Die große Leidenschaft von Lion Düker ist der Motorsport. Der 21-Jährige aus Rottweil spricht über die Zukunft und seine Ziele für das Jahr 2023 und wieso die Finanzen im Motorsport so eine große Rolle spielen.
Lion Düker blickt auf ein ereignisreiches Jahr zurück. Der 21-Jährige geht einen anderen Weg, als viele junge deutsche Rennfahrer. Der Rottweiler ist im Bereich der Le Mans-Prototypen unterwegs und startete in der französischen Lamera Cup Endurance Rennserie. Er erklärt: "Das nötige Geld für einen Einsatz in der GT4-Germany konnten wir nicht aufbringen." Was er meint, versteht man wenn man die entsprechenden Zahlen hört: So kostet eine Saison in der GT3 (GT-Masters) 400.000 Euro plus eine Beteiligung an möglichen Schäden. Motorsport in Deutschland wird aufgrund der steigenden Kosten jährlich teurer.
Motorsport ist teuer
Düker stellt klar: "Ohne Partner hat man eigentlich keine Chance. Das ist schon enorm." Angestrebt ist nun ein Start im Michelin LeMans-Cup, der im Rahmen der international sehr beachteten European Le Mans-Series läuft. Das benötigte Budget für die sieben Rennveranstaltungen beträgt circa 250.000 Euro. "Das ist natürlich auch noch massig Geld. Aber die Serie bringt einige Vorteile gegenüber den GT-Serien mit", berichtet Düker.
Gute Leistungen lohnen sich
So seien die reinrassigen Rennwagen und die dazugehörigen Ersatzteile etwas günstiger. Denn im Schadensfall - egal ob verschuldet oder nicht - hat der Fahrer auch immer eine gewisse Selbstbeteiligung. Zudem seien die Autos mit deutlich weniger technischen Hilfsmitteln wie die GT-Wagen ausgestattet. "Es gibt beispielsweise kein ABS. Die Autos verzeihen deutlich weniger Fehler. Mit guten Leistungen fällt es einfacher, sich hervorzuheben", so Düker. Gute Leistungen könnten ihn also sowohl für höhere internationale Aufgaben im Le Mans-Bereich als auch in den GT-Serien attraktiv machen, wodurch die Kosten sinken würden. Ziel sei es als Profi in einem Werktsteam unterzukommen. Desweiteren ist die Le Mans-Serie auch zukunftsorientiert, so sollen die Autos künftig mit Hybrid und alternativen Kraftstoffen betrieben werden.
Um diese abzurufen, trainiert der 21-Jährige mindestens vier Mal die Woche für zwei Stunden in seinem eigenen Simulator. Das hochtechnische Gerät vermittelt echtes Rennfeeling fast eins zu eins. Düker erklärt das Prinzip: "Es stehen unterschiedliche Fahrzeuge und Strecken zur Verfügung. Das ist die perfekte Vorbereitung für die Rennstrecke. Im Sim-Bereich kann man sich auch teils mit der Konkurrenz messen." Zu dieser gehören teilweise auch schon nahmhafte Sportler - sogenannte Werksfahrer.
Starke Zeiten
In der Lamera-Cup Langstreckenserie steigerte sich Düker diese Saison von Rennen zu Rennen. Anfänglich im Mittelfeld unterwegs, fuhr er später Top 15 Zeiten von bis zu 140 Fahrern. Die Langstreckenrennen fanden unter anderem in Frankreich, Italien und Portugal statt. Vor ihm waren dann nur noch langjährige Werksfahrer platziert. "Da hat man schon gesehen, dass was geht", erklärt Düker zufrieden.
Die guten Leistungen helfen natürlich, um entsprechende Partner zu finden. Insgesamt ist das Ganze aber schwierig: "Die richtigen Partner sind wichtig. Man würde sich natürlich wünschen, dass man da eine richtige Chance bekommt und gemeinsam einen Weg zum Erfolg findet, der sich auch für die Partner auszahlt", erläutert Düker. Die Gespräche mit potenziellen Sponsoren hat Düker bisher immer selber geführt, mittlerweile hat er zwei Leute, die ihn hier unterstützen - sei es die Gespräche auf den Weg zu bringen oder die eigene Homepage zu betreuen.
24 Stunden von Le Mans als Ziel
Der große Traum von Düker sind in einem Dreijahreskonzept im Prototyp bei den 24-Stunden von Le Mans zu starten. "Ich will den Weg gehen. Der Druck bei den Rennen ist schon enorm, ein schlechtes Rennen kann theoretisch auch die ganze Karriere zu nicht machen", berichtet Düker auch von hohen psychischen und physischen Anforderungen. Im Auto dürfe man an diese Punkte aber nicht denken: "Man ist ja auch ein Stück weit auf die anderen Fahrer angewiesen, dass man am Ende auf dem Podium steht. Aber im Cockpit bin ich voll konzentriert und für mich ist es einfach der schönste Sport der Welt."
Aktuell verhandeln Düker und seine Mannschaft mit verschiedenen Teams, um im kommenden Jahr in der Le Mans-Serie an den Start gehen zu können. Beim letzten Rennen des Prototypen-Cups Germany war Düker dank seines starken Testtages im LMP3 als Gastfahrer dabei - und dies durchaus mit Erfolg. So soll es im kommenden Jahr möglichst weitergehen.