Auf einem Feld bei Dormettingen unweit des Lindenhofs wächst grüner Spargel. Foto: Marschal

25 Jahre lang war der grüne Spargel aus Dormettingen das Alleinstellungsmerkmal des Lindenhofs. Die aktuelle ist jedoch die letzte Ernte. Familie Steimle erklärt die Gründe.

Im Mai und Juni, wenn der Spargel aus dem Boden schießt, herrscht auf dem Lindenhof bei Dormettingen Hochbetrieb. An sieben Tagen die Woche wird Spargel gestochen, sortiert, gewaschen und gebündelt. Dabei ist jede helfende Hand wichtig. Und genau das ist ein Grund dafür, weswegen sich die Familie Steimle dazu entschlossen hat, den Spargelanbau aufzugeben.

 

Dabei war der grüne Spargel 25 Jahre lang ein Alleinstellungsmerkmal des Lindenhofs. Die Schwäbische Alb ist nicht unbedingt als Spargeleldorado bekannt. Dennoch hat Landwirt Ulrich Steimle einen Versuch gewagt, der im wahrsten Sinne des Worts Früchte getragen hat. „Es funktioniert gut, hier hat es einen torfigen und nährstoffreichen Boden, der dem Geschmack gut tut“, erklärt seine Frau Karin Steimle. Jedoch ist das Klima auf 644 Höhenmeter nicht so mild, weswegen der Ertrag nicht so üppig ausfällt. Steimle hat den Spargelanbau um die Jahrtausendwende kennengelernt, als er im Heilbronner Raum Betriebshelfer war.

Zwei Hektar

Der grüne Spargel vom Lindenhof hat sich in der Region schnell einen Namen gemacht – schließlich ist die Familie Steimle die einzige, die im Zollernalbkreis Spargel anbaut. Und den gab es bisher in limitierter Auflage. Das Feld zwischen Dautmergen und Dormettingen misst zwei Hektar, der Ertrag hängt laut Tochter Lea Steimle sehr von Wetter und Temperaturen ab.

Aufwand und Ertrag stehen in keinem Aufwand

Seit ein paar Jahren stehen Aufwand und der finanzielle Ertrag in keinem Verhältnis mehr. Mit jedem Anstieg des Mindestlohns und anderen Kosten stiegen auch die Spargelpreise. Derzeit kostet ein Kilo Spargel vom Lindenhof 18 Euro. „Irgendwann ist eine Grenze erreicht, wo man selber kein gutes Gefühl mehr hat“, meint Ulrich Steimle.

Ulrich und Karin Steimle betreiben gemeinsam mit ihren Kindern Lea und Jakob den Lindenhof bei Dormettingen. Foto: privat

Der Spargelanbau ist zudem sehr zeitaufwendig. Sechs Wochen lang werden an sieben Tagen pro Woche, bei Sonnenschein wie bei Regen reife Spargelstangen händisch gestochen. Anschließend werden sie gewaschen, verlesen und verpackt. „Jede Stange wird mindestens sechs Mal in die Hand genommen bis sie beim Kunde ist“, erklärt Lea Steimle. Um den Spargel vor Kälte zu schützen und das Wachstum zu fördern, wächst das Gemüse unter Folienschläuchen, die immer wieder auf- und abgedeckt werden – ebenfalls in Handarbeit. Hinzu kommt das Pflanzen der Setzlinge und die Pflege des Feldes auch außerhalb der Saison.

Daher haben Ulrich und seine Frau in den vergangenen Jahren immer wieder mit dem Gedanken gespielt, den Spargelanbau sein zu lassen. „Aber die guten Rückmeldungen unserer Kundschaft haben uns weitermachen lassen“, sagt Steimle.

Spargelanbau ist Familiensache

Für die Spargelernte haben die Steimles Erntehelfer eingestellt, doch ansonsten ist der Anbau Familiensache. In den vergangenen Jahren haben sich vor allem Karin und Lea Steimle um den Spargel gekümmert. Doch weil Lea mittlerweile bei Regensburg wohnt und nur bedingt helfen kann, fällt eine wichtige Stütze weg. Sohn Jakob studiert, die Eltern von Ulrich Steimle können altersbedingt nicht mehr helfen. Gleichzeitig ist der Mai eine besonders fordernde Zeit, in der viele Arbeiten in der Landwirtschaft verrichtet werden müssen. „Es ist eine Vielzahl an Faktoren, die bei dem Entschluss zusammengespielt haben“, resümiert der Landwirt.

Samstags verkaufen Karin und Lea Steimle den grünen Spargel auf dem Wochenmarkt in Balingen. „Die Kunden sind erstmal verblüfft, doch zeigen Verständnis für unsere Entscheidung“, berichtet Lea Steimle.

Fokus auf Ackerbau und Kartoffeln

„Wir hören mit einem weinenden Auge auf“, sagt Karin Steimle – schließlich war der grüne Spargel fest in der DNA des Lindenhofs verankert und auch im Logo zu sehen. In Zukunft wird der Fokus des Lindenhofs weiter auf dem Ackerbau liegen und seit 2021 zusätzlich auf dem Anbau von Kartoffeln. Auch für Lea Steimle wird das kommende Frühjahr ohne Spargel ungewohnt – schließlich kennt sie es nicht anders. Doch freut sie sich auch auf den ersten Mai, den sie genießen kann, ohne sich um die Spargelernte kümmern zu müssen.