Auch nach dem 3:0-Sieg im Hinspiel mahnt der SC Freiburg zur Vorsicht. Unterdessen bekommt Matthias Ginter einen prominenten Fürsprecher in Sachen WM-Nominierung.
Die kollektive Kommunikationsrichtlinie bei den Spielern des SC Freiburg war trotz eines deutlichen 3:0-Siegs im Hinspiel deutlich erkennbar: Eine gute Ausgangsposition ja – mehr aber auch nicht. Egal welcher SC-Akteur am Donnerstagabend nach Spiel gegen Celta Vigo vor Kamera oder Mikrofon trat, jeder verwies darauf, dass im Duell erst Halbzeit sei.
Und dennoch: Vor dem Rückspiel in Vigo am kommenden Donnerstag ist die Tür zum Halbfinale für den SC Freiburg mehr als nur einen Spalt breit geöffnet. Sich verbal weit aus dem Fenster lehnen wollte sich jedoch am Donnerstagabend trotz der Gala-Vorstellung niemand. „Es war ein gutes erstes Spiel – jetzt ist Halbzeit“, erstickte Mittelfeldspieler Maximilian Eggestein möglicherweise aufkommenden Leichtsinn mit Blick aufs Rückspiel im Keim.
Ans Halbfinale wollte auch 1:0-Torschütze Vincenzo Grifo noch nicht denken. „Nächsten Donnerstag fahren wir mit breiter Brust nach Vigo“, sagte der Italiener – erinnerte jedoch auch an das Auswärtsspiel im Achtelfinale in Genk, wo man „furchtbar“ gewesen sei. „Das soll uns eine Lehre sein, dass wir das in Vigo drei Klassen besser machen.“
Julian Schuster warnt vor dem Gegner im Rückspiel
Denn nicht nur Grifo dürfte wissen, dass an der Nordwestküste Spaniens eine schwere Aufgabe warten wird – und der Halbfinaleinzug viel mehr als nur Formsache ist. „Es ist ein erster Schritt – nicht mehr und nicht weniger. Wir haben 90 Minuten gespielt und der Fußball hat schon oft gezeigt, was passieren kann“, sagte auch Trainer Julian Schuster und warnte davor, nach dem Sieg den Fokus nicht zu verlieren. „Wenn man den Gegner nach 90 Minuten gesehen hat, wissen wir ganz genau, was uns nächsten Donnerstag erwarten wird“, sagte Schuster.
Celta Vigo erwischt in Freiburg keinen guten Tag
In Freiburg allerdings erwischten die Spanier einen ganz schwachen Tag und konnten ihren Ballbesitzfußball nur in wenigen Phasen auf den Platz bringen. Von Beginn an dominierten die Gastgeber das Spielgeschehen, die 2:0-Führung zur Pause (Grifo und Jan-Niklas Beste trafen) war hochverdient. Vigo hatte phasenweise zwar den Ball, biss sich jedoch an der Freiburger Defensive die Zähne aus und kam erst kurz vor Schluss zu einer echten Torchance.
Dass das SC-Bollwerk so sicher stand, hatte am Donnerstag – wieder einmal – mit Abwehrchef Matthias Ginter zu tun. Der 32-Jährige war gegen Celta Vigo gefühlt überall: Hinten gewann er fast jeden Zweikampf, dazu schaltete er sich immer wieder mit nach vorne ein. Dass er in Minute 78 nach einer Ecke von Jan-Niklas Beste den 3:0-Endstand erzielte, passte ins Bild und krönte seine Leistung, die RTL-Experte Lothar Matthäus als „überragend“ einstufte. „Besser geht es nicht“, befand auch Ginters Trainer Julian Schuster.
Der Freiburger Innenverteidiger sammelte damit weiter fleißig Argumente für eine WM-Nominierung. Rekordnationalspieler Matthäus würde ihn „definitiv“ mitnehmen, auch Ginters Teamkollege Igor Matanovic sprach sich für Ginter im DFB-Trikot aus. Und der Weltmeister von 2014, der von Julian Nagelsmann zuletzt nicht berücksichtigt wurde, selbst? „Ich werde, solange es noch nicht endgültig entschieden ist, alles dafür tun“, sagte Ginter am Donnerstag. Es gelte weiterhin, „alle drei, vier Tage abzulieferen“, alles Weitere liege nicht in seiner Hand.
Bereits die nächste Chance, um abzuliefern, haben Ginter und Co. am Sonntagabend (19.30 Uhr/DAZN) in Mainz. Das Duell der Tabellennachbarn (Achter gegen Neunter) ist auch das Spiel zweier Europapokal-Viertelfinalisten, die gemeinsam mit dem FC Bayern dafür in der UEFA-Jahreswertung dafür sorgen können, dass am Ende sogar Platz acht in der Bundesliga fürs internationale Geschäft reichen könnte.