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Lörrach Ottmar Hitzfeld feiert 70. Geburtstag

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Ottmar Hitzfeld hat seinen letzten Abschied als Fußball-Trainer nicht bereut. Jetzt ist die Familie die Nummer eins im Leben des Privatiers.  Foto: Flüeler

Lörrach - "Wichtig war mir Respekt, Vertrauen, die Identifikation mit dem Verein und der Arbeit. Das war meine Führungsphilosophie, ich habe sie immer wieder gepredigt. Wir hatten immer einen guten Zusammenhalt, und nur so kann man erfolgreich sein": Das sind Worte eines Großen der Fußball-Zunft. Eines ehemaligen Welttrainers, dem "General", der sieben Mal Deutscher Meister wurde und zweimal den Champions-League-Pott in die Höhe reckte: Ottmar Hitzfeld. An diesem Samstag wird der Lörracher 70  Jahre alt.

Die Entscheidung, nach der WM 2014 in Brasilien, wo er die Schweizer "Nati" betreute, den Trainerberuf an den Nagel zu hängen, hat er nie bereut. "Es war ein schöner Abschluss, ohne faden Beigeschmack, es war fantastisch." Kribbelt es denn nicht mehr? "Überhaupt nicht. Es war die ideale Kon­stellation, der ideale Zeitpunkt", lässt Hitzfeld im Brustton der Überzeugung wissen. Dabei erreichen ihn noch immer Anfragen von Bundesligisten und aus Asien.

Entscheidungen im Nachhinein infragezustellen, nein, das war und ist nicht Hitzfelds Sache. "Als Trainer darf man nie ins Grübeln kommen, das muss man lernen. Eine gründliche Vorbereitung geht voraus, dann muss man es durchziehen. Sonst ist die Verunsicherung groß, was auf die Mannschaft ausstrahlt. Man muss überzeugt sein", meint das jüngste von fünf Geschwistern, das unmittelbar an der Schweizer Grenze in Lörrach aufwuchs und nach seiner Zeit beim BVB im Ruhrpott und bei den Bayern in München wieder zu den Wurzeln zurückkehrte.

Zurückblicken ist nicht sein Ding: "Ausruhen auf Erfolgen ist nicht drin, man steht dauernd auf dem Prüfstein"

Entscheiden musste sich Hitzfeld in seiner Karriere des Öfteren. Beispielsweise 1997, als sich Real Madrid meldete, und der Präsident bei Hitzfeld vorsprach. "Ich habe mir aber gedacht, dass, bis ich Spanisch kann, ich schon längst entlassen bin. Es ist schwierig, wenn man die Sprache nicht sprechen kann."

2004 sollte der Olympia-Teilnehmer von 1972 dann deutscher Nationalmannschaftstrainer werden. DFB-Präsident­ Gerhard Mayer-Vorfelder wollte ihn. Auch Franz Beckenbauer rief an. "Ich habe ihnen gesagt, dass ich kaputt bin und eine Pause brauche. Beckenbauer ließ nicht locker. Dann habe ich zu ihm gesagt, mach’ es doch du. Daraufhin meinte er: Da stürze ich lieber aus dem Fenster."

Hitzfeld ließ sich nicht umstimmen, hörte auf seinen Körper. Nach sechs Jahren bei Bayern München war er mental am Ende. "Wir haben im fünften Jahr noch das Double geholt, aber so recht gefreut habe ich mich nicht. Ich dachte nur, zum Glück haben wir nicht verloren. Das waren erste Anzeichen", erinnert sich Hitzfeld. Es folgten viele Gespräche mit einem Professor in München, Hitzfeld nahm Medikamente und zog sich nach Engelberg zurück. "Die Schweizer Berge haben mir gut getan, ich konnte regenerieren, mich erholen."

Eigentlich sei klar gewesen, nicht mehr als Trainer zu arbeiten, doch nach zweieinhalb Jahren war das Interesse bei der einen oder anderen Anfrage da. "Ich habe mich damit beschäftigt, nun war die Kraft wieder da, ich habe die Herausforderung gesehen", erklärt Hitzfeld. Und nach einem 0:0 der Bayern gegen Bochum war Uli Hoeneß an der Strippe. Das war im Februar 2007. Hitzfeld sagte bis zum Ende der Saison zu. "Dann haben wir in der Champions League Real Madrid rausgeworfen und ich den Vertrag nochmals um eine Saison verlängert", erzählt der Lörracher.

