Der Löffinger Fasnetmändig-Umzug gehört zu den Höhepunkten der Löffinger Fastnacht. Wie auf diesem Bild von einem früheren Umzug zu sehen ist, ist er ein Publikumsmagnet für das närrische Volk aus Nah und Fern.Archivfoto: Bächle Foto: Schwarzwälder Bote

Heimatgeschichte: Fasnetmändig-Umzug fiel 1951 wegen Maul- und Klauenseuche aus / Rückblick mit Narrenforscher Gwinner

2021 ist nicht das erste Mal, dass der Fasnetmändigumzug ausfällt. Schon 1951 hatte der damalige Bürgermeister Josef Heiler aufgrund der herrschenden Maul- und Klauenseuche sowie des bevorstehenden Festes der Wiederverleihung der Stadtrechte den Umzug abgesagt.

Löffingen. Noch am Schmutzige Dunschdig durfte der Hemdglunkerumzug – auf vorgeschriebenem Sägemehlteppich – stattfinden.

Schon damals waren die Narren kreativ und so wurde am Fasnetmändig einfach ein Seifenkistenrennen durchgeführt, vom Alenberg bis zum Friseur Limb/Hofmeier. Ein großes Vergnügen für die vielen Fahrer, lediglich Karl Götz schätzte das Fritschi-Eck falsch ein und musste ins Krankenhaus eingeliefert werden.

Pflumenschlucker klauen über Nacht den Löffinger Narrenbaum

Mitte der 1960er-Jahre herrschte große Aufregung, als die Bonndorfer Pflumenschlucker über Nacht den Löffinger Narrenbaum geklaut hatten. "Es löste ein mittleres Erdbeben aus", so Narrenforscher Rudolf Gwinner. Auch als 1991 aufgrund des Golfkriegs die Fastnacht abgesagt wurde, entschloss sich der Narrenrat spontan, am Montag ein Kinder-Fasnetfest in der Festhalle anzusetzen. Unter der großen Fasnetschar war auch Gloria Prinzessin von Thurn und Taxis mit ihren Kindern. Sie hatte in Rötenbach eine Tante, die sie regelmäßig besuchte, so auch an Fastnacht.

Man mag es als Narr kaum glauben, doch der Begriff Fasnetmändig ist überhaupt noch nicht so alt, wie Rudolf Gwinner berichtet. In der Region sei eine sehr rustikale Fastnacht gefeiert worden. Sie sei in Raufereien, Belästigungen, Pöbeleien und Schlägereien ausgeartet und habe bei der Obrigkeit und gebildeten Oberschicht kein Ansehen mehr genossen. "Die Fastnacht sah man als unzeitgemäß und überholt an", so Gwinner. Um das Fastnachtstreiben in geordnete Bahnen zu leiten, gründete die Stadt Köln 1823 ein Komitee, die Rosensonntagsgesellschaft, welches jeweils am Sonntag Laetare (in der Mitte der österlichen Fastenzeit) die Hauptversammlung abhielt. Dieser Sonntag hieß seit dem 11. Jahrhundert Rosensonntag, weil der Papst an diesem Tage eine goldene Rose (Tugendrose) weiht und sie bis in die heutige Zeit einer verdienten Persönlichkeit überreicht.

Da diese Gesellschaft auch den Fastnachtsmontag organisierte, war der Name Rosenmontag geboren. Ältere Bezeichnungen waren auch der Blaue Montag, Guter Montag, oder auch geiler Montag, da im Mittelalter Obszönitäten zum Fastnachtsgeschehen gehörten.

Durch die Kölner Karnevalsreform wurde Fastnacht romantisiert und veredelt. Dieser prunkvolle städtische Karneval hielt im ganzen deutschen Sprachraum Einzug: "Carneval" mit Prinzen, Garden und Bällen.

Erst im ausgehenden 19. Jahrhundert besann man sich im schwäbisch-alemannischen Raum seiner eigentlichen Wurzeln und entdeckte die ursprüngliche Fastnacht wieder. Die alten Narrenkleider und Masken kamen wieder zum Einsatz. Mit der Gründung der Vereinigung Schwäbisch-Alemannischer Narrenzünfte im Jahr 1924 in Villingen wurde diese Entwicklung gefestigt. "Dieser Prozess hat sich allerdings im Rheinland nicht vollzogen. Deshalb kann es bei uns nur die Bezeichnung Fasnetmändig geben", so Rudolf Gwinner.

Die Löffinger Fastnacht ist legendär. Anstelle von Prinzenpaar und Tanzmariechen regieren hier uralte Figuren, so etwa das Reichburgmali, das nur in Löffingen am Schmutzige Dundschdig oder Fasentmändig auftritt. Die närrische Uhr tickt in Löffingen anders. Neben den Zwanzigern (die Zwanzigjährigen) gehört die Walpurgisnacht am Fastnachtsmontag-Abend mit der schön-schaurigen Musik dazu. Nicht nur der Text des Löffinger Heimatforschers Leo Ratzer geht unter die Haut, sondern vor allem die Musik, die von keinem geringeren als dem Komponisten und Musikpädagogen Hermann Regner stammt.

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