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Löffingen Blindenpfad im Test: Verschimmelte Kastanien

Von
Volontärin Lisa Herfurth fährt mit dem Finger über die Brailleschrift. Foto: (nk)

Löffingen - Wie fühlt es sich an, blind zu sein? Das möchte der Schwarzwälder Bote am eigenen Leib erfahren - beim Blindenpfad in Löffingen. Soviel schon mal vorab: Volontärin Lisa Herfurth bricht den Selbsttest frühzeitig ab. Unter anderem, weil sie schimmelige Kastanien ertastet. 

Volontärin Lisa Herfurth schildert ihre Erfahrung:

Auf der Internetseite von Schwarzwald Tourismus wird der Rundgang als Erlebnispfad. nicht nur für Blinde oder Sehbehinderte, sondern für die ganze Familie beworben. Es wird ein "Abenteuer" vom Barfußpfad über Füllkästen mit geheimen Inhalt und Vogelstimmen, die man erraten muss, beschrieben. Dementsprechend hoch sind auch meine Erwartungen. 

Dort angekommen, macht sich von Weitem schon ein Schild bemerkbar. Eine kurze Einführung in das wieso, weshalb, warum des Projekts macht Lust auf mehr. An einem Holzkasten nehme ich mir eine Augenbinde heraus und lese aufmerksam das Schild durch, damit ich erfahre, wie ich weiter vorgehen muss. Aber schnell wird klar, hier bekomme ich keine weiteren Infos. Also geht es zur ersten Station. 

Erste Station: Vogelstimmen erraten 

Auf einer großen Tafel kann ich nun Vogelstimmen erraten. Doch beim Drücken der Knöpfe lausche ich vergeblich, denn wie es scheit, ist der Apparat, der die Stimmen abspielen soll, kaputt. Und das, obwohl der Blindenlehrpfad erst vor etwa einem Monat eröffnet wurde. Ernüchternd gehe ich zur nächsten Station. 

          Die Stadt nimmt Stellung: Für die Wartung des Parks ist die Stadt Löffingen zuständig. Karlheinz Rontke vom Stadtmarketing erklärt: "Der Stromkasten ist kaputt, wird aber zeitnah wieder repariert." 

Zweite Station: Barfußpfad

Vor mir tut sich ein kurzer Pfad mit sechs unterschiedlich befüllten Feldern auf. Hinter jedem Feld steht ein Schild, auf dem in Blinden- und lateinischer Schrift steht, mit was der Abschnitt befüllt ist. Aber nirgends finde ich eine Anleitung für diese Station. Ich habe immer noch die Augenbinde auf dem Kopf statt auf den Augen, eigentlich sollte ich die doch jetzt irgendwann mal herunterziehen. Also lege ich einfach mal los. Ich stelle mich an den Anfang des Pfades, verbinde meine Augen und gehe los. Gar nicht so leicht, ohne Geländer überhaupt geradeaus zu laufen. Vorsichtige tapse ich durch die Felder und bleibe regelmäßig an den Steinen, die das Feld abgrenzen, hängen. Ziemlich gefährlich. Ich brauche für die Station gefühlt eine Ewigkeit, fast hätte ich gar nicht gemerkt, dass der Pfad zu Ende ist, weil auf dem Weg fast die selben Steinchen liegen.

          Die Stadt nimmt Stellung: "Wir sollten dort vielleicht noch ein Schild anbringen, damit die Station verständlich ist und vor allem, dass man dort auch Barfuß darüber laufen kann", sagt hierzu Rontke vom Stadtmarketing. Ein Geländer bräuchte man aber nicht, meint er. "Den Blindenlehrpfad sollten Sehende lieber mit jemand begehen, der sie führt", betont Rontke. 

Dritte Station: Füllkästen 

Von der dritten Station erhoffe ich mir mehr. In sechs unterschiedlich befüllten Kästen kann ich nun blind den Inhalt mit den Händen erfühlen. Beim Griff in die dritte Box wird mir aber plötzlich ganz anders. Ich halte verschimmelte Kastanien in der Hand - wie eklig.

          Die Stadt nimmt Stellung: Stadtmitarbeiter Rontke versichert zumindest, die Kastanien umgehend auszutauschen. "Die Inhalte der Boxen sollen alle zwei Wochen ausgetauscht werden", sagt Rontke. Ich bin mir aber sicher, dass die schon länger als zwei Wochen in dem Kasten liegen. 

Vierte Station: Himmelsliegen

Die Himmelsliegen sind zwei aus Holz gemachte Liegen etwas abseits des Weges. Wieder ist nirgends eine Anleitung zu finden. Liegt man da also einfach drauf? Und wenn ja, was soll es bringen, mit einer Augenmaske auf einer Liege zu liegen? Ich sehe den Mehrwert dahinter nicht.

          Die Stadt nimmt Stellung: Zur Himmelsliege erklärt mir Karlheinz Rontke, dass man dadurch die Geräusche seiner Umgebung ungestört und intensiv wahrnehmen kann. Das allerdings passiert bei mir immer automatisch, wenn ich meine Augenbinde runter ziehe und nichts mehr sehe, dafür brauche ich keine Liegen. 

Frustriert gehe ich weiter. Bei einer Gabelung bleibe ich stehen, weil ich nicht weiß, wo es weiter geht. Instinktiv wähle ich einen Weg, aber auch nach mehreren Metern finde ich weder eine neue Station noch ein weiteres Schild. Ich breche den Selbsttest deshalb vorzeitig ab.

          Die Stadt nimmt Stellung: Bezüglich meiner Orientierungslosigkeit versichert Rontke wiederum: "Es ist ein Schild angebracht, dass die Richtung zeigt". Der Rundgang ginge dort zwar weiter, aber weitere Stationen würden erst im kommenden Jahr folgen. "Mit QR-Codes kann man sich dann künftig durch die Stationen führen lassen. Ein Labyrinth, ein Mosaik und ein Spiel mit Tannenzapfen sollen auch noch folgen", sagt Rontke. 

Fazit:

Die Idee von einem Blindenpfad finde ich grundsätzlich gut. Die Umsetzung scheint jedoch wenig durchdacht, auch wenn die Stadt den Blindenverein bei der Planung miteinbezogen hat. Außerdem sollte der Pfad besser gewartet werden. Kaputte Stationen, verschimmelte Inhalte - dass sollte es nicht geben. Vor allem, wenn man sich mit dem Titel des ersten Blindenpfades im Südwesten brüsten möchte.  

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Cornelia Spitz

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