Die Kinder des Wolfacher Schwarzwaldvereins hatten 2022 neun Säcke voll Müll bei der Umweltaktion gesammelt. Foto: Bea

Das Landratsamt veranstaltet alle zwei Jahre eine große Aufräumaktion in der gesamten Ortenau. Bisher gab es dabei Geld für alle Teilnehmer – dieses Mal nur für Kinder.

Zum achten Mal wird Ende März gemeinschaftlich die gesamte Ortenau gesäubert – bei der Aktion „Kreisputzete“ versammeln sich Bürger, Vereine und sonstige Einrichtungen, um ihre Gemeinden zu säubern und schön zu machen. Dazu gehört vor allem: Müll aufheben, sammeln und wegbringen.

 

In den vergangenen Jahren hatte das Landratsamt die Aktion bezuschusst und Materialien wie Greifzangen, Handschuhe und Müllbeutel finanziert – dieses Jahr fällt das zum ersten Mal weg. Fünf Euro wurden dafür pro Person gewährt. Lediglich teilnehmende Schulen und Kindergärten erhalten weiterhin eine Förderung, alle anderen müssen ihre Materialien nun selbst bezahlen.

Die Wählervereinigung Liste lebenswerte Ortenau (Lilo) kritisiert diese Sparmaßnahmen der Kreisverwaltung. „Dass der Kreis angesichts seines Sparkurses eine so gute und wichtige Aktion kaputtmacht, ist aus unserer Sicht nicht nachvollziehbar“, äußert sich Lilo-Sprecher Jens-Alexander Singer in einer Mitteilung. „Wir erleben hier, wie durch vermeintliche Kürzungsmaßnahmen genau jene Akteure nicht mehr gefördert werden, die sich jahrelang für einen sauberen Ortenaukreis eingesetzt haben.“

Zuschüsse von 150 000 Euro

Für die Gemeinden bedeutet das auch, dass die Kreisputzete dieses Jahr nicht im gewohnten Rahmen stattfindet. Die Stadt Hornberg fordert in ihrer Ankündigung der Veranstaltung die Bürger dazu auf, ihre eigenen Handschuhe und Greifzangen mitzubringen. Auch ein gemeinsamer Abschluss sei in diesem Jahr nicht geplant.

Der Grund für die Sparmaßnahmen sei die aktuelle wirtschaftliche Situation. Die Gesamtsumme der Zuschüsse habe sich in den vergangenen Jahren durchschnittlich auf 150 000 Euro belaufen, teilt der Geschäftsführer des Eigenbetriebs Abfallwirtschaft, Günter Arbogast, auf Anfrage unserer Redaktion mit. Vor dem Hintergrund der Abfallgebühren müsse jede Ausgabe auf den Prüfstand gestellt werden. Schulen und Kindergärten sollen den Zuschuss auch weiterhin erhalten, um so die frühzeitige Sensibilisierung für die Umwelt zu fördern, stellt Arborgast klar. Etwa die Hälfte der Ausgaben für die Kreisputzete soll durch die Änderungen eingespart werden.

Material soll nicht neu gekauft werden

Da erfahrungsgemäß viele der Teilnehmer schon bei mehreren Kreisputzeten dabei waren, hätten sie sich schon mit Materialien ausgestattet. „Im Sinne der Nachhaltigkeit können beispielsweise Warnwesten oder Greifzangen immer noch genutzt werden“, wirft Arborgast ein.

Er gehe dennoch davon aus, dass sich die Ortenauer weiterhin im Rahmen der Kreisputzete für eine saubere Umgebung einsetzen werden. „Bei der Aktion steht das ehrenamtliche Engagement im Vordergrund“, betont er. „Eventuell wird es aber dennoch einige Gruppen geben, die sich nicht mehr beteiligen werden.“

Die ehemalige Kreisrätin Jana Schwab zeigt sich laut Mitteilung der Lilo enttäuscht darüber: „Wer sich für unsere Umwelt einsetzt, sollte dafür auch belohnt werden. Diese Einschränkung sendet das falsche Signal an alle ehrenamtlich Tätigen.“ Die Lilo fordert die Kreisverwaltung auf, die Entscheidung zu überdenken und die Förderung für alle Putzete-Teilnehmer wiederherzustellen.

Darüber, ob die Kreisverwaltung das in Betracht zieht, äußert sich Arborgast auf Nachfrage unserer Redaktion nicht wirklich. Er betont lediglich, dass die Zuschüsse für Kindergärten und Schulen weiterhin aufrecht erhalten werden sollen. Die Verwaltung sei sich der Bedeutung des Ehrenamts bewusst und unterstütze dieses in vielfältiger Weise. Dazu zähle auch, dass alle Teilnehmer der Kreisputzete die gesammelten Abfälle auch weiterhin kostenlos bei den Wertstoffhöfen abgeben können. Bei der Entscheidungsfindung für diese Maßnahmen seien Vereine und Initiativen nicht mit einbezogen worden.

Die Aktion

Seit 2013 findet die Ortenauer Kreisputzete alle zwei Jahre statt. In diesem Jahr beginnt die Aktion am 23. März und endet am 28, März. Die teilnehmenden Gruppen wählen in diesem Zeitraum selbst einen Termin, die jeweilige Gemeinde unterstützt bei der Flächenaufteilung. Das Formular, mit dem der Zuschuss für Schulen und Kindergärten beantragt werden kann, ist ab dem 23. März im Internet auf abfallwirtschaft-ortenaukreis.de verfügbar.