An der Grenze zwischen Stetten und Riehen: Die Weiterentwicklung des Siegerentwurfs zu einem städtebaulich-freiraumplanerischen Entwurf dient als Grundlage des zu erstellenden Bebauungsplans. Foto: Friedemann Rentsch Architekten/mne Landschaftsarchitekten

Das „Quartier am Zoll“ der Bundesanstalt für Immobilienangelegenheiten ist im Ausschuss positiv aufgenommen worden. Statt 18 Wohneinheiten gibt es 80 Mietwohnungen. Betroffene Mieter üben aber Kritik.

Direkt am Grenzübergang in Stetten plant die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) das Neubauensemble, in dem sich Mietwohnungen ebenso wiederfinden sollen wie auch Verwaltungsflächen. Das alte Zollhaus soll freigestellt mit einem Platz drumherum erhalten bleiben. Der Abrissbirne zum Opfer fallen laut Plan hingegen das alte Zollamt Stetten, zwei Wohngebäude mit 16 Wohnungen sowie ein Teil der Garagen, wie im Ausschuss für Umwelt und Technik dargelegt wurde.

 

Stufenartig geht es mit der neuen Bebauung von fünf Geschossen hoch auf sieben, um dann wieder auf vier abzufallen. Statt großer versiegelter Flächen sind mehr begrünte Areale das Ziel, was auch durch 43 neugepflanzte Bäume erreicht werden soll. Für die Stadt liegt der Fokus vor allem auf Wohnflächen; Bürgermeisterin Monika Neuhöfer-Avdic bezeichnete es als „tolles Projekt im Rahmen der Wohnbauinitiative“, bei dem nun schon das Bebauungsplanverfahren ansteht. In einer Mitteilung spricht sie noch von einem lebendigen Tor zur Stadt, welches Wohnen, Arbeiten und Aufenthaltsqualität in Einklang bringe. Zollbeamten haben den Erstzugriff, dann noch freie Wohnungen würden auf dem freien Wohnungsmarkt angeboten.

Verwaltung ordnet ein

Das Projekt ist laut städtischer Beschreibung „ein Zusammenspiel städtebaulicher, freiräumlicher und verkehrlicher Maßnahmen an der Basler Straße Süd im Abschnitt Bahnhof Stetten bis zur Schweizer Grenze“. Ziel der Stadt ist eine Aufwertung des öffentlichen Raums mit hoher Aufenthaltsqualität. Das Projekt „Am Zoll Lörrach/Riehen“ verbinde die städtebauliche Entwicklung westlich und östlich der Basler Straße Süd mit der Umgestaltung der Basler Straße Süd.

Das Quartier am Zoll Foto: geoservice/Stadt Lörrach

Zur Erinnerung: Auf Basis des städtebaulichen Rahmenplans wurde von der Bima ein städtebaulich-freiraumplanerischer Ideenwettbewerb ausgelobt. Dieser bildet die Grundlage für den aktuellen städtebaulich-freiräumlichen Entwurf: Der Siegerentwurf der Bürogemeinschaft Friedemann Rentsch Architekten und mne Landschaftsarchitekten überzeugte durch die gelungene Integration des ortsbildprägenden „Alten Zollhauses“ in ein hochwertiges Gesamtbild aus Verwaltungsbau, Wohnblock mit Innenhof und einem Quartiersplatz mit Kinderspielbereich.

Die Entwicklung: das „Quartier am Zoll“ Foto: Stadt

Die Politik bewertet

Voll des Lobes waren die politischen Vertreter im Ausschuss. Fritz Böhler (Grüne) sprach von einem „ganz starken Entwurf“, wobei die Nachjustierungen hier noch Positiveres bewirken würden. So sei bei der beengten Innenraumgestaltung nachgesteuert worden. „Viele gute Punkte“ sah auch Jürgen Exner (CDU), der Entwurf sei „sehr überzeugend“. Das Engagement der Bima wertete Christiane Cyperrek (SPD) als „Glücksfall für uns“. Der Ideenwettbewerb habe sich voll ausgezahlt, sei durch die Jury nochmals optimiert worden. Die Bebauung sei noch massiv, doch damit werde ein Freiraum am Zollhaus erreicht. Wert auf die weitere Öffnung des kleinen Bahnübergangs für Fußgänger und Velofahrer legt Bernhard Escher (CDU).

Mieter kritisieren

In einem Offenen Brief, der unserer Zeitung vorliegt, üben Bewohner der Basler Straße 2a und b aber Kritik am Vorgehen, titeln diesen mit „Wohnen ist ein Menschenrecht“. Bei einer Bima-Info-Veranstaltung am 5. Mai für die Mieter der beiden Häuser sei ihnen die Kündigung des Mietverhältnisses zu Ende September 2026 angekündigt worden, da der Abriss erfolge. Sie sollen sich eine neue Wohnung auf dem freien Wohnungsmarkt suchen, schreiben die Betroffenen, Ersatzwohnungen könnten nicht angeboten werden. „Den Bewohnern wurde zugesagt, dass sie nach Fertigstellung der neuen Wohnanlage wieder zurück könnten“, erinnern die Betroffenen; bei der Vorstellung des Siegerentwurfs sei doch eine Bevorzugung der Bewohner bei der Wohnbau Lörrach avisiert worden.

Die künftige Anordnung als Plan Foto: zVg

Die zugesagte Umzugspauschale sei zwar eine Unterstützung, „aber was hilft das, wenn man keine Wohnung findet“. Die Bima und die Stadt würden sich hier aus ihrer Verantwortung gegenüber den Mietern und Bürgern der Stadt stehlen. Die Betroffenen haben den Eindruck, dass der Bima und der Stadt das Schicksal ihrer Bewohner gleichgültig zu sein scheine. „Hinter den 14 Mietobjekten, die gekündigt werden, stehen Menschen, Familien mit Kindern, alte Leute und nicht nur Nummern.“

So geht es weiter

8500 Quadratmeter Bruttogeschossfläche sollen in den zirka 80 Mietwohnungen entstehen, im neuen Verwaltungsgebäude zirka 4500, wo das Hauptzollamt Platz finden soll. Das „Alte Zollhaus“ an der Basler Straße 4 soll erhalten, saniert und neu genutzt werden. Erst einmal soll nach Billigung des städtebaulich-freiräumlichen Entwurfs der Entwurf des Bebauungsplans inklusive Fachgutachten erarbeitet werden. Als nächster Schritt folgt laut Stadtverwaltung der förmliche Aufstellungsbeschluss des Bebauungsplans. Die freiwillige frühzeitige Öffentlichkeitsbeteiligung sei für das Frühjahr 2026 geplant. Die Offenlage des Entwurfs soll im zweiten Halbjahr nächsten Jahres erfolgen. Ein möglicher Baubeginn könnte 2027 erfolgen, blickt die Stadt voraus.