Der Nutzfahrzeug-Konzern aus Leinfelden-Echterdingen muss sparen. Die erste Maßnahme trifft nur einen Teil der Beschäftigten. Über weitere Schritte zur Kostensenkung denkt Daimler Truck aber bereits nach.
Nur vier Monate nach Amtsantritt muss Eva Scherer, die neue Finanzvorständin von Daimler Truck, den Beschäftigten unangenehme Nachrichten überbringen. Wegen der „marktbedingt anhaltend niedrigen Auftragslage“ muss bei der Marke Mercedes-Benz gespart werden – unter anderem mittels Kurzarbeit und eines Einstellungsstopps.
Voraussichtlich rund 50 Prozent der etwa 10 000 Beschäftigten im Mercedes-Lkw-Werk in Wörth werden vom 1. September an „für einige Tage“ in Kurzarbeit gehen, teilte der Konzern am Donnerstag bei der Vorlage der Halbjahres-Geschäftszahlen mit.
An allen anderen Standorten sei aktuell keine Kurzarbeit geplant, somit auch nicht in den zentralen Konzernbereichen in Leinfelden-Echterdingen. Auch bei den Sonderfahrzeugen, die in Wörth hergestellt werden – wie beispielsweise der Unimog –, läuft die Produktion normal weiter.
Der Konzern soll sparen und dadurch widerstandsfähiger werden
Bis auf weiteres soll es auch keine Neueinstellungen mehr geben. Auf weitere Sparmaßnahmen, die noch folgen sollen, wollte sich Finanzvorständin Scherer nicht konkret festlegen. „Es ist uns bewusst, dass wir weitere strukturelle Maßnahmen zur Optimierung unserer Kostenbasis definieren und umsetzen müssen, um widerstandsfähiger zu werden“, sagte Scherer.
Man nutze „seit jeher diverse Flexibilitätsinstrumente“, um auf Schwankungen in der Nachfrage zu reagieren, heißt es in einem Statement der Unternehmensführung. Dazu gehöre neben flexibler Produktionsplanung und variablen Arbeitszeitkonten auch die Kurzarbeit als „notwendiges Instrument der Beschäftigungssicherung in einer angespannten wirtschaftlichen Situation“. Der Konzern betont, dass es sich beim Kurzarbeitsgeld um eine Versicherungsleistung handelt, die aus Beiträgen des Arbeitgebers und der Arbeitnehmer gespeist wird.
Lkw-Absatz in Europa geht um 15 Prozent zurück
Während der Nutzfahrzeug-Hersteller in Nordamerika und in seiner Bussparte im ersten Halbjahr 2024 Rekordmargen eingefahren hat, kränkelt derzeit das Lkw-Geschäft in der Heimat. Der Absatz ging in Europa um 15 Prozent gegenüber dem ersten Halbjahr 2023 zurück, der bereinigte operative Gewinn sank um 27 Prozent auf 720 Millionen Euro. Für das Gesamtjahr rechnet Daimler Truck nun mit einem Umsatz zwischen 53 und 55 Milliarden Euro und einem Konzernergebnis „deutlich unter Vorjahresniveau“. Deutlicher Rückgang heißt bei Daimler Truck ein Minus von mindestens 15 Prozent ausgehend vom Vorjahreswert 5,18 Milliarden Euro – bestenfalls dürften es also noch 4,4 Milliarden Euro werden.