Rudolf Gwinner entdeckt Erstaunliches in der Geschichte des Altenpflegeheims / Infotafel enthüllt

Von Gerold Bächle

Löffingen. Die geschichtsträchtigen Gebäude von Löffingen sind seit längerem mit einer Informationstafel versehen. Nun wurde auch das Altenpflegeheim St. Martin mit einer solchen ausgestattet."Vom Leprosenhaus – Sondersiechenhaus – Armenhaus – Krankenhaus bis zum Altenpflegeheim St. Martin", so hat Heimatforscher Rudolf Gwinner die Geschichte überschrieben. "Mit dieser Tafel wird unser Haus noch interessanter und lässt die Geschichte lebendig bleiben", erklärten übereinstimmend Bürgermeister Norbert Brugger, Heimleiter Martin Satler und Stadtmarketingleiter Karlheinz Rontke bei der Enthüllung. Schon im Jahr 1330 wurde ein Leprosenhaus erwähnt. 1606 wird ein Siechenhaus fertiggestellt, nachdem Pfarrer Müller der Stadt zuvor 1000 Gulden zum Bau eines solchen außerhalb der Stadt vermacht hatte. 1768 ist von einem solchen Leprosenhaus, später Armenhaus, die Rede. Es stand in der Hohlgasse.

1804 gibt es ein städtisches Spital im unteren Tor, welches zwischen dem heutigen Gasthaus Sonne und der Scheffelapotheke stand. 1873 beginnt die Geschichte des heutigen Altenpflegeheims. 1896 führte Dr. Gilly die erste Operation in Löffingen durch. Besonders erwähnenswert sind die Familien Eggert, Gebert, Glunk, Hogg, Kaus und Thoma, welche beträchtliche Stiftungen und Schenkungen an den Krankenhausfond vornahmen. Krankenschwestern der Barmherzigen Schwestern übernahmen die Krankenpflege und die Arbeit der Hausverwaltung.

Nach mehreren Vergrößerungs- und Umbauarbeiten bekam das Krankenhaus 1957 einen großen Anbau mit einer Bettenzahl von 55 für 500 000 Mark. Die Gemeinden Bachheim, Dittishausen, Göschweiler, Reiselfingen, Rötenbach, Seppenhofen, Unadingen und Unterbränd beteiligten sich mit 68 000 Mark. Löffingen war ein anerkanntes Krankenhaus, vor allem durch das Können der Mediziner Geiss und Goethe. Weit über die Grenzen hinaus war die Geburtsabteilung bekannt mit der beliebten Hebamme Emma Kienzle. So wurden in Löffingen die meisten Kinder geboren, wie Norbert Brugger und Rudolf Gwinner als Ur-Löffinger wissen.

Doch 1981 läuteten das Ministerium und der Landkreis das Ende des Löffinger Krankenhauses ein. Trotz der Gründung einer Bürgerinitiative zum Erhalt des städtischen Krankenhauses, zahlreiche Demonstrationen und Protestaktionen vor Gesundheitsministerin Annemarie Griesinger konnte das Krankenhaus nicht gerettet werden. Selbst die medienwirksame Ankettung des Landtagsabgeordneten Helgo Bran 1983 half nichts. Es wurden verschiedene Zukunftsmodelle entworfen. Die Idee eines Altenpflegeheims hatten schließlich der SPD-Fraktionsvorsitzende Josef Bayer und Ernst Frey ("Stumpen-Frey"). Am 31. März 1983 wurde das Krankenhaus geschlossen, und bereits 1985 nahm das Altenpflegeheim den Betrieb auf. Der Blick zurück zeige, so Norbert Brugger, "es war die richtige Entscheidung des Stiftungsrats. Heute ist das Altenpflegeheim so beliebt und in der Region hoch geschätzt."