Anna Kim (links) aus Wien ist die neue Leselenz-Stipendiatin für Prosa, Daniela Seel aus Berlindarf als Gisela-Scherer-Stipendiatin für insgesamt sechs Wochen in die Hausacher Stadtschreiberwohnung ziehen. Kathrin Tordasi war nicht vor Ort. Foto: Ramsteiner

Hausach hat neue Stadtschreiberinnen: Kathrin Tordasi, Daniela Seel und Anna Kim werden in der Gemeinde arbeiten. Zwei der Autorinnen stellten sich vor.

Mit einer feierlichen Begrüßung im Rathaussaal hat das Hausacher Literaturfestival Leselenz seine drei neuen Stadtschreiberinnen willkommen geheißen: Kathrin Tordasi (Amanda-Neumayer- Stipendium), Daniela Seel (Gisela-Scherer-Stipendium) und Anna Kim (Stipendium für Prosa).

 

Auch wenn Kathrin Tordasi aus persönlichen Gründen nicht teilnehmen konnte, wurde sie ebenso herzlich in die Leselenz-Familie aufgenommen.

Bürgermeister Wolfgang Hermann betonte die Bedeutung der Literatur für die Stadt: „Unsere Stipendiatinnen werden unsere Stadt mit Sprache, Fantasie und Neugier literarisch bereichern. Literatur ist hier nicht Beiwerk, sondern Herzstück“, so Hermann, „weil wir glauben, dass Worte die Welt verändern können.“

Stadt mit Literatur und Fantasie bereichern

Ulrike Tippmann, Vorsitzende des Fördervereins Hausacher Leselenz, erinnerte an die Anfänge des Festivals und die „poet(h)ischen Visionen“ von José Oliver, als Hausach in der Literaturszene noch ein unbeschriebenes Blatt war. Frei nach Astrid Lindgren habe Oliver damals wohl gedacht: „Das habe ich noch nie versucht, also bin ich überzeugt, dass ich das schaffe.“ Tippmann beglückwünschte die drei Autorinnen, die nun für sechs Wochen „Teil der Leselenz-Familie und des bunten Literaturkosmos Hausach“ werden.

Die Laudationes der Juroren führten jeweils in eine kurze Lesung der Stadtschreiberinnen ein. Robert Renk würdigte die in Südkorea geborene und in Österreich aufgewachsene Anna Kim als „eine der sympathischsten Erscheinungen der deutschsprachigen Literatur“.

Ihre Themen seien oft hart, aber stets präzise recherchiert, ihre Sprache den Themen zugeeignet und auf Augenhöhe mit Figuren und Leserschaft. Kim, Mutter eines sechsjährigen Sohnes, teilte mit einem Lächeln mit: „Seit sechs Jahren bin ich extrem sesshaft.“ Der Literaturbetrieb sei nicht sehr kinderfreundlich – Hausach bilde hier eine wohltuende Ausnahme. Sie wird ihr Stipendium in drei Abschnitte aufteilen und las Passagen aus „Geschichten eines Kindes“, die sich mit Rassismus auseinandersetzen.

Ulrike Wörner stellte die abwesende Kathrin Tordasi vor, die zur Hochzeit ihrer besten Freundin gereist war. Wörner hätte ihr drei Dinge mitgebracht: „Eine Kuscheldecke, eine Tasse und Tee“.

Anna Kim widmet sich auch dem Thema Rassismus

Denn genau das verbinde sie mit Tordasis Büchern – „auf dem Sofa eingemummelt, in ihre fantastischen Welten eintauchen“. Tordasi sei eine „super junge, super kluge Autorin“, die sich in Hausach „irre wohlfühlen“ werde. José Oliver führte in die Lesung der Lyrikerin, Verlegerin und Übersetzerin Daniela Seel ein: „Bei ihr ist jeder Vers eine Offenbarung, jedes Bild trifft ins Mark.“ Mit ruhiger Stimme las Seel aus ihrem Langgedicht „Nach Eden“, das in eindringlicher, bildreicher Sprache existenzielle Fragen aufwirft. Auch sie ist Mutter von zwei Kindern und schätzt die Möglichkeit, das Stipendium kinderfreundlich aufzuteilen.

Die in Berlin lebende Autorin weiß „sehr wenig über den Schwarzwald“, habe Hausach aber bei zwei Besuchen als „sehr freundliche und literaturbegeisterte Stadt“ erlebt. Die Veranstaltung zeigte einmal mehr, wie lebendig und vielfältig Literatur in Hausach gelebt wird – und wie offen die Stadt für neue Stimmen ist, die mit Fantasie und Neugier ihre Geschichten erzählen. Und diehier wie Anna Kim neue Geschichten finden wollen: „Darauf freue ich mich am meisten. Mir wurde versprochen, dass ich hier welche finde.“

Willkommenspräsent

Für die neuen Stadtschreiberinnen gab es zur Begrüßung in der Schwarzwaldgemeinde auch ein passendes literarisches Geschenk. Als symbolisches Willkommensgeschenk überreichte Hausachs Bürgermeister Wolfgang Hermann den Autorinnen Anna Kim und Daniela Seel das Buch „Huse fier Riigschmeckte“ von Michaela Keller – ein liebevoller Blick auf Hausach für Zugezogene.