Im Dialog: Wiltrud Müller vom Arbeitskreis der Literaturtage kennt die Albstädter Autorin Silvia Hildebrandt (rechts) schon seit langem. Im Gespräch berichtete die Schriftstellerin viel Wissenswertes aus ihrer Arbeit. Foto: Weiger-Schick

Eindrückliche Erlebnisse hat die Albstädter Autorin Silvia Hildebrandt bei den Literaturtagen entstehen lassen. Sie las aus ihrer besonderen Familien-Saga und nahm die Zuhörer dabei in die wilden 1920er-Jahre mit. Und die dankten das mit Aufmerksamkeit.

Ein Tanz auf einem gläsernen Vulkan, man mag es sich bildhaft vorstellen, kann fatal enden. Die in Albstadt lebende Autorin Silvia Hildebrandt hat bei den Literaturtagen ihre Zuhörer mitgenommen in die „Roaring Twenties“.

 

Nach den zermürbenden Kriegsjahren ziehen die Menschen in den schillernden 1920er-Jahren lebenshungrig alle Register. Auch Richárd, Franz und Blanka aus dem ehemaligen Österreich-Ungarn suchen sich ihre Bühne. Wie die meisten Menschen gieren sie nach Erfolg, Ruhm, Kultur, Partys. Doch die Hyperinflation nimmt die Weimarer Republik immer fester in die Zange. Als die NSDAP an Macht gewinnt, beginnt für die jungen Menschen ein Kampf um alles: Die Geschwister Franz und Blanka haben jüdische Wurzeln, Richárd ist Autist.

Der „KulTurm“ war bei der Lesung von Silvia Hildebrandt voll besetzt. Foto: Weiger-Schick

Es war ein besonderer Literaturabend im „KulTurm“ – und wohlgemerkt einer mit einer Lokalmatadorin. Silvia Hildebrandt, geboren 1985 in Rumänien, lebt seit 1990 mit ihrer Familie in Deutschland und seit 2021 in Albstadt. Sie studierte Germanistik und Geschichte, ist als Lehrerin an der Lutherschule tätig. Außerdem schreibt sie historische Romane – für eine immer größer werdende Fangemeinde.

Bei ihrer bebilderten Lesung aus Anlass der Literaturtage war der Saal im „KulTurm“ voll besetzt. Die Autorin präsentierte dort beide Bände der Glasvulkan-Saga: „Schall & Rauch“ sowie „Funken & Flamme“. Die Bücher sind in diesem Jahr erschienen: der erste Band im Januar, der zweite im Juli. Detailliert schildert Silvia Hildebrandt die dramatische Story um die drei jungen Leute. Die gefühlvollen Romane bestechen durch atmosphärische Dichte und Präzision in der historischen Darstellung.

Als Kind hat sich nicht viel gelesen

Im Gespräch mit Wiltrud Müller vom Arbeitskreis der Literaturtage berichtete die 39-Jährige ausführlich aus ihrer Biografie und über ihre literarische Arbeit. Zwölf Bücher hat sie seit dem Jahr 2018 herausgebracht. Gebannt lauschten die Gäste und erfuhren: Als Kind hat Silvia Hildebrandt nicht viel gelesen. Erst im Lauf der Zeit habe sich die Leidenschaft für Bücher entwickelt. Dankbar zeigt sich die Wahl-Albstädterin bis heute für die fortwährende Unterstützung einer „lieben“ Deutschlehrerin. „Man braucht einfach jemanden, der einem sagt: Bitte mach doch einfach weiter mit Schreiben“, erinnerte sie sich bei ihrer Lesung. Oft stelle sie erst im Nachhinein fest, dass sie Erlebnisse und Geschehnisse aus ihrer eigenen Fluchtgeschichte thematisiere und verarbeite. Ihr Mann, erzählt die sympathische Schriftstellerin mit kleinem Zwinkern, lese ihre Bücher nicht, unterstütze sie aber seit jeher bedingungslos.

Die Erlebnisse des Alltags bringen die Ideen

Woher Silvia Hildebrandt ihre Ideen nimmt? Häufig seien es, das beschreibt sie ihren Zuhörern offen, „kleine, magische Momente, die ganz viel in Gang setzen“. Sprich: Die Autorin, die lange als Lektorin gearbeitet hat, inspiriert sich an den mannigfaltigen Erlebnissen des Alltags. Viel Zeit verbringt sie mit Recherchearbeit und der Lektüre von Fachliteratur. Angesichts ihrer historischen Themen eine Notwendigkeit für die Autorin.

Warum der „Glasvulkan“ seinen metaphorischen Namen trägt? Den Vulkan hat sich seine Schöpferin beim Schreiben vorgestellt wie ein zartes, fragiles Champagnerglas, in dessen Inneren die Politik mächtig und gefährlich brodelt – daher der bildhafte Buchtitel. Den Gästen im „KulTurm“ indes brannte eine Frage auf den Nägeln: Wie geht es weiter mit Franz, Blanka und Richárd? Ideen, lächelte Silvia Hildebrandt, gebe es genug. Man darf also gespannt sein.