Höhenkrankheit, Rückschläge und 5000 Tiefenmeter Abfahrt: Gerhard Czerner nahm das Publikum bei „Story VS“ mit auf extreme Mountainbike-Abenteuer.
Gerhard Czerner hat zwei Leidenschaften: das Radfahren und die Berge. Die Symbiose aus beidem ergibt eindrucksvolle Bergabenteuer, die das Publikum der Event-Reihe „Story VS“ hautnah miterleben durfte. In seiner Live-Multivision „Sattelfest“ wird schnell klar: Der Reisejournalist und Autor lässt sich beim Rückblick auf seine Mountainbike-Abenteuer und waghalsigen Expeditionen auf die höchsten Berge der Welt selbst noch einmal mitreißen und begeistern – und das überträgt sich auch auf das Publikum. Die Abschlussveranstaltung im Jubiläumsjahr von „Story VS“ zog am Freitag überwiegend Mountainbike-Fans und Radfahrbegeisterte in die Neue Tonhalle.
Hobby wird zum Beruf
Schon früh begeisterte sich Gerhard Czerner für einen spielerischen Umgang mit dem Zweirad. Er fuhr nicht einfach nur Fahrrad, sondern übte sich an Sprüngen – egal ob auf Baustellen, Treppen oder in unwegsamem Gelände. Kein Wunder also, zog ihn das „Trialfahren“ an, ein Geschicklichkeitssport mit dem Rad, bei dem Hindernisse überwunden werden, ohne die Füße abzusetzen. Sein Hobby wurde zur Leidenschaft und seine Leidenschaft schließlich zum Beruf.
Er fuhr Shows und Wettbewerbe und kam mit Fotografen in Kontakt – so auch mit Martin Bissig, der ihn später auf zahlreichen Touren begleiten sollte. An dieser Stelle beschreibt Czerner pointiert einen Wendepunkt in seinem Leben: „Wisst ihr, was passiert, wenn man sein Hobby zum Beruf macht? – Man hat kein Hobby mehr.“ Also suchte er sich ein neues: Neben dem Radfahren hatten es ihm die Berge angetan. Er begann, sie zu Fuß zu besteigen und lernte dabei viel über den Ablauf von Expeditionen und die Akklimatisation, also die schrittweise Anpassung des Körpers an Höhen.
Besondere Symbiose
Für die weitere Geschichte ist besonders eine Info über Gerhard Czerner wichtig: Er läuft nicht gerne bergab. Deshalb nahm er zu Touren oft das Snowboard mit. Dass daraus irgendwann das Mountainbike wurde, verdankte er im Grunde der Fehlinformation eines Guides in Marokko. Czerner und das Team erkundigten sich vor ihrer Reise, wie die Schneeverhältnisse seien.
„Perfekt“, war die Antwort und so ging es mitsamt Snowboard auf nach Marrakesch. Am zu bezwingenden Berg angekommen, zeigte sich jedoch: Hier lag gar kein Schnee. Und dann kam Czerner das erste Mal der Gedanke: „Jetzt das Mountainbike im Gepäck, das wäre doch was.“ Zwölf Jahre lang trug er diesen Gedanken mit sich herum, bis er sich gemeinsam mit den Mountainbike-Größen Hans Rey und Danny MacAskill zum höchsten Gipfel Afrikas aufmachte.
Sie erreichten den Uhuru Peak auf dem Kilimandscharo nach einer abenteuerlichen, auch von Rückschlägen geprägten Reise: Czerner gelang es tatsächlich, bei seinen Vorbereitungen zuhause – er war ungeduldig und wollte die Akklimatisation beschleunigen – im eigenen Schlafzimmer im Hypoxie-Zelt höhenkrank zu werden. Der schottische Weggefährte MacAskill nahm die Akklimatisation nicht ganz so ernst und musste bereits auf der Vorbereitungsroute auf den Mount Kenya mit einer Sauerstoffsättigung von nur 55 Prozent ins Krankenhaus gebracht werden.
Vielfach überwältigend
Umso überwältigender war es für das Trio, schlussendlich doch zu dritt auf dem Gipfel zu stehen, um dann mit einer knapp 5000 Meter langen Abfahrt und einmaligen landschaftlichen Eindrücken belohnt zu werden. „Ich würde am liebsten grad nochmal losfahren“, schwärmt Czerner während des Rückblicks. Genauso überwältigend sind die Aufnahmen seiner Reise zum K2.
Vom Bergdorf Hushe ging es über den Gondogora La zum Concordia-Platz, der auch als Thronsaal der Berggötter bezeichnet wird, und im Anschluss den Baltoro-Gletscher hinaus nach Askole. Mehr als einmal gelangte Czerner hier an seine Grenzen, erinnert sich jedoch schmunzelnd, wie der humorvolle Guide Isaak die Gruppe stets wieder auf den Boden zurückholte: „This is no city, this is mountain adventure!“