Weil der Markt in Nordamerika gesättigt ist, warnt das BKA vor einer „Kokain-Schwemme“. Die Folgen bekommt auch das Polizeipräsidium Offenburg zu spüren.
Im Zuge aufwendiger Ermittlungen des Polizeipräsidiums Offenburg gegen den organisierten illegalen Rauschgifthandel in der Region gelangen den Beamten vergangenes Jahr mehrere Schläge gegen Kriminelle.
So kam es unter anderem zur Beschlagnahme von 15 Kilogramm Kokain im Wert von rund 1,5 Millionen Euro. Es handelte sich um eine der größten Mengen, die durch Ermittlungen der Kriminalpolizei Offenburg sichergestellt wurde.
Ebenfalls 2025 erfasste die Verkehrspolizei insgesamt 74 Autofahrer (plus 42 Prozent), die unter dem Einfluss von Kokain am Steuer saßen – ein Höchstwert seit der Erfassung. In der Konsequenz will sich die Polizei nun verstärkt dem Kampf gegen Kokain zuwenden.
Trotz Sicherstellung bleibt der Straßenpreis gleich
„Der Schwerpunkt drängt sich auf, weil Kokain Europa im Moment überschwemmt“, erklärte Polizeivizepräsident Sigurd Jäger, Leiter des Führungs- und Einsatzstabes, bei der Vorstellung der Kriminalitätsstatistik 2025. Er nahm dabei Bezug auf eine Warnung des Bundeskriminalamts vom vergangenen Jahr. Das BKA hatte in dem Zusammenhang die eindrückliche Formulierung eines Konsumenten zitiert: „Kokain in deutschen Großstädten zu bekommen ist so einfach wie eine Pizza.“
Dass die Droge aber auch längst im ländlichen Raum angekommen ist, machte Polizeipräsident Jürgen Rieger deutlich: „Kokain ist zwischenzeitlich eine Alltagsdroge.“ Es sei stark gesundheitsgefährdend, nichtsdestotrotz komme der Konsum in allen Gesellschaftsschichten vor.
„Beschaffungskriminalität“ gibt es bei Kokain eher nicht
„Auf der Straße, in Lokalen, im Netz – überall wird gehandelt. Es gibt aber keinen Schwerpunkt, keine offene Kokain-Szene“, erklärte Jäger. „Beschaffungskriminalität – wie etwa beim Heroin – gibt es beim Kokain so nicht, das sind ganz andere Bevölkerungsschichten.“ Unter anderem das mache die Bekämpfung der „Kokain-Schwemme“ auch schwieriger, ergänzte Rieger. Man sei eher im Bereich der organisierten Kriminalität.
Als „erschreckend“ bezeichnete der Polizeipräsident, dass trotz größerer Mengen konfiszierten Kokains – Ermittlungen des baden-württembergischen LKA führten 2024 zur Sicherstellung von rund 35 Tonnen Kokain in Hamburg – die Straßenpreise gleich blieben. „Wenn man das Angebot verringert und die Nachfrage gleich bleibt, sollten die Preise ja steigen“, betonte Jäger. Das deute an, dass es sich bei den sichergestellten Mengen lediglich um die Spitze des Eisbergs handelt und das Dunkelfeld entsprechend groß ist.
„Nadelstiche“ sollen Dunkelfeld erhellen
Rieger kündigte nun „strukturelle Ermittlungen“ an, um unter anderem zu klären, wie genau das Kokain in die Region kommt. „Die französischen Kollegen sagen, dass der Rhein die Hauptroute ist“, berichtete der Polizeichef beim Pressegespräch.
Zum konkreten Konzept der Bekämpfung des großangelegten Kokain-Handels am Südlichen Oberrhein wollte die Polizei aus ermittlungstaktischen Gründen nicht zu sehr ins Detail gehen. „Wir werden mit Nadelstichen aber auch großangelegten Aktionen Kontrollen vornehmen“, kündigte Jäger an. Dabei wolle die deutsche Polizei auch mit ihren französischen Kollegen zusammenarbeiten, „die genau das gleiche Problem haben“.
Rieger erklärte, dass für die Bekämpfung der Kokain-Szene auch ein Umdenken bei den Streifenbeamten nötig sein werde. „Selbst der Fahrer eines hochpreisigen Fahrzeugs ist unter Umständen auf Drogen unterwegs“, konstatierte der Polizeipräsident. Ziel sei es im laufenden Jahr, die Situation durch besagte „Nadelstiche“ möglichst aufzuhellen, um sich so Orientierung in der Situation in der Region zu verschaffen.
Einen Zusammenhang zwischen dem steigenden Kokain-Konsum im zurückliegenden Jahr mit der Teillegalisierung von Cannabis wollte Rieger derweil nicht sehen. „Ich würde es nicht verknüpfen – Cannabis ist ein ganz anderes Phänomen und eine ganz andere Gesetzeslage.“
Rauschgiftdelikte
Insgesamt verzeichnete das Polizeipräsidium in seinem Bereich – Ortenau, Landkreis Rastatt und Baden-Baden – einen Rückgang der Rauschgiftdelikte. Deren Zahl sank 2025 um 103 auf nur noch 1091, geht aus der Kriminalitätsstatistik hervor. Damit setzte sich die rückläufige Entwicklung seit 2021 fort: Damals verzeichnete die Polizei noch 2772 Rauschgiftdelikte – zwischenzeitlich wurde jedoch auch der Cannabis-Konsum teillegalisiert.