Beim Neujahrsempfang der Gilde wurde die Fasnachts-Kontroverse offiziell beigelegt. Ein gutes Zeichen, meint unser Autor.
Darauf kann man aufbauen. Es sind zum einen die versöhnlichen Worten von Obergildenmeister Michael Lindemer, die bei diesem offiziellen Anlass nochmal eine Brücke Richtung Stadtverwaltung geschlagen haben. Es ist aber insbesondere auch der erkennbare Wille, diesen Worten Taten folgen zu lassen.
Lindemer verhehlte nicht, dass ihn die vergangenen Monate innerlich angefasst haben: etliche Wortmeldungen im Gemeinderat hat die Gilde als einen Mangel an Wertschätzung für die Lörracher Straßenfasnacht wahrgenommen, das Vertrauensverhältnis zur Stadt war beschädigt, auch das Verhältnis zur Presse war zwischenzeitlich nicht ganz einfach. Diese Erinnerung trägt der Obergildenmeister noch in sich, das war zu spüren. Aber ebenso seine Bereitschaft für einen Neuanfang. Miteinander reden statt übereinander: transparent, verlässlich, mit wertschätzendem Blick auf die Position des Gegenüber.
Stadt und Gilde haben nach dem Kompromiss für die Fasnacht einen Grundstein gelegt, auf dem die Beziehung zwischen Gildenvorstand, Verwaltung und Gemeinderat neu aufgebaut werden kann. Das war auch dringend notwendig – nicht zuletzt, weil sowohl die Straßenfasnächtler als auch die Stadt zum 90. Geburtstag der Gilde eine besondere Verpflichtung haben.
Die Fasnacht hat sich für die Lerchenstadt im Dreiländereck zu einem profilbildenden Element entwickelt – mit Relevanz für das Image Lörrachs, den lokalen Einzelhandel, Gastronomie und Hotellerie, aber vor allem auch als regionales Kulturgut und facettenreicher Veranstaltungsreigen.
Im 90. Jahr ihres Bestehens kann die Gilde nun weitgehend unbeschwert aufspielen. Und eine anfängliche Verlegenheit haben die Fasnächtler in eine Bereicherung verwandelt. Das zunächst verwaiste Protektorat – in der Regel von einem lokalen „Promi“ besetzt – wird in diesem Jahr von Luitgard Ehmsen übernommen, 88-jähriges Urgestein der Fasnacht.
Die Wahl verweist nicht zuletzt darauf, für wen die Fasnacht eigentlich gefeiert wird: für die Menschen in Stadt und Land.