Stadtentwicklung: Wunschproduktion bis 21. Oktober beim Plankiosk: Ideenbörse für die Gestaltung
Die Brache gewinnt an Konturen. Seit Mitte April bringen sich Bürger mit ihren Ideen in die „Wunschproduktion“ von Fabric für das Gelände der Schöpflin-Stiftung an der Franz-Ehret-Straße ein. Christoph Schäfer, Künstler und Fabric-Leiter, freut sich über Vorschläge für die Gestaltung des Areals und über das lokale Engagement für diese basisdemokratische Form der Stadtentwicklung.
Von Bernhard Konrad
Lörrach-Brombach. „Brombach Dreaming“ steht in großen Lettern über dem Dach des Plankiosks. Tatsächlich soll die Deutungshoheit für die Zukunft dieser Fläche nicht in den Händen einer überschaubaren Expertengruppe liegen – hier darf jeder von der Geländegestaltung der Zukunft träumen. Münden soll der Ansatz gleichwohl in handfeste Ergebnisse.
Der Fabric-Ansatz
„Als Pionierprojekt könnte Fabric zeigen, wie das lokale Wissen der Stadtentwicklung der Zukunft eine neue Richtung geben kann“: So beschreibt die Schöpflin-Stiftung den Leitgedanken. „Der Ansatz von Christoph Schäfer und seinem Team ist es, das ’Wissen der Vielen’ zu heben, um dann in einem Prozess etwas zu entwickeln, das verschiedene Interessen abbildet. Das braucht Zeit“, erläuterte der geschäftsführende Vorstand der Schöpflin Stiftung, Tim Göbel, in einem Interview mit unserer Zeitung.
Die Wunschproduktion
Die Geduld scheint sich allmählich auszuzahlen. Fabric – dieses häufig mit Unverständnis beäugte Forschungslabor der Bürgerbeteiligung – tritt Schritt für Schritt aus der Nische auf die städtische Bühne. Derzeit findet in diesem Prozess mit der „Wunschproduktion“ die geistige Landnahme des Areals statt. Durch Gesprächsrunden und Vorträge wird der Vorgang flankiert: „Internationale Beiträge, die Kunst und Architektur... mit dem Alltagsleben in Verbindung bringen“, skizziert Fabric die beabsichtigte Wechselwirkung.
Nach dem 21. Oktober werden die Vorschläge der Wunschproduktion geordnet und diskutiert. Nach weiteren Schritten soll als Schlussstein die Gestaltung des gut 13 000 Quadratmeter großen Neulands aufgegleist und umgesetzt werden.
Im Plankiosk deutet Schäfer auf akkurat gehängte Mappen, in denen Planungs-Impulse für die Zukunft des Geländes gesammelt werden. Sowohl Fachleute als auch „ganz normale Bürger jeden Alters“ beteiligen sich, junge Familien mit Kindern finden offenbar besonderes Interesse am Fabric-Gedanken. Zahlen möchte Schäfer noch nicht nennen.
Eingebracht werden sowohl allgemeine Anregungen als auch konkrete Vorschläge und Forderungen für die Ausgestaltung des Geländes. Die Ideen können als Textbeitrag eingereicht werden, aber auch gemalt, geknetet, oder mit Lego-Steinen gebaut können Bürger ihren Gedanken Form verleihen.
Auf einem kleinen Tisch wird das Areal ebenfalls abgebildet. Mit den zahlreich vorhandenen Werkstücken und Gestaltungselementen dient er buchstäblich als Spielfeld für die Ideenbörse.
Mit dem Facettenreichtum der Formate sollen möglichst viele Nutzer angesprochen werden. Besonders beliebt ist der Fabric-Fragebogen, auf dem Teilnehmer an einem Katalog entlang ihre Vorstellungen zu Papier bringen können.
An den Beiträgen sei zu erkennen, dass sich viele Leute sehr ernsthaft und selbstbewusst mit dem Thema beschäftigen, sagt Schäfer. 70 bis 80 Prozent, so schätzt er, kommen aus der weiteren Nachbarschaft, doch freilich sind alle Interessenten, insbesondere aus den Ortsteilen, zur Beteiligung eingeladen.
Die Schöpflin-Stiftung
Unterdessen begleitet die Schöpflin-Stiftung den Lauf der Dinge. Sie stelle auch Fragen, aber sie greife nicht ein – der Prozess sei autonom, sagt Stifter Hans Schöpflin. Fabric werde für die Stiftung und deren Standbeine eine eigene Wunschproduktion aufgleisen, erklärt Schöpflin. Wie berichtet, beabsichtigt die Stiftung, einen Teil des Terrains für ihre Arbeit zu nutzen. Als Einzelperson unter vielen Teilnehmern würde es Hans Schöpflin begrüßen, wenn das Thema „Wasser“ auf „das Gelände gebracht wird“. Unter der Oberfläche soll in früheren Zeiten ein Kanal geflossen sein. Auch unter diesem Gesichtspunkt würde das passen – aber ohnehin werde die Einbindung von „Wasser“ in vielen Vorschlägen genannt, so Schäfer.
Speziell zum Thema „Wohnen“ werden im September und Oktober nochmals Veranstaltungen angeboten. Schöpflin könnte sich zudem vorstellen, dass an Ort und Stelle ein Treff für die zahlreichen Fördernehmer der Stiftung geschaffen wird, in dem fruchtbarer Austausch zwischen unterschiedlichsten Akteuren stattfinden kann. Auch damit würde diese Aktion deutlich über Lörrach hinauswirken. Klar ist indes, so Schöpflin: „Das Lokale hat Priorität.“
Der Fahrplan
Bei der Auswertung der Ideen werden zunächst Themenschwerpunkte gebildet, dann ausgewertet und verdichtet. Doch geht es den Initiatoren letztlich nicht nur um die Quantität der Beteiligung, sondern auch um Qualität – und natürlich um die Machbarkeit. Das heißt: Auch eine gute Einzelidee hat Chancen, in die engere Auswahl zu kommen und ungesetzt zu werden. Sicher ist: Es werden keine Vorschläge berücksichtigt, die nach dem 21. Oktober eingereicht werden, betont Göbel. „Jetzt können die Leute noch die Chance nutzen, frei und ohne Verpflichtung zu denken und Ideen einzureichen“, sagt Schäfer. Ende Januar soll die Analyse der Wunschproduktion der Öffentlichkeit vorgestellt werden.
Unter all den Anregungen bildet eine Empfehlung von Tim Göbel für die Gelände-Gestaltung ein konkretes Element, deren Umsetzung derzeit wohl jeder unterstützen könnte. Sein Wunsch: „Eine Eisdiele!“ Öffnungszeiten des Plankiosks: Mi. – Fr. 15 – 20 Uhr, Sa. 11 – 20 Uhr