Gilbert Rottmann, Ina Koska, Klaus Koska und Sandra Trefzer (v.l.) bei ihrem literarischen Abend im Zeichen starker Frauen Foto: Scharf

Das literarische Quartett mit Ina und Klaus Koska, Gilbert Rottmann und Sandra Trefzer widmete sich in Binzen starken Frauen in der Literatur.

Es war das „Who is who“ der bedeutendsten deutschsprachigen Lyrikerinnen und Erzählerinnen, die beim jüngsten literarischen Abend im gut besetzten Rathaussaal zu Wort kamen.

 

Was das Programm „Starke Frauen“ vor allem enthielt, waren Autorinnen, die sich mit Exil, Emigration, Flucht und Grauen in der NS-Zeit auseinandersetzen mussten. Da waren berühmte Namen mit Texten und Gedichten zu hören, angefangen bei Hildegard von Bingen über Marie von Ebner-Eschenbach bis hin zu der intellektuellen Poetin Ingeborg Bachmann mit ihrem Gedicht „Die gestundete Zeit“ („Es kommen härtere Tage“).

Nelly Sachs war darunter, Literaturnobelpreisträgerin, die größte deutsch-jüdische Lyrikerin seit Else Lasker-Schüler, die in ihrem Werk Tod und durchlebtes Grauen umkreist und das Schicksal des jüdischen Volkes sehr bildhaft darstellte wie im „Chor der Geretteten“ über den Holocaust.

Da war auch Luise Rinser, die deutsche Schriftstellerin mit einer stark religiösen Prägung, die sich in ihrem Gedicht „Heute fürchte ich nichts“ über ein „Leben unter Milliarden“ reflektiert. Da wurde aber auch Annette von Droste-Hülshoff mit einem Klassiker der Balladenliteratur rezitiert: dem „Knaben im Moor“, einer schaurig-schönen Ballade in realistischer Naturschilderung mit übernatürlicher Vision.

Viele Themen

Mehrere Texte der bedeutenden Lyrikerin und Erzählerin Marie Luise Kaschnitz kamen zu Gehör, darunter die Heimkehrer-Kurzgeschichte „Zu Hause“, eine moderne Parabel auf die Menschheit und die Rückkehr von einer Weltraumstation auf die alte Erde.

Ein Schwerpunkt zu Beginn der Lesung des literarischen Quartetts mit Ina Koska, Klaus Koska, Gilbert Rottmann und Sandra Trefzer galt Mascha Kaléko – eine Erinnerung an ihren 50. Todestag in diesem Jahr. Die jüdische Berliner Großstadtlyrikerin gehört auch in das schicksalhafte Kapitel von Emigration und Exil. Mit Charme, Humor und sozialer Kritik habe sie, sagte Trefzer in ihrer Anmoderation, das Publikum erobert.

Liebe, Einsamkeit, Abschied und vieles mehr

Kalékos Themen Liebe, Einsamkeit, Abschied, Sehnsucht und Traurigkeit, die Mischung aus Melancholie, Ironie, Witz und politischer Schärfe und persönliche, autobiografische Erinnerungen spiegelten sich in den vorgetragenen Texten wie dem „Katzenjammer-Monolog“ wider.

Neben den poetischen Werkbeispielen gab es mit „Ach Europa“ von Nora Bossong auch eine zeitgemäße politisch anspielungsreiche Stimme im Chor der Lyrikerinnen. Eine Besonderheit war die Kriminalgeschichte „Der Unfall“ von Agatha Christie, der „Queen of Crime“, ein raffiniert gestrickter Fall um einen pensionierten Inspektor, der einer Giftmörderin in die Falle geht – gelesen mit verteilten Rollen.

„Starke Frauen“ in Musik

Dass es auch „starke Frauen“ in der Musikgeschichte gibt, machte Pianistin Deug-Yun Kim deutlich, die neben Stücken aus Barock und Romantik von Scarlatti, Couperin und Bach bis Mendelssohn auch zwei Komponistinnen, Fanny Hensel und Marianne Martines, ins Bewusstsein rief.