Im Heizungsgesetz soll es einige Lockerungen geben. Heizungsbauer Heim aus Rottweil sieht das positiv und erklärt was aus seiner Sicht die Heizung der Zukunft ist.
Heizen mit Öl und Gas soll bald auch in Neubauten wieder möglich sein. Die Regierungskoalition hat dafür ein Eckpunktepapier zur Lockerung des Heizungsgesetzes erarbeitet. Doch was genau bedeutet das für die Bürger und was sagen Heizungsbauer und Lieferanten dazu? Unsere Redaktion erkundigte sich.
Derzeit muss beispielsweise eine neue Öl-Heizung, die nur unter bestimmten Umständen noch verbaut werden darf, zu 65 Prozent mit erneuerbaren Kraftstoffen betrieben werden. Das soll sich mit der Lockerung des Heizungsgesetzes ändern. Dann darf auch Öl und Gas in Neubauten wieder im Einsatz sein, allerdings ab 2029 mit mindestens zehn Prozent klimafreundlichen Brennstoffen oder synthetischem Treibstoff.
Erneuerbare Energie bislang beschränkt
Die Änderung ist aus Sicht von Dominik Heim, Geschäftsführer von Heim – Heizung Sanitär Klima, absolut sinnvoll als klimatechnische Gesamtstrategie. Seit dem Beschluss 2020, das Wasserstoffbeschleunigungsgesetz als Strategie voranzubringen, sei bei der Thematik nichts mehr vorangegangen, wie Heim findet.
Der Ausbau von erneuerbaren Energien beschränke sich bislang fast ausschließlich auf Solar und Windkraft, was zur Abdeckung der Grundlast in „dieser einseitigen Form“ nicht funktioniere, sagt Heim. Man hätte schon viel früher breiter aufgestellt beginnen müssen, findet er. Er ist davon überzeugt, das gasförmige Energieträger eine zentrale Rolle in der Energieversorgung der Zukunft spielen werden.
Stromnetz irgendwann überlastet
Alleine mit Wärmepumpen könnten alte Gebäude und die Industrie nicht dekarbonisiert werden, da in den hiesigen Breitengraden zu wenig Strom vorhanden sei, um die Wärmepumpen zu versorgen. Das Stromnetz würde auch wegen der E-Autos sowieso irgendwann überlastet sein. Dabei betonte er, dass die Grundlast nicht mehr mit CO₂-neutralem Atomstrom gedeckt werden könne.
Gas sei die sauberste Form der Verbrennung, und es gebe, so Heim, bereits Lösungen, um Gas völlig CO2-neutral zu gestalten. „Aus ökologischer Sicht ist dies also ein richtiger Schritt für die Zukunft. Gasheizungen werden in Zukunft durch regenerative Gase wieder stärker in Konkurrenz zur Wärmepumpe treten“, so der Geschäftsführer. In der Industrie sei Wasserstoff kaum zu ersetzen.
Nachfrage nach Öl wird eher weiter sinken
Die Preise für Verbraucher werden zunächst steigen, vermutet Heim, damit der Umbau der Infrastruktur finanziert werden könne. Langfristig würden sie aber wieder fallen. Stehe die Infrastruktur, dann könne skaliert werden. Wasserstoff könne nahezu zum „Nulltarif“ hergestellt werden. Er begrüße die Technologieoffenheit, auch wenn er nicht glaubt, dass Öl wieder „salonfähig“ werde. „Das Problem liegt also momentan nicht am Willen, sondern an der Umsetzung und der unüberschaubaren Bürokratie, die den Wasserstoffhochlauf ausbremst.“
Auch Heizöl Lieferant Öl-Heimburger aus Rottweil bezweifelt, dass die Nachfrage nach Öl durch die Lockerungen wieder stark steigen werde, teilt das Unternehmen auf Nachfrage unserer Redaktion mit. Eher sei von einem kontinuierlichen Rückgang auszugehen. Auch sie begrüßen den Ansatz, Freiheit für Innovationen zu lassen.
Preisentwicklung schwer vorhersehbar
Wie sich der Preis durch den biogenen Anteil und den steigenden CO₂-Preis entwickeln werde, sei derzeit noch schwer einzuschätzen, so Geschäftsführer Michael Dittert. Als CO₂-neutrale Brennstoffe würden derzeit Raps und Sonnenblumenöl diskutiert. Langfristig werde sich zeigen, ob auch Brennstoffe wie HVO eine Rolle spielten. HVO ist ein synthetischer Dieselkraftstoff, der aus Rest- und Abfallstoffen hergestellt wird.
Die derzeit hohen Öl-Preise, die sich auch auf die Spritpreise auswirken, wurden durch die Verschärfung des Nahost-Konflikts ausgelöst. Dittert hofft, dass die Preise bald wieder sinken.
Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) zeichnete das Eckpunkte-Papier vor einigen Tagen mit dem Negativpreis die „Die rostige Heizung 2026“ aus. Er bemängelt, dass die Übergangslösung mit fossilen Brennstoffen ein Rückschritt sei. Außerdem ist man beim BUND der Meinung, dass die Beimischung von Biomethan und Wasserstoff ineffizient sei.
Eckpunkte seien wichtiger Schritt
Heim kritisierte diese Aussagen. Es sei enttäuschend, dass die Eckpunkte häufig als „Frontalangriff auf den Klimaschutz“ gewertet werden würde. Die Eckpunkte seien ein wichtiger Schritt zur Reduzierung der Treibhausgase und würden langfristig zum Klimaschutz beitragen. „Übergangslösungen mit erneuerbaren Gasen sind kein Rückschritt, sondern ein pragmatischer Weg, um die Transformation sozialverträglich und wirtschaftlich tragbar zu gestalten.“