Die Stadt Lörrach entwickelt das gemischte Quartier „Westlich Schwarzwaldstraße“ weiter. Es geht um die Sicherung des Nutzungsmixes aus Gewerbe und Wohnen. Was sagt die Politik?
Mit dem Ziel, das bestehende Nutzungsgemisch aus Wohnen, Gewerbe sowie sozialen und kulturellen Einrichtungen im Quartier westlich der Schwarzwaldstraße zu sichern und weiterzuentwickeln, hat der Gemeinderat der Stadt Lörrach im Juni vergangenen Jahres den Vorentwurf des Bebauungsplans „Westlich Schwarzwaldstraße“ auf den Weg gebracht. Im Ausschuss für Umwelt und Technik stellte die Stadt nunmehr den B-Plan zur Diskussion.
Jahrelange Vorgeschichte
Im Jahr 2018 hatte der Gemeinderat die Aufstellung des Bebauungsplans beschlossen, nachdem steigende Bodenpreise und Investoreninteressen im Plangebiet zur Abwanderung mehrerer Betriebe und tendenziell zu vermehrter Wohnnutzung geführt hatten. Ziel war es, einer ungesteuerten Umwandlung in ein Allgemeines Wohngebiet mit erhöhtem Schutzanspruch und damit potenziellen Konflikten zwischen Wohn- und Gewerbenutzung entgegenzuwirken und die Grundlage für ein ausgewogenes Nebeneinander zu schaffen, erinnerte die Verwaltung.
Das Planverfahren war begleitet von komplexen Abstimmungsprozessen, insbesondere im Bereich Lärm- und Immissionsschutz. Aufgrund der Gebietsgröße und der inhaltlichen Vielschichtigkeit wurde das Verfahren im Juni vergangenen Jahres in das zweistufige Regelverfahren überführt und der Geltungsbereich des Plangebiets erweitert.
Sicherung der Struktur
Wesentliche Planungsziele sind laut Stadtverwaltung der Erhalt und die Sicherung einer gemischten Nutzung aus Wohnen und Gewerbe, insbesondere mit gewerblichen Nutzungen in Erdgeschosszonen und entlang der Schwarzwaldstraße. Auch Potenziale zur Nachverdichtung für Wohnraum wurden geprüft. Die städtebauliche Struktur sieht den Erhalt der Blockrandbebauung mit Möglichkeiten für gezielte Öffnungen und Aufwertungen der Innenbereiche vor, führt die Verwaltung weiter aus.
Für den überwiegenden Teil des Plangebiets ist ein „Urbanes Gebiet“ vorgesehen, das eine flexible Kombination aus Wohnnutzung, nicht wesentlich störendem Gewerbe und kulturellen sowie sozialen Nutzungen ermöglicht. Kleinere Teilbereiche werden als Allgemeines Wohngebiet ausgewiesen. Maß der baulichen Nutzung, Gebäudehöhen und Grundflächenzahlen orientieren und entwickeln sich am Bestand und den Gegebenheiten der Umgebung.
Der passende Mix
Bürgermeisterin Monika Neuhöfer-Avdić betont in der Mitteilung zum Tagesordnungspunkt die Bedeutung der Planung: „Mit dem Bebauungsplan schaffen wir die Grundlage für ein funktional durchmischtes, städtebaulich verträgliches Quartier mit Zukunft. Uns geht es um ein gutes Miteinander von Wohnen und Gewerbe – darum, Entwicklung zu ermöglichen und gleichzeitig Schutz und Planungssicherheit für die ansässigen Betriebe zu gewährleisten.“
Ein Umweltbericht, eine spezielle artenschutzrechtliche Prüfung sowie ein schalltechnisches Gutachten begleiten das Verfahren. Letzteres untersuchte sowohl Gewerbe- als auch Verkehrslärm. Die empfohlenen Maßnahmen zum Lärmschutz wurden in die Festsetzungen des Bebauungsplans übernommen, schildert die Verwaltung weiter.
Das sagt die Politik
Es ging darum, dass es immer weniger Gewerbe im Quartiert gibt, weiß Fritz Böhler (Grüne). Mit der gewählten, sehr differenzierten Lösung sei dieser Gefahr Rechnung getragen worden. Es handele sich wohl um die erste Bebauungsplan-Vorlage zum Gewerbeschutz, mutmaßte Bernhard Escher (CDU): „Und das ist auch wichtig.“ Angesichts des zeitlichen Vorlaufs meinte Christiane Cyperrek (SPD): „Was lange gewährt hat, wird endlich gut.“ Nun liege ein ganz feingliedriger B-Plan vor. Hoffnung, dass es für alle Beteiligten Vorteile gibt, hat Thomas Vogel (FW).
Nach Billigung des Entwurfs durch den Rat soll im nächsten Schritt die förmliche Beteiligung erfolgen. Ziel sei es, das Bebauungsplanverfahren in den kommenden Monaten weiterzuführen und die planungsrechtlichen Voraussetzungen zur nachhaltigen Gebietsentwicklung zu schaffen.