Erstmals in der über 60-jährigen Firmengeschichte gab es im Unternehmen von Jürgen Kuttruff eine weibliche Auszubildende. Foto: privat Foto: Schwarzwälder Bote

Helen Halbig, die 21-jährige Innungssiegerin, ist nicht nur beruflich weit oben

Helen Halbig, die 21-jährige Innungssiegerin, ist nicht nur beruflich weit oben auf Dächern anzutreffen. Noch weiter hinauf geht sie mit ihrem Hobby, dem Segelfliegen. Schon mit 14 Jahren hat sie die Verantwortung für ein Segelflugzeug übernommen und tritt dabei in vierter Generation in die Fußstapfen einer Segelflugfamilie. Segelfliegen ist für sie nicht nur ein Ausgleich zum Alltag, sondern beinhaltet auch ein freundschaftliches Vereinsleben mit den Segelfliegern aus Reiselfingen.

Löffingen. Die 21-jährige Helen Halbig aus Löffingen hat sich in eine Männerdomäne als Zimmerin gewagt – mit Erfolg: Bei der Lossprechung der elf Zimmerer wurde sie als Innungssiegerin ausgezeichnet und mit zwei Sonderpreisen gewürdigt.

Die junge Frau aus Löffingen legte bei den Prüfungen mit 95 von 100 zu erreichenden Punkten den Innungssieg vor. Stolz über die herausragenden Leistungen, die neben dem IHK-Preis auch mit dem Preis der Volksbank Hochschwarzwald gewürdigt wurden, war auch Ausbilder, Zimmerermeister, Betriebswirt und Geschäftsführer Jürgen Kuttruff aus Bachheim. In der mehr als 60-jährigen Firmengeschichte war Helen Halbig die erste weibliche Auszubildende. Sie wird weiterhin dem Ausbildungsbetrieb treu bleiben, um "in den nächsten Jahren meine Fähigkeiten weiter auszubauen", erklärt die junge Frau.

Die Zimmerer-Gesellin habe mit ihren männlichen Kollegen nur positive Erfahrungen sammeln können. "Von Anfang an war ich im Betrieb und in der Schule gleichberechtigt", sagt sie. Dabei hebt sie das gute Arbeits- und Betriebsklima bei Jürgen Kuttruff hervor, der nun in dritter Generation das Familienunternehmen mit Ehefrau Pia führt. Die Leidenschaft und Freude an diesem Beruf habe sie von ihrem Chef, aber auch von den Kollegen aufgesogen: "Ich arbeite mit Freude als Geselle." Helen Halbig ist begeistert von der hohen Hilfsbereitschaft untereinander, insbesondere bei gewichtsmäßig schweren Arbeiten. Diese Hilfe gelte für alle.

Ihr Know-how, aber auch ihre Fähigkeit zur Teamarbeit musste Helen Halbig bei ihrem Gesellenstück unter Beweis stellen. Nach den drei Theorieprüfungen – Holzkonstruktion, Bauteile und Wirtschaftskompetenz – folgte die praktische Prüfung: die Fertigung eines Werkstücks von Hand ohne Zuhilfenahme von Maschinen, die Berechnung und der Aufriss einer Treppe sowie als Gesellenstück ein Modell des Dachstuhls der Klosterkirche in Friedenweiler, welches im Team von fünf Auszubildenden geplant, aufgerissen und gebaut werden musste.

Dass die sympathische Helen ein Handwerk wählt, war als Kind nicht erkennbar. Wie alle Mädchen liebte sie Puppen und Pferde. Ihre Liebe zu Holz entdeckte sie bei einem Praktikum in Zimmerei und Schreinerei. So stand für sie nach dem Abitur der Berufswunsch Zimmerin fest. Vor allem das vielseitige Aufgabenfeld rund um den Holzbau – von individuellen Fertighäusern bis hin zu Innenausbau und Sanierungen – sowie auch Zukunftsperspektiven mit zahlreichen Weiterbildungsmöglichkeiten bis hin zur Selbstständigkeit waren ausschlaggebend.

Allerdings sieht auch die Zimmerer-Gesellin die Problematik des fehlenden Nachwuchses: Das Bild des Handwerks würde in der Schule kaum vermittelt, ein Studium würde in der Gesellschaft höher bewertet und auch die körperlich anstrengende Arbeit sei bei der Jugend nicht angesagt, findet sie.

Dass sich ändern werde, ändern müsse, zeige die Realität. Handwerker seien überall gesucht, das Handwerk als goldener Boden werde wiederkommen, war in der Lossprechung zu hören.

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