Borna Sosa darf nicht für die deutsche Fußball-Nationalelf spielen. Foto: Imago

Der eingebürgerte VfB-Verteidiger Borna Sosa darf aufgrund der Statuten des Weltverbandes nicht für die deutsche Nationalelf spielen. Jetzt befindet sich der 23-Jährige in einer misslichen Situation. Wo ist der Ausweg?

Stuttgart - Der Traum des eingebürgerten Borna Sosa, im Trikot mit dem Bundesadler auf der internationalen Fußballbühne für Furore zu sorgen, er ist jäh geplatzt. Schließlich darf der VfB-Linksverteidiger nicht für Deutschland spielen. Die Statuten des Weltverbandes Fifa, die im vergangenen September auch in diesem Punkt modifiziert wurden, sie lassen hier definitiv keine zwei Meinungen zu.

 

Denn wie in Artikel 9, Punkt 2 b III festgelegt ist, wird einem Antrag auf Verbandswechsel nur dann stattgegeben, falls ein Spieler „zum Zeitpunkt seines letzten Einsatzes in einem Spiel eines offiziellen Wettbewerbs irgendeiner Fußballsparte für seinen jetzigen Verband noch nicht 21 Jahre alt“ war. Doch Sosa spielte im vergangenen November für die U 21 seines Geburtslandes Kroatien beim 2:2 in Schottland seine letzte von insgesamt 19 Partien für die Juniorenauswahl – da war der heute 23-Jährige bereits 22 Jahre alt. Das Thema deutsche Fußball-Nationalmannschaft ist für den Blondschopf mit dem starken linken Fuß, den Vorlagenkönig des VfB, damit vom Tisch.

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Als die gleichsam peinliche wie skurrile Wende in der allzu kurzen Liaison zwischen Sosa und der deutschen Fußball-Nationalelf konkrete Formen angenommen hatte, da moderierte Oliver Bierhoff das tragische Scheitern des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) im Stile eines Spitzenpolitikers. Nach Rückmeldung der Fifa, so Bierhoff, müsse der DFB „in seinem Fall auf einen Antrag auf Verbandswechsel verzichten, da dieser wegen der erst vor wenigen Monaten geänderten Statuten wenig Aussicht auf Erfolg hätte. Ich bin aber sicher, dass er seinen Weg gehen wird“, erklärte der ehemalige Nationalstürmer – und ergänzte, die Möglichkeit einer Spielberechtigung für Deutschland sei bei Sosa „in den letzten Tagen seriös und sorgfältig geprüft“ worden.

Oliver Bierhoff erzählt nicht alles

Was Oliver Bierhoff dabei allerdings nicht erwähnte: Dass Sosa nicht für Deutschland spielen darf, hätte dem DFB bei Kenntnis der Statuten längst klar sein müssen. Es wurde von den Juristen und Regelexperten des größten nationalen Sportfachverbandes der Welt aber offenbar schlicht übersehen.

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Schließlich bestätigte Sosa im kroatischen Staatsfernsehen HRT, dass ihn der DFB nicht etwa erst kontaktiert und mit der Möglichkeit eines Einsatzes im Trikot des viermaligen Weltmeisters umschmeichelt hatte, als ihm auch der deutsche Pass vorlag. Im Gegenteil: Wie Sosa, der sich zu seinem Fall am Dienstag nicht äußern wollte, noch am Wochenende gegenüber HRT erklärte, ist ihm der DFB während des gesamten Einbürgerungsprozesses mit Rat und Tat zur Seite gestanden. „Der entscheidende Anruf des kroatischen Verbandes kam nie“, erklärte er seine Beweggründe: „Mit dem DFB hingegen bin ich seit vier Monaten in Kontakt. Gefühlt haben sie mich fast täglich angerufen. Sie wussten um mein Vorhaben und haben alles dafür getan, dass ich die Staatsbürgerschaft so schnell wie möglich bekomme.“

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Noch am vergangenen Freitag hatte Oliver Bierhoff in Unkenntnis der Wechselstatuten das Interesse der Deutschen am VfB-Profi erstmals öffentlich bekräftigt: „Wir kennen den Jungen und beobachten ihn. Wir glauben, dass er das Potenzial zum deutschen Nationalspieler hat“, das hatte der DFB-Direktor unmittelbar vor dem 2:1-Sieg der Stuttgarter über den FC Augsburg gesagt.

Übrig bleiben nur Verlierer

Am Ende gibt es in der Causa Sosa nun ausschließlich Verlierer. Den Deutschen Fußball-Bund, der sich in seinem ureigensten Metier nicht auskennt, aber auch den Spieler, der schnell und scharf gegen den kroatischen Verband und seinen A-Nationaltrainer Zlatko Dalic geschossen hatte – und der nun in seinem Geburtsland als Verräter dasteht. Möglicherweise wird Borna Sosa dennoch mittelfristig für Kroatien auflaufen. Mit 23 Jahren ist er für eine erneute Kehrtwende diesmal noch jung genug.