Manuel Bosch auf der Dachterrasse seines Hostels in Tel Aviv. Andere Reisende berichteten von einem Raketeneinschlag, der von dort zu sehen gewesen sein soll. Zu diesem Zeitpunkt war Manuel Bosch aber noch am See Genezareth. Foto: Privat

„Hauptsache weg“, sagt sich Manuel Bosch. Seine Reise nach Israel hatte er sich komplett anders vorgestellt: In Tel Aviv spürte er bei den Angriffen der Hamas Detonationen, sein Hostel hat nach einem Einschlag in der Nähe gewackelt.

„Ich bin nervös, aber Angst habe ich keine“, gibt der Locherhofer Einblicke in sein Seelenleben. Das Telefongespräch mit unserer Redaktion führte er vom Dachbalkon seines Hostels in Tel Aviv.

 

Ein Bekannter hat ihm ein Video gezeigt mit Raketen und Explosionen in der Luft, die in der Nähe waren. Das israelische Raketenabwehrsystem Iron Dome fängt die meisten Raketen der palästinensischen Hamas-Extremisten ab – aber eben nicht alle.

„Das ist für uns einfach nur surreal. Bedroht fühle ich mich nicht unbedingt. Aber derzeit bleibe ich lieber im Hostel“, sagt Manuel Bosch. Dieses hat für den Fall der Fälle auch einen Bunker, was in Israel Standard ist. Alarmiert werden die Gäste per Sirene. „Man hört immer wieder Geräusche am Himmel und blickt unweigerlich hoch. Außerdem fliegen viele Helikopter über Tel Aviv“, berichtet er. Vor einer Woche, als Manuel Bosch dort ankam, wuselte es auf den Straßen – nun herrscht gespenstische Ruhe. Geschäfte und Restaurants sind weitgehend geschlossen.

Situation ändert sich laufend

Die Flughäfen in Israel sind angesichts der kriegerischen Entwicklungen allesamt gesperrt – bis auf Tel Aviv. Am Dienstag um 11 Uhr hofft Manuel Bosch auf einen Flug ins türkische Antalya. Allerdings kann sich die Situation jeden Moment ändern. „Andere Deutsche haben gleich mehrere Flüge gebucht in der Hoffnung, dass wenigstens einer geht“, sagt er.

Jüdisches Fest abgesagt

Von der Entwicklung wurde Manuel Bosch kalt erwischt. In Tiberias am See Genezareth erfuhr er beim Frühstück aus der Zeitung von den Raketenangriffen. Sofort meldeten sich auch Familie und Freunde per Handy. Er konnte sie fürs Erste beruhigen, dass er wohlauf ist.

Am See Genezareth vor der Eskalation. Foto: Privat

Der Hostelbesitzer warnte ihn ebenso wie andere Gäste. Ein für diesen Tag geplantes jüdisches Fest vor dem Hostel wurde sofort abgesagt.

Videos von Entführungen

„Ein Einheimischer hat gesagt, dass man am See Genezareth einigermaßen sicher ist“, so Manuel Bosch. Der Grund: Zwischen dem See und dem potenziellen Feindesland liegen die gut gesicherten Golanhöhen. Der Bruder des Einheimischen sei als Reservist zur Armee eingezogen worden. Nun müsse dieser mithelfen, die Grenze zu sichern – immerhin nicht am Gaza-Streifen, wo die Lage mit Abstand am gefährlichsten ist. Manuel Bosch hat von Einheimischen auch Videos von Entführungen in diesem Bereich gesehen.

Er schlug sich mit dem Bus vom See Genezareth nach Tel Aviv durch. Im Bus seien Soldaten gewesen, überall sei Polizei.

Nächstes Ziel Antalya

Mehr als ein Jahr wollte Manuel Bosch bereits nach Israel. Er habe sich seitdem immer über die Sicherheitslage informiert. „Der Zeitpunkt war eigentlich ideal“, sagt er angesichts von Friedensverhandlungen von Israel mit Nachbarstaaten wie Saudi-Arabien. Auch große jüdische Feste gebe es aktuell keine. Während solcher Feierlichkeiten gab es in der Vergangenheit öfters Anschläge.

Hoffen auf die Ausreise

Eigentlich hätte Manuel Bosch noch viel vorgehabt im Nahen Osten – Besuche in Jerusalem, Bethlehem oder in Wadi Rum und Petra im benachbarten Jordanien müssen nun aber ausfallen. Es bleibt die Hoffnung, dass die Ausreise von Tel Aviv nach Antalya reibungslos funktioniert.

Wenig hilfreich war dabei eine E-Mail des Auswärtigen Amtes. Dort hieß es, man solle nicht in die größten Konfliktregionen gehen oder sich von Demonstrationen fernhalten. „Tipps, wie man wegkommt, wären sinnvoller gewesen“, sagt Manuel Bosch.