Spielen, Lachen und Erkunden können die Kinder in „Lilias Kindertagespflege Miau“. Seit Mitte März betreut Lilia Sitter Kinder unter drei Jahren. Unsere Redaktion erkundete sich, wie die ersten Wochen gelaufen sind und was zwei Katzen damit zu tun haben.
Wo sich die eine Tür schließt, öffnet sich eine andere – genau so ging es Lilia Sitter. Denn eigentlich wollte sie Buchhändlerin werden, wie sie im Gespräch mit unserer Redaktion verrät, und nun eröffnete sie Mitte März ihre eigene Kindertagespflege „Miau“.
Beginn sei eine „Achterbahn der Gefühle“ „Die ersten Wochen waren wirkliche eine Achterbahn der Gefühle“, beschreibt Lilia Sitter. Bis zum 31. März war sie noch bei der Fachberatung Elternpflege im Tageselternverein Landkreis Freudenstadt angestellt. Um bereits im März mit der Eingewöhnungsphase beginnen zu können, nahm sie ihren Resturlaub, berichtet sie. Somit war sie in dieser Phase voll auf das Neue konzentriert und gleichzeitig war es ein Abschied vom Alten. Das sei ganz schön schwer gewesen, weil das Team beim Tageselternverein wirklich super gewesen sei. „Ich sehe den Wechsel mit einem lachenden und einem weinenden Auge“, sagt sie.
Dennoch bereut sie den Entschluss zur Selbstständigkeit keinen Moment. Zu Beginn habe sie ein wenig Angst gehabt, gibt sie aber zu.
„Die Kinder sind super. Es gab bisher kein so schlimmes Weinen, dass ich die Eltern hätte anrufen müssen“, berichtet die Tagesmutter zufrieden. Die Eingewöhnungszeit der ersten drei Kinder hätte sehr gut funktioniert. Dabei achtet sie ganz individuell auf die Kinder und auch auf die Eltern.
Kinder befüllen sich gegenseitig Gießkannen Ein Highlight sei auch das schöne Wetter gewesen. Das nutze die Tagesmutter, um gemeinsam mit den Kindern Blumen einzutopfen und täglich zu gießen. Das sei auch eine tolle Ablenkung, in der Zeit, in der die Eltern weg seien, findet sie.
Vor Kurzem seien die drei Kinder zum ersten Mal gleichzeitig in der Betreuung gewesen. Dabei habe es ein ganz niedliches Bild gegeben, als die Kinder sich gegenseitig die Gießkannen gefüllt haben und durch den ganzen Garten gelaufen sind, um jedes Blümchen und Unkraut zu gießen, erzählt Lilia Sitter mit viel Freude. „Zu Beginn der Tagespflege war mein Regenfass noch voll, jetzt ist es fast leer“, sagt sie und lacht.
In der kommenden Woche kommt noch ein viertes Kind dazu und Anfang Mai das fünfte. Maximal dürfe sie bis zu fünf Kinder gleichzeitig betreuen. Das sei durch die verschieden gebuchten Zeitfenster und Tage bisher kein Problem, zeigt die Tagesmutter. Insgesamt kann sie so zehn Plätze vergeben. Somit habe sie im Moment noch Kapazitäten, um neue Kinder aufzunehmen.
Sitter blickt zuversichtlich auf die Anmeldungen „Die Anmeldungen kommen tröpflesweise. Aber ich denke, wenn sich mein Ruf von zufriedenen Eltern über den Buschfunk auf dem Spielplatz herumspricht, dann werden es mehr“, ist sie zuversichtlich. Einen Tag zuvor sei zum Beispiel eine Familie auf Empfehlung da gewesen. „Bedarf ist immer da. Die Menschen müssen nur wissen, dass es das Angebot gibt.“
Die Schließung der Kinderkrippe Storchennest in der Kernstadt könnte sich nur in der Übergangszeit bis zu einer neuen Nutzung des Storchennests auf ihre Tagespflege auswirken, denkt Sitter. Mit einer neuen Regelung dort, werde sich das wahrscheinlich wieder relativieren. Derzeit betreut die Tagesmutter aus Mühlen Kinder aus den Teilorten Rexingen, Talheim, Ahldorf und Mühlen.
Seit 20 Jahren keine Tagesmutter mehr in Mühlen Bisher seien die Kinder alle im Alter von etwa zweieinhalb Jahren. Für die Kinder sei das nicht schlecht, weil sie dann Gleichaltrige zum Spielen haben. Aber gleichzeitig findet sie es auch schade, weil sie dann schnell drei werden und somit nicht weiter von ihr betreut werden, erklärt die Tagesmutter.
In Mühlen sei sie seit 20 Jahren wieder die erste Tagesmutter. Auch in der Kernstadt und auf dem Hohenberg gebe es derzeit keine. Aber in den Teilorten gebe es weitere Tagespflege-Angebote, erklärt Lilia Sitter.
Zwei Katzen gesellen sich zu den Kindern Das Besondere an ihrer Kindertagespflege sei auch, dass neben den Kindern außerdem auch noch zwei Katzen den Alltag bereichern. Die Katzen Yuna und Iris habe sie selbst aufgezogen. „Die Katzen haben sich gut an die Kinder gewöhnt“, erzählt sie. „Es ist wichtig, dass die Kinder lernen, mit Tieren vorsichtig umzugehen. Es ist erstaunlich wie schnell die Kinder gelernt haben, langsam an die Katzen ranzugehen“, sagt Sitter und freut sich. Auch die Eltern sehen in den beiden Katzen eine Bereicherung für die Kinder.
Das Schönste an ihrem Beruf sei, die Entwicklung der Kinder zu beobachten. „Gerade zwischen eins und drei tut sich viel. Das hat mir am meisten gefehlt – in Aktion mit dabei, beim Wachsen zusehen und fördern“, erklärt Sitter mit voller Begeisterung.
Weitere Informationen
Zur Person
Nach der Realschule, absolvierte Lilia Sitter das Wirtschafts-Gymnasium. Dabei merkte sie, dass sie Wirtschaft nicht so toll findet. Daraufhin bewarb sie sich als Buchhändlerin, entschied sich nach einem nicht so guten Bewerbungsgespräch dann für ein FSJ in der Krippe. Da erlebte sie den Alltag hautnah und studierte daraufhin Erziehungswissenschaften. Nach acht Jahren Arbeit in verschiedenen Krippen und zwei Jahren Kita-Leitung wechselte sie zum Tageselternverein Landkreis Freudenstadt. Da ihr das zu wenige Arbeit direkt am Kind war, entschied sie sich, sich eigenständig zu machen. Seit dem 14. März führt sie nun zufrieden „Lilias Kindertagespflege Miau“.
Tagesablauf
Lilia Stitter öffnet die Tagespflege um sieben Uhr. Da gibt es erste einmal ein Ankommen und freies Spielen. Danach gibt es einen Morgenkreis mit Kissen und Liedern. Außerdem schauen sich die Kinder derzeit gerne die kleine Raupe Nimmersatt im Vorlese-Theater Kamishibai an. Mit dem Frühstück und Zeit im Garten geht es weiter. Frisch gewickelt gibt es dann einen Snack und gegen 11.30 Uhr folgt der Mittagsschlaf. In der Zeit bereitet Lilia Sitter das Mittagessen vor, das darauf folgt. Die Abholzeit sei meist schon nach dem Mittagessen, berichtet die Tagesmutter den Ablauf.