Unsere Stadtgesellschaft ist bunt – und das spiegelt sich auch im unternehmerischen Angebot wider, findet unsere Autorin.
Auffällig viele Geschäftsneueröffnungen werden von Menschen mit Wurzeln aus anderen Ländern getätigt.
Jahrelang standen die Geschäftsräume mitten in Tumringen leer. Früher konnten die Bürger hier bei Netto, später Treff, alles kaufen, was man zum täglichen Leben braucht – ein Stück Lebensqualität. Dann war Schluss. Zu klein, zu unrentabel... hieß es von mancher Seite. Wenige Tumringer hatten Hoffnung, dass hier jemals wieder ein Lebensmittelmarkt einzieht.
Nun ist wieder ein Supermarkt da. Spontan, beherzt und mutig haben zwei Geschäftsführer mit Erfahrung in der Lebensmittelbranche und der Gastronomie sich gesagt: „Wir machen das.“ Erfolgsgarantie? Natürlich keine. Doch beide erklären im Gespräch mit unserer Redaktion, dass sie hier Potenzial sehen – und es wagen.
Dieser unternehmerische Mut, so scheint es, steckt oft – wie auch hier – in Menschen mit Migrationshintergrund. Und es ist kein Klischee, dass dann häufig ein Teil der Familie, der Freunde und Bekannten mit anpackt. Eine Solidarität, die begeistert – und die den Akteuren hilft. Es gibt weitere Beispiele in Lörrach.
Das recht neue Lebensmittelgeschäft mit Café in der Teichstraße, der indische Laden im Adlergässchen oder asiatische Lebensmittelanbieter: Es sind Bürger mit europäischen und außereuropäischen Wurzeln, die neben den üblichen Einzelhandelsriesen und Ketten vielfach das Angebot in Lörrach mitprägen.
Ähnlich sieht es schon lange im Gastrobereich aus. Und natürlich auch in medizinischen Berufen, unter Handwerkern, Paketzustellern, in Lörracher Arztpraxen, und und und...
Nicht zu leugnen ist, dass das dem ein oder anderen Bürger zu viel ist. Und dass mancher die Anzahl an Barbershops, Dönerangeboten und Nagelstudios mit Skepsis betrachtet. Indes: Wären Leerstände besser?
Der Bedarf nach diesen Angeboten muss zudem da sein, sonst würden sie sich nicht halten, argumentierte auch die Wirtschaftsförderin Marion Ziegler-Jung jüngst gegenüber unserer Zeitung. Unsere Stadtgesellschaft ist bunt – und das spiegelt sich eben auch im unternehmerischen Angebot wider.
Zurück zum Supermarkt in Tumringen. Die Geschäftsführer betonen die Internationalität ihres Angebots. Im Geschäft seien Standard-Edeka-Artikel genauso erhältlich wie Drogerieangebote, frisches Obst und Gemüse, Frischfleisch, Backwaren bis hin zu vielen speziellen Produkten aus Ländern von Albanien bis Arabien. Sie betonen, wie sehr sie sich eine breite Kundschaft aus allen Bürgern, allen Nationen wünschen.
Das ist ein schöner Ansatz: Dem ersten Eindruck nach freuen sich die Tumringer, dass sie endlich wieder „um die Ecke“ Produkte des täglichen Bedarfs kaufen können. Und das bei langen Öffnungszeiten.
Diese Freude am „Schaffen“ galt lange als Arbeitsmotto in Deutschland. Angesichts von Personalengpässen, fehlender Kinderbetreuung und einer sowieso komplizierter werdenden Arbeitswelt und Bürokratie scheint für Viele unternehmerische Eigeninitiative – wohl auch verständlicherweise – zu mühsam, zu risikoreich. Wir können froh sein, dass es noch Mitbürger gibt, die diesen Schritt gehen.
Gut gewählt scheint bei dem Anspruch der neuen Pächter in Tumringen übrigens der Name des neuen Geschäfts: „Unser Supermarkt“. Denn tatsächlich: Es ist unser Lörrach, und zu diesem „Unser“ gehören alle, die hier wohnen, egal, ob sie ihre Wurzeln in Stetten, Tumringen oder der Türkei haben.