Ein Fahrlehrer erzählt über die Anforderungen für junge Fahrschüler.
Das unterstreicht auch Fahrschullehrer Yusuf Celik auf Nachfrage unserer Zeitung. Es ist gar nicht so leicht, einen der Lörracher Fahrschulinhaber an die Strippe zu bekommen. Sie sind alle extrem beschäftigt. So auch Celik, der seit 2014 die Fahrschule „Fahrstil“ führt. Doch am frühen Vormittag hat er ein Zeitfenster, bevor sich Fahrstunde an Fahrstunde reiht.
45 Prozent der Fahrschüler fallen durch die Theorieprüfung, mehr als ein Drittel (37 Prozent) scheitert in der Praxis. Das zeigt der jüngste Datenreport des TÜV-Verbands. Das sorgte jetzt für bundesweite Schlagzeilen.
Bedarf in Lörrach ist groß
Immerhin um die 3000 Euro kostet ein Führerschein mit allem drum und dran schon, erzählt Celik. Jedes Durchfallen verteuert die Sache. Die Tendenz, dass Jugendliche gar keinen „Lappen“ mehr wollen, gelte vielleicht für Großstädte, aber nicht für Lörrach. „Im hügeligen Landkreis ist nicht alles unkompliziert mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar. Darum braucht es hier für viele unbedingt ein Auto“, weiß er aus Erfahrung. „Der Bedarf ist hoch, die Nachfrage groß, auch bei Motorradführerscheinen.“
Mittlerweile wird nicht mehr auf Papierbögen, sondern via App digital gelernt. „Die Theorie umfasst über 1200 Fragen“, so Yusuf Celik. Vielen Jugendlichen mache die intensive Beschäftigung mit Regeln, Schildern, Verkehrssituationen und den Herausforderungen des Straßenverkehrs schlichtweg keinen Spaß. „Einen Führerschein macht man heute nicht so eben nebenbei. Da muss man echt viel Zeit investieren.“ Viele Jugendliche seien indes stark gefordert mit Schule, Sport, Freunden und Minijobs. Letztere brauche es oft für diejenigen Fahrschüler, die nicht von Eltern oder Großeltern den Führerschein gezahlt bekommen, erzählt der Fahrlehrer.
Vor den Prüfungen hätten viele Fahrschüler Angst, weiß Celik. Jedes Durchfallen verteuert das Ganze schließlich zusätzlich – und macht die Prüflinge noch nervöser. „Ich gebe mein Bestes, gerne auch mit Humor. Es freut mich, dass ich so viel positives Feedback bekomme. Manchmal muss man fast wie ein Psychologe sein“, lacht er.
Viele sind nervös
Wichtig sei, mit den Fahrschülern auch über andere Themen zu reden, damit sie nicht zu sehr verkrampfen. „Die jungen Fahrschüler werden dann automatisch lockerer, die Angst verschwindet.“
Vor 20 Jahren war es cool, Auto zu fahren, heute sei das ganz schön stressig, findet der 44-Jährige angesichts all der Regelungen und verschiedener Verkehrsteilnehmer vom Fußgänger über E-Bike-Fahrer bis zu E-Rollern.
Schon immer autoverrückt
Trotz des zunehmenden Verkehrs ist Yusuf Celik mit Herz und Seele Fahrlehrer. „Ich war schon immer autoverrückt“, erzählt er. Er liebt es bis heute, auf den Straßen unterwegs zu sein: früher als Busfahrer, dann als angestellter Fahrlehrer und nun seit über zehn Jahren als Fahrschulinhaber.
Hin und wieder hat er auch ältere Fahrschüler: Senioren, die endlich den Führerschein machen wollen, oder Fahrer, die nach langer Pause ihre Praxis auffrischen möchten. „Für viele ist das echt nicht leicht. Allein der Schulterblick...“ Im übrigen ist er überzeugt: „Die meisten Führerschein-Besitzer würden heute bei einer Prüfung wahrscheinlich durchfallen.“