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Löffingen Die Fastnacht – Sinn oder Unsinn?

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Zwei Mal nachstuhlen muss Löffingens Stadtmarketingleiter Karlheinz Rontke, um den über 100 Besuchern im Saal der Tourist-Information beim Fastnachtsvortrag von Matthias Wider (Mitte, stehend) einen Platz anbieten zu können. Foto: Bächle Foto: Schwarzwälder Bote

Löffingen ist eine alte Fastnachtshochburg. Tradition und Brauchtum werden aktiv gelebt. Wie groß das Interesse an der Fasnet ist, zeigte ein Vortrag des Löffinger Fasnetexperten Matthias Wider: Über 100 Gäste kamen in die Tourist-Information, wo zweimal zusätzliche Stühle aufgestellt werden mussten.

Löffingen. Matthias Wider, Kulturbeauftragter der Laternenbrüder und Kulturhistoriker, nahm die Gäste mit auf eine Reise durch die Fastnacht, untermauert mit Bildmaterial aus dem Löffinger Fastnachtsarchiv.

Die Deutung: Seit Jahrzehnten befasst sich die kulturwissenschaftliche Forschung mit der Fastnacht und deren Deutung. Die Faszination der Fastnacht sei unumstritten, so Wider, doch lasse sich keine klare Referenz dieser Mischung aus Ausgelassenheit und Lebensfreude ausmachen. Während die Winteraustreibung nicht mehr Bestand habe, seien heute vor allem die theologischen Deutungen und die weitaus weniger verfolgte Gegenwelt-Theorie in den Mittelpunkt der Forscher gerückt. "Für den theologischen Deutungsansatz spricht die gesamte Brauchpraxis, Termine, Häser, Handlungen und Rituale", sagte Wider. Somit wäre Fastnacht ein Spiegel von Religion, Glaubensvorstellung und heiliger Schrift, dies sei die derzeit gängige Deutung. Nicht außer Acht lassen sollte man die Fastnacht als Gegenwelt, als Opposition des politischen, religiösen, ökonomischen und sozialen Alltags. "Aus reich wird arm, aus oben wird unten, aus Frau wird Mann und umgekehrt", so Wider. Egal welche Deutung die Fastnacht hat, "solange die Spannung des Lebens bleibt, so lange wird es auch das Bedürfnis nach Fastnacht geben", davon ist Matthias Wider überzeugt.

Bedeutung der Zahlen: Die Zahlen sieben und elf haben eine besondere Bedeutung, was Wider anhand der Löffinger Fastnacht belegte. So gehörten dem Narrenrat – dem Zentralorgan der Löffinger Fastnacht – zwischen 1889 und 1925 sieben Laternenbrüder an, seit 1970 sind es elf. Interpretationsfähig sind beide Zahlen, weil sie "närrisch aufgeladen sind und sich auch theologisch deuten lassen". Die Sieben ist eine der wichtigsten Zahlen im religiösen Kontext, sie steht für die sieben Tugenden wie Demut, Mildtätigkeit, Keuschheit, Geduld, Mäßigung, Wohlwollen und Fleiß. Aber auch für die sieben Laster oder Sünden, Hochmut, Habgier, Wollust, Zorn, Völlerei, Neid und Faulheit. "Die Fastnacht entscheidet sich mit der Sieben für die Sünde". Die Zahl Elf ist laut Wider eine theologisch begründete Narrenzahl. Sie ist die Zahl der Anmaßung und des Hochmuts, denn sie überschreitet die religiöse Zahl zehn (die zehn Gebote), erreicht aber nicht die religiös-positive Zahl zwölf (zwölf Apostel), "schwebt also zwischen den Heiligen".

Entmachtung der Bürgermeister: Die Entmachtung der politischen Obrigkeit durch den Narrenrat kann als gegenweltlich gedeutet werden. Im Spiegelbild wird aus dem Narrenvater der Bürgermeister, aus dem Gemeinderat der Narrenrat. Die Handlung am Schmotzige Dunschdig mit der Übergabe des Rathausschlüssels und der Aufstellung des Narrenbaums "als Wahrzeichen einer neuen Zeit" sprechen für sich. "Jeder weiß, die kleine närrische Revolution, welcher die alten Eliten zum Opfer gefallen sind, ist zumindest bis zum Aschermittwoch unumkehrbar."

Fastnachtsmotto: Die Verbindung zur Politik und den herrschenden Zeitumständen zeigt sich in den Fastnachtsmottos der Stadt, die immer wieder aktuelle Themen glossieren.

 Laterne: Die Laterne ist das Kernstück der Löffinger Laternenbrüder. Die historische Erklärung ist bekannt: Das Löffinger Narrenkomitee zählte am Ende der Fastnacht 1886 einen Überschuss von einem Pfennig. Um das Geld zu vermehren, wurde der Pfennig in eine Laterne gesteckt und im Gasthaus Selb aufgestellt. Schon 1889 waren aus dem Pfennig 100 Reichsmark geworden, sodass der Verein gegründet werden konnte. Doch auch eine Ideen-Geschichte passt hier sehr gut. Die Laterne war zum einen ein Alltagsgegenstand, aber auch ein Symbol, stand das Licht doch für Anfang und Ende. Matthias Wider hatte zwei Beispiele, welche das Licht als närrisches Irrlicht zeigt. Das Licht im Spannungsfeld zwischen richtig und falsch.

 Narrenpolizei: Die Löffinger Narrenpolizei steht ganz klar für die verkehrte Welt, im Sinne der Umkehrung des Alltags. Im Bild aus dem Jahr 1913 ist die männliche Narrenpolizei mit skurrilen Uniformen zu sehen, als eine scharfe Groteske auf die reale Polizei. Damit wurde der damalige Obrigkeits-Staat lächerlich gemacht. Eine Inszenierung auf Zeit, denn am Aschermittwoch werden die realen Verhältnisse wieder hergestellt. Sieht man die Narrenpolizei heute, so zeigt diese eine interessante Veränderung. Aus den skurrilen Uniformen sind heute Uniformen im Sinne des Gemeinschaftsdenkens geworden. Doch auch dies steht dem herrschenden Zeitgeist der Individualisierung als Opposition gegenüber.

Löffinger 20er: Die Besonderheit der Löffinger 20er ist ein bemerkenswerter Brauch, der auf das Ende des 19. Jahrhundert zurückgeht. Damals wurden die 20-jährigen Männer zum Heer eingezogen. Während dieser Zeit hatten sie besondere Privilegien. "Folgerichtig hatten auch die jungen Rekruten an der Fastnacht eine Sonderrolle, die bis heute Bestand hat. Die Vereidigung der 20er auf die Laterne ist ein strenges Narrenritual", so Wider. Der Schwur auf die Regimentsfahne und den Fürsten ersetzt den Schwur auf die Laterne. Die Gelöbnisformel ist als Grundgesetz des Narrenreichs zu sehen.

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