Bunte, lebendige Bilder spielen ihre ganze Kraft aus im neuen Valencia-Roman von Verena Boos.
„Nochmal ein Valencia-Roman“ – nach „Bitterorangen“ (2015) – war die Übereinkunft mit Gunnar Cynybulk, seinerzeit ihr Lektor beim Aufbau-Verlag, jetzt Verleger von „Kanon“. Warum auch nicht? Verena Boos hat viel zu erzählen – und sie weiß zu erzählen. Was die Qualitäten von „Die Taucherin“ allerdings nur unzulänglich beschreibt. Denn das Buch, das seit Ende Juli auf dem Markt ist und jetzt in der alten und neuen „Heimat“ der Autorin Premiere feiert, ist in mehrfacher Hinsicht beeindruckend.
Eine Zwischenheimat
Will man in diesem Bild bleiben, kann man vielleicht von „Zwischenheimat“ sprechen: Boos kennt die Stadt, beziehungsweise kannte sie und hat mit Blick auf den neuen Roman ihre Erinnerung überprüft, dabei Bilder neu eingeordnet und neue gewonnen.
Offenkundig wird, und das ist eine besondere Qualität, dass sie sich sehr genau auskennt: Die Unmittelbarkeit der Deskription zeugt von einem selbstverständlichen Umgang. Die Authentizität der Schilderung nimmt den Leser mit hinein in die Szenerie – nicht nur der spanischen Metropole. Es sind bunte, sehr lebendige Bilder, die ihre suggestive Kraft ausspielen. Gleichzeitig bleibt sie sehr fein, überlegt geschrieben. Und sie ist natürlich aufgeladen mit Anknüpfungspunkten, die zwanglos in weitere Schichten führen können.
Das Spiel mit den Bildern
Die Gegenwelt zu Valencia ist der Schwarzwald. Auch hier beweist Verena Boos genaue Kenntnis und skizziert die Szenerie mit derselben Unmittelbarkeit und Selbstverständlichkeit wie Valencia. Sie kennt die Gegend, in der sie die Kletterin in ihrem Romane beheimatet, gut. Dass als Subtext des Schwarzwaldbildes auch das Bild des „deutschen Waldes“ mit seiner Vereinnahmung zu lesen ist, kommt ihr nicht nur zupass. Sie spielt auch damit. Denn zwischen dem „deutschen Wald“ und dem sonnigen Spanien, zum Beispiel dem Valencia, in dem Boos’ Taucherin lebt, gibt es eine dunkle Verbindung. Das ist durchaus bekannt, doch hierzulande wohl nicht so präsent wie in Spanien, wo die jüngere franquistische Diktatur noch deutlich bis in die heutige Gesellschaft nachwirkt und die nachhaltige Verbindung der Unrechtsregime wach hält.
So selbstverständlich modern die Geschichte der beiden Frauen und ihrer bis in die Kindheit zurück reichende Verbindung erzählt ist, so unerbittlich öffnen sich Abgründe. Sie sind historisch gesichert und klar formuliert, durchbrechen aber nicht die erzählerische Kompetenz und den sprachlichen Duktus.
Für den Leser aufgeblättert
So darf „Die Taucherin“ ein feiner Roman bleiben, dessen Ästhetik dunkle Wahrheit und fragwürdige gesellschaftliche Tendenzen einschließt, ohne sie an die Oberfläche zu pressen. Und auch hier sei noch einmal das Wort „selbstverständlich“ verwendet: Genau so ist alles organisch verwoben und für den Leser aufgeblättert.
Premiere am 27. September
„Die Taucherin“ feiert am Freitag, 27. September, mit einem Doppelschlag in Rottweil Premiere: um 18.30 Uhr in der Buchhandlung Klein, anschließend ab 21 Uhr im „Schwarzen Lamm“. Bereits am Donnerstag, 26. September, gibt es in der „Halle 16“ in Sulz ab 19.30 Uhr eine Vorpremiere.
Das Buch: Verena Boos: „Die Taucherin“, Kanon Verlag, 284 Seiten, 24 Euro