Die Lörracher Synagoge wird aus Sicherheitsgründen regelmäßig von Polizeistreifen in Augenschein genommen. Foto: Bernhard Konrad

Nachdem der Konflikt zwischen Israel und dem Iran offen ausgebrochen ist, stellt sich in Lörrach die Frage nach verstärktem Schutz der Synagoge. Polizeichef Nagy ordnet die Lage ein.

Der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, hat gegenüber den Medien vor einer verschärften Bedrohungslage jüdischer Bürger in Deutschland gewarnt. Bei Spannungen in Nahost werde die jüdische Bevölkerung in Deutschland in „Kollektivhaft“ genommen.

 

Staat und Synagoge

Lörrachs Revierleiter Andreas Nagy bestätigt diese Tendenz: Das Handeln der Regierung des Staates Israel und die Lörracher Synagoge als Ort des Glaubens hätten zunächst einmal nichts miteinander zu tun. Gleichwohl werde insbesondere während Konfliktphasen im Nahen Osten von manchen eine Verbindung zwischen dem Staat Israel und den jüdischen Synagogen konstruiert – die es so nicht gebe, aber die Anspannung vor Ort in den Gemeinden verstärke. „Wir sind noch wachsamer geworden“, sagte Nagy mit Blick auf das Gebäude. Gleichzeitig betont er, dass es bislang keine konkreten Anzeichen einer weiteren Verschärfung der Gefährdungslage in Lörrach gäbe.

Nach den antisemitisch motivierten Anschlägen in Halle im Oktober 2019 wurden die Sicherheitsmaßnahmen rund um die Lörracher Synagoge deutlich erhöht – bis heute.

Ministerium bewertet Lage

Ursprünglich war das Areal nicht umzäunt. Die Israelitische Kultusgemeinde habe sich bewusst in dieser offenen Weise als Teil der Stadt Lörrach positionieren wollen, sagte Nagy. Indes sei dies angesichts der Gefährdungslage so nicht mehr möglich gewesen. Seit einigen Jahren umschließt ein hoher Zaun das Gelände. Gleichwohl ist das Haus nicht abgeschottet; so sind unter anderem Synagogenführungen für Schulklassen, Vereine und andere Institutionen möglich.

Andreas Nagy Foto: Bernhard Konrad

Die Bewertung der Lage samt Anordnung der Maßnahmen liegt beim Innenministerium des Landes Baden-Württemberg. Sämtliche Veranstaltungen in der Synagoge werden seit Jahren von Polizisten in Präsenz bewacht – im vergangenen Jahr waren es rund 140 Einsätze. Hilfreich sei auch, dass die Lörracher Polizeispitze und Landesrabbiner Moshe Flomenmann einen ebenso kurzen wie unkomplizierten Draht zueinander haben.

Streifen verstärkt

Die Synagoge werde regelmäßig von Streifen in Augenschein genommen. Dabei, so Nagy, komme es der Polizei entgegen, dass sich das Gebäude in der Nähe des Polizeireviers befindet. Die Bestreifung wurde zuletzt noch etwas intensiviert, insbesondere während der Nachtdienste. Nagy ist das wichtig, denn: „Die Synagoge ist ein besonderes Gebäude – und mit diesem sind besondere Schutzmaßnahmen verbunden.“