Mit Lieferboxen auf dem Rücken unterwegs zwischen Stadt und Umland: Brandon Fernandez (links) und Milot Kornell liefern mit Zustello nicht nur in Donaueschingen, sondern auch im Städtedreieck und in umliegenden Ortschaften. Foto: Hannah Schedler

Essensbestellungen sind vielerorts längst normal. Nun gibt es einen eigenen Lieferservice auf der Baar. Wie das regionale Angebot Zustello funktioniert.

Der Regen prasselt gegen die Fensterscheiben, die Heizung läuft, der Hunger meldet sich. Wer in solchen Momenten keine Lust mehr hat, das Haus zu verlassen, greift vielerorts ganz selbstverständlich zum Smartphone. Wenige Klicks, kurze Wartezeit – wenig später steht warmes Essen vor der Tür.

 

In Großstädten und im Ausland ist das längst Alltag. In Donaueschingen hingegen blieb diese Form der Bequemlichkeit lange eine Lücke – bis Milot Kornell und Brandon Fernandez beschlossen, sie zu schließen.

Eigene Erfahrungen führen zur Idee

Mit Zustello haben die beiden einen regionalen Lieferservice aufgebaut, der Restaurants bündelt und Essen in Donaueschingen, im Städtedreieck sowie in umliegende Orte bringt. „In Großstädten denkt man darüber gar nicht nach“, sagt Brandon Fernandez. „Essen bestellen gehört dort einfach dazu.“

Als er in die Region zog, sei ihm schnell aufgefallen, dass genau dieses Angebot fehlte. Der gebürtige Hamburger kam aus einem persönlichen Grund nach Donaueschingen: wegen seiner Freundin. Berufliche Herausforderungen jedoch waren dem heute 27-Jährigen nicht fremd. Vor der Gründung von Zustello arbeitete er unter anderem bei der Deutschen Bahn als Disponent – ein Umfeld, in dem Organisation, Belastbarkeit und schnelle Entscheidungen zum Alltag gehören.

Die Idee zu Zustello speiste sich aus eigenen Erfahrungen. Milot Kornell verbrachte nach dem Abitur mehrere Monate in Kanada und jobbte dort im Lieferservice. „Ich habe erlebt, wie selbstverständlich das genutzt wird“, sagt der 22-Jährige. „Wenn man wenig Zeit hat oder einfach nicht mehr rauswill, ist das völlig normal.“ Irgendwann stellten sich beide dieselbe Frage: Warum eigentlich nicht hier?

Warum hier?

Kennengelernt haben sich Kornell und Fernandez im Fitnessstudio, zunächst als Kollegen. Aus dem gemeinsamen Training entwickelte sich eine Freundschaft – und aus Gesprächen schließlich eine Geschäftsidee. Es folgten Monate der Vorbereitung, des Abwägens, der Improvisation. „Wir haben wirklich bei null angefangen“, sagt Fernandez. „Ohne Namen, ohne Reichweite, ohne fertige Strukturen.“

Bestellt wird heute über eine eigene Website, auch Kartenzahlung ist möglich. Die technische Grundlage erarbeiteten die Gründer selbst. „Wir haben eine Software gefunden, die zu uns passt, und uns intensiv eingearbeitet“, sagt Kornell. Vieles sei Learning by Doing gewesen.

An Türen geklingelt

Noch übernehmen beide sämtliche Aufgaben selbst – von der Ansprache der Restaurants über den Kundenkontakt bis hin zur Auslieferung. „Wenn viel los ist, fahren wir beide gleichzeitig“, sagt Fernandez.

Um Partner zu gewinnen, gingen sie den direkten Weg. „Wir haben an Türen geklingelt, unser Konzept vorgestellt und gefragt, ob Interesse besteht“, sagt Kornell. Acht Restaurants sind derzeit angebunden, rund 20 weitere wurden angesprochen. Absagen gehörten dazu. „Gerade am Anfang hieß es oft: Wir warten erst einmal ab“, sagt Fernandez. „Man muss sich Vertrauen und einen Namen erarbeiten.“

Das kulinarische Angebot haben die beiden jungen Männer bewusst breit angelegt: Döner, Sandwiches, Pizza, Bowls, Pasta und asiatische Küche sind mit dabei. Zustello ist täglich von 12 bis 22 Uhr im Einsatz. Geliefert wird in Donaueschingen, im Städtedreieck und in mehreren umliegenden Ortschaften – mit wachsendem Radius.

Zusätzliche Umsätze

Zwischen 20 und 40 Bestellungen pro Tag werden derzeit abgewickelt. „Das schwankt natürlich“, sagt Kornell. „Aber insgesamt zeigt die Kurve klar nach oben.“

Auch für die Gastronomie sehen die Gründer Vorteile. „Gerade abends oder an ruhigeren Tagen kann ein Lieferservice zusätzliche Umsätze ermöglichen“, sagt Fernandez. Zustello verstehe sich dabei als Ergänzung, nicht als Ersatz. „Das Restaurantgefühl bleibt einzigartig“, betont Kornell. „Ausgehen wird dadurch nicht verdrängt.“

Spätestens seit der Corona-Pandemie habe sich das Konsumverhalten spürbar verändert, sagen beide. „Es wird mehr online bestellt, mehr zu Hause gegessen“, sagt Fernandez. Gleichzeitig sei der Alltag vieler Menschen eng getaktet. Genau dort setze Zustello an: „Essen bestellen sollte kein Luxus sein“, sagt Kornell. „Bis kurz vor dem Essen noch bestellen zu können – und das zu fairen Preisen – das ist unser Anspruch.“

Menschen sind neugierig

Der Weg dorthin verläuft nicht ohne Brüche. „Es gibt Phasen, da läuft alles reibungslos“, sagt Fernandez. „Und dann gibt es Tage mit technischen oder organisatorischen Herausforderungen.“ Dennoch überwiegt die positive Resonanz. „Das Feedback ist sehr wertschätzend“, berichtet Milot Kornell. „Viele sagen: Endlich gibt es das.“ Was der Bauer nicht kennt, frisst er nicht? Dieses Vorurteil erleben die beiden kaum. „Die Menschen sind neugierig“, macht Brandon Fernandez deutlich. „Und offen für Neues.“

Essen auf Bestellung

Lieferdienste
gehören für viele Menschen inzwischen zum Alltag. Laut Statista bestellt rund jeder dritte Deutsche mindestens einmal im Monat Essen nach Hause, etwa jeder Vierte sogar wöchentlich. Besonders gefragt sind Pizza, Burger und asiatische Gerichte. Zugleich wächst die Nachfrage nach vegetarischen und veganen Angeboten. Erste Essenslieferungen gab es in Deutschland bereits in den 1960er-Jahren, verbreitet wurden sie vor allem mit dem Pizza-Boom der 1980er. Einen starken Schub erhielt der Markt durch die Digitalisierung ab den 2000er-Jahren und die Corona-Pandemie: 2021 erreichte der Online-Markt für Essensbestellungen ein Volumen von mehreren Milliarden Euro. Viele Restaurants nutzen Plattformen wie Lieferando, Wolt oder Uber Eats, zahlen dafür jedoch Provisionen von teils bis zu 30 Prozent. Parallel gewinnen eigene Lieferdienste, Mehrwegverpackungen und Fahrradkuriere an Bedeutung.