dass der Fahrzeugeinsatz und die entstehenden Betriebskosten in dieser Rechnung unberücksichtigt bleiben – diese seien in der Vergangenheit regelmäßig als Spende kostenlos zur Verfügung gestellt worden.
Insgesamt weniger Altpapier
Auch beim Landratsamt lässt sich in den vergangenen Jahren ein deutlicher Rückgang der Altpapiermengen beobachten – und das nicht nur bei den Vereinssammlungen. Während im Jahr 2019 insgesamt 14 877 Tonnen Altpapier über die Papiertonne, Vereinssammlungen sowie die Wertstoffzentren erfasst wurden, waren es im vergangenen Jahr nur noch 11 850 Tonnen. Von dieser Gesamtmenge sammelten die Vereine kreisweit 884 Tonnen ein. „Die Vereine leisten einen wertvollen Beitrag zur Wiederverwertung und sind vor allem für ihr Engagement zu loben“, betont Stotz.
Helfer gab es immer genügend
Für die Vereine hatten die Altpapiersammlungen oft auch eine gesellige Komponente – an Helferinnen und Helfern mangelte es etwa beim Posaunenchor Balingen-Heselwangen nie. „Wir haben die Sammlungen immer als Gemeinschaftsveranstaltung gesehen“, berichtet Schmalzl. Die künftig wegfallenden Sammeltermine sollen nun für andere Formen der Gemeinschaftspflege sowie für den musikalischen Dienst des Chors genutzt werden.