Da dampft’s: Auf der Höllentalbahn sind an diesem Wochenende wie bei der Inbetriebnahme vor 110 Jahren nostalgische Dampfzüge unterwegs. Bis zum Ausbau zwischen Neustadt und Donaueschingen war es ein langer politischer Kampf. Der nächste Entwicklungsschritt steht auch schon fest: Bis 2018 soll die Strecke elektrifiziert werden. Foto: Schwarzwälder-Bote

Heute vor 110 Jahren wurde die Höllentalbahn zwischen Donaueschingen und Neustadt in Betrieb genommen

Von Gerold Bächle

 

Hochschwarzwald. Erst die Promis, dann alle: Am 19. August 1901 dampfte erstmals ein Zug auf den Gleisen der Höllentalbahn zwischen Donaueschingen und Neustadt. Am 20. August dann, heute vor 110 Jahren, wurde die Strecke öffentlich in Betrieb genommen.

Die Jungfernfahrt war mehr als prominent besetzt: Seine Königliche Hoheit Großherzog Friedrich von Baden, Fürst Max Egon zu Fürstenberg und viele weitere honorige Persönlichkeiten tuckerten am 19. August 1901 mit dem ersten Zug auf den Höllentalbahn-Gleisen. Die Fahrt von Donaueschingen nach Titisee-Neustadt dauerte vier Stunden, da der Zug nicht nur an jeder Station Halt machte, sondern der Großherzog auch noch durch die jeweiligen Gemeindeoberen empfangen wurde. In Löffingen war ein größerer Stopp, um den Ehrengästen eine kleine Erfrischung zu reichen, wie der Lokalhistoriker Rudolf Gwinner recherchiert hat.

Der Bau der Hinteren Höllenbahn von Neustadt nach Hüfingen (Donaueschingen) war nicht einfach. Zahlreiche Petitionen und Zugeständnisse waren von Seiten der Gemeinden erforderlich. Während die Höllentalbahn von Freiburg nach Neustadt bereits am 21. Mai 1887 eröffnet worden war, mussten die Anrainer-Orte bis Donaueschingen weitere 14 Jahre für die Zuganbindung kämpfen.

Nach der Eröffnung der Strecke Freiburg-Neustadt 1887 standen für die Fortführung in Richtung Donaueschingen zwei Varianten zur Diskussion: Zum einen von Neustadt über Hammereisenbach und Hüfingen nach Donaueschingen, zum anderen über Rötenbach, Löffingen und Bräunlingen bis in die Baar-Metropole. Es war die Stadt Löffingen, die in neun Petitionen sich für die Strecke übers Baarstädtchen einsetzte.

Zahlreiche Petitionen machen schließlich den Ausbau möglich

Ein hochwohluntertänigstes Schreiben vom 17. November 1887 des Gemeinderats Löffingen an das Großherzogliche Staatsministerium macht dies nur all zu deutlich. Zitat: "Die gehorsamst unterzeichneten Vertreter hiesiger Gemeinde erlauben sich ergebenst, dem Großherzoglichen Staatsministerium die gehorsamste Bitte zu unterbreiten, die nothwendig werdende Fortsetzung der Höllenthalbahn in der Richtung Röthenbach, Löffingen, Bräunlingen, Hüfingen durch eine Regierungsvorlage an die demnächst zusammentreffenden beiden hohen Kammern hochgeneigtest durch Gesetz feststellen lassen zu wollen".

Unterstützt wurde die Aktion von den Städten Freiburg und Neustadt. Dazu kämpften für den Ausbau verdiente Persönlichkeiten wie Oberbürgermeister Karl Schuster aus Freiburg, Julius Merz, Fabrikant und Präsident der Handelskammer Freiburg, die Lenzkircher Fabrikanten und Abgeordneten Paul Tritscheller und Franz Josef Faller sowie der Löffinger Bürgermeister Karl Kuster.

In der Petition weisen die Gemeinderäte darauf hin, dass sie bereits ausgeführte Detailvermessungen zusammen mit anderen Gemeinden in Höhe von 6000 Gulden gezahlt hätten. "Um die Überzeugungskraft zu erhärten und die Bedeutung, welche die Bahn für uns Bewohner der Baar und des Schwarzwalds haben werde", boten sie Land und weiteres Geld an.

Ob es das Geld oder die vielen Petitionen waren, was letztendlich zum Bau stimmte? Auf jeden Fall wurde am 25. November 1895 der Minister der auswärtigen Angelegenheiten von Brauer beauftragt, den Gesetzesentwurf zur Fortführung der Höllenthalbahn von Neustadt nach Donaueschingen zur Beratung und Zustimmung vorzulegen. Der Gesetzesentwurf sah vor, die Höllenthalbahn von Neustadt über Löffingen und Döggingen nach Hüfingen zum Anschluss an die bestehende Bahn nach Donaueschingen auf Staatskosten weiter auszubauen.

Die Streckenlänge von Neustadt nach Hüfingen beträgt 37,04 und die von Hüfingen nach Donaueschingen 2,84 Kilometer. Auf dieser Gesamtstrecke mit dem höchsten Punkt auf der Gemarkung Rötenbach mit 830,5 Meter über dem Meeresspiegel gibt es nicht weniger als fünf Tunnels und fünf Brückenbauwerke. Die besondere Gleisführung, die Fahrt von der Baar in den Schwarzwald hinein machen die Strecke zu einer der reizvollsten in ganz Deutschland.