Hausaufgaben sind bei Schülern nicht unbedingt beliebt – die Linkspartei will sie nun abschaffen. (Symbolbild) Foto: imago images/blickwinkel/McPHOTO/B. Leitner

Die Linkspartei hat vorgeschlagen, Hausaufgaben für Schüler abzuschaffen. Wir haben bei dem Rektor sowie der Schulsozialarbeiterin der Christiane-Herzog-Realschule nachgefragt, wie sie dazu stehen, dass so Chancengleichheit gefördert werden könnte.

Nach der Schule nach Hause und – frei? In der Regel nicht, immerhin warten Hausaufgaben auf die Schüler und Schülerinnen. "Die Linke" hat nun gefordert, Hausaufgaben für Schüler abzuschaffen. Die Partei argumentiert, dass durch die unterschiedlichen Möglichkeiten der Schüler zuhause Bildungsungleichheit und damit die soziale Spaltung vertieft würden.

 

„Wer kein eigenes Zimmer hat, keine Ruhe, keine Unterstützung, bekommt schlechtere Noten. Das ist keine individuelle Schwäche, das ist strukturelle Ungerechtigkeit“, schrieb die Linke dazu. Wir haben die Nagolder Schulen angefragt, wie sie dazu stehen.

Andreas Kuhn, Rektor der Christiane Herzog-Realschule in Nagold sieht wenig Möglichkeit, die Ungleichheiten über die Hausaufgaben zu glätten. „Bildungsaffine und/oder finanziell bessergestellte Eltern werden es – ob mit oder ohne Hausaufgaben – immer schaffen ihre Kinder besser/intensiver zu fördern“, meint er.

„Das ist zwar für die Kinder und Jugendlichen, die diese Chance nicht haben bedauerlich - lässt sich aber nun mal nicht ändern.“

Er betrachtet die Hausaufgaben sogar als Möglichkeit, Chancengleichheit zu fördern: „Mit Hausaufgaben haben Kinder aus bildungsferneren Elternhäusern sogar eher die Möglichkeit ihr Wissen oder ihre Kompetenzen zu verbessern - sofern sie diese auch regelmäßig und verlässlich erledigen.“ Weiter möchte er sich jedoch politisch neutral verhalten.

„Überforderung und Stress

Die Sozialarbeiterin an der Realschule, Jessica Dalcolmo, meint zu dem Thema: „Ich finde es sehr wichtig und gut, dass sich die Linkspartei über solche Themen Gedanken macht. In meiner täglichen Arbeit habe ich mit dem Thema recht wenig zu tun. Ab und zu klagen die Schüler über Überforderung und Stress. Vor allem in Prüfungs- und Klausurphasen.“

Und ergänzt: „Zudem kann es auch vorkommen, dass wo manche Schülerinnen und Schüler beispielsweise eine halbe Stunde brauchen, andere wiederum doppelt und dreimal so lange für die gleichen Aufgaben benötigen, wodurch dann weniger Zeit und Konzentration für das normale Lernen bleibt.“

Allein das Gedankenspiel an sich sei schon gut: „ Sicher wird das allein das Problem der sozialen Benachteiligung nicht lösen“, schränkt sie ein. „Aber sich allein schon Gedanken zu machen und neue Wege zu gehen, ist bestimmt kein Fehler.“

Das Otto-Hahn Gymnasium steht der kompletten Abschaffung der Hausaufgaben ebenfalls kritisch gegenüber. "Hausaufgaben bringen natürlich Schwierigkeiten mit sich und es gibt begründete Problemanzeigen. Aber sie helfen – wenn sie klug gestellt sind – den im Unterricht  erarbeiteten Stoff in individuellem Tempo zu vertiefen. Dazu müssen sie natürlich nicht zwingend ,zu Hause' gemacht werden und sollten vielleicht besser ,Individuelle Lernzeit' genannt werden. Schon jetzt werden viele Hausaufgaben nicht zu Hause gemacht, sondern in Hohlstunden oder in der Hausaufgabenbetreuung in der Schule", schreibt Schulleiter Ulrich Hammann auf Anfrage.

Hausaufgaben auch in der Schule zu machen hält er für ein gutes Konzept: "Anstatt die ,Hausaufgaben' abzuschaffen, sollten in der Schule Rahmenbedingungen geschaffen werden, dass Kinder, die Zuhause weder die Räumlichkeiten noch die Unterstützung haben, diese in der Schule erledigen können. Wir bieten seit vielen Jahren deshalb eine Hausaufgabenbetreuung an. Diese wird durch Schülerinnen und Schüler in Klassenzimmern beaufsichtigt. Besser wäre es, wenn es dafür auch Lehrerstunden gäbe . Und gut wäre es, wenn wir dafür spezielle Räumlichkeiten ähnlich einer Bibliothek hätten. Mit Büchern und Internetzugang. Solchen einen Raum haben wir  bereits 2016 in unseren Planungen für die Sanierung des OHG mit eingebracht. Es wäre schön, wenn ein solcher Raum bei der noch in Planung befindlichen Sanierung tatsächlich realisiert werden könnte."

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieses Artikels hieß es, das Otto-Hahn-Gymnasium habe nicht auf unsere Anfrage geantwortet. Dies ist nicht korrekt, wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.