Doch im November 2008 und nach der Anfrage des Schweizer Fußballverbandes ließ er die Verantwortlichen des Rekordmeisters wissen, dass er im Sommer aufhören werde. "Ich habe mich mit dem Double verabschiedet."

Zurückblicken ist eigentlich nicht sein Ding. "Als Trainer darf man nur nach vorne schauen. Ausruhen auf Erfolgen ist nicht drin, man steht dauernd auf dem Prüfstein. Das ist jetzt als Rentner aber etwas anders. Jetzt halten einen die Enkel auf Trab, das ist eine andere Herausforderung", erzählt er mit leuchtenden Augen. Nicht der Fußball ist die Nummer eins im Leben des Privatiers, sondern die Familie. Regelmäßig zieht es ihn und seine Gattin Beatrix nach München, wo sein Sohn Matthias mit seiner Familie zuhause ist.

Bei einem der letzten Abstecher in die bayerische Landeshauptstadt traf sich Hitzfeld mit dem jetzigen Bayern-Coach. "Nico Kovac war ja mein Spieler, es war sehr inter­essant zu erfahren, wie er nun selbst als Trainer das Thema Bayern sieht", meint Hitzfeld, der eigentlich ja Lehrer werden wollte.

Weil der Druck im Geschäft riesig ist, sei er als Experte im Fernsehen auch immer milde im Urteil gewesen

Rückblende: Vom TuS Stetten und dem FV Lörrach führte den Südbadener ein Anruf bei Trainer Helmut Benthaus schließlich 1971 zum FC Basel, ehe es den Stürmer zum VfB Stuttgart, FC Lugano und dem FC Luzern zog, wo er schließlich seine Karriere als Spieler beendete. Das Staatsexamen in Mathe und Sport hatte er da schon längst in der Tasche. Zu lange her, befand das Staatliche Schulamt und verlangte eine Nachprüfung. Das ärgerte Hitzfeld maßlos, und so versuchte er sich als Trainer. 1983 begann diese ruhmreiche Laufbahn beim SC Zug. Der Rest ist bekannt.

So lange als Übungsleiter seinen Mann zu stehen, das ist wahrlich keine Selbstverständlichkeit, wie Hitzfeld findet. "Trainer zu sein, bedeutet auch, sich einem Konkurrenzkampf zu stellen. Man weiß ja nie, wie lange man Trainer ist. Du kannst 40 oder 50 sein, und plötzlich stehst du auf der Straße", sagt er und weiß, dass die durchschnittliche Trainerpräsenz in der Bundesliga mickrige 1,2 Jahre beträgt. "90 Prozent derjenigen, die als Trainer beginnen, werden den Beruf wechseln. Das Geschäft ist zu schnelllebig, es gibt immer neue Trends, und am Ende zählt einzig das Ergebnis. Der Druck ist riesig."

Darum sei er als Experte im Fernsehen auch immer milde im Urteil gewesen. "Ich weiß ja, wie schwer es die Kollegen haben. Wichtig war es mir, die andere Seite zu beleuchten." Insgesamt gehöre Kritik aber zum Trainer-Dasein. "Die Medien jubeln und zerreißen; da ist man dann schon etwas abgestumpft. Auch wenn es immer wehtut, negative Schlagzeilen über sich zu lesen. Niemand möchte als Versager dastehen."

Auch wenn Hitzfeld nicht mehr an der Seitenlinie das Zepter schwingt, so hält er sich auf dem Laufenden. "Gerade meine Ex-Klubs und die Vereine aus dem Ländle inter­essieren mich etwas mehr", sagt der Jubilar, der als Interviewpartner gefragt ist. "Da muss ich mich schon auskennen und vorbereitet sein."

Und was sagt denn nun der Experte? Welcher seiner Ex-Vereine­ in der Bundesliga wird wohl das Rennen in diieser Saison machen? "Der Vorteil liegt bei den Dortmundern. Mit diesem Vorsprung zu diesem Zeitpunkt ist bislang jeder Meister geworden. Aber die Bayern darf man nie abschreiben, sie schaffen es immer wieder, mit Druck umzugehen und Krisen zu überwinden. Viel wird vom Start aus der Winterpause abhängen. Bayern darf sich keinen Ausrutscher erlauben, das würde ein Erdbeben auslösen. Denn ganz Deutschland interessiert, was die Bayern machen. Das ist bei keinem anderen Klub so."

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