Handys, Fernseher, Spielwaren, Schuhe, Fahrräder und Accessoires werden in der Lieferkrise vor Weihnachten wohl knapp.
Stuttgart - Die Suche nach einem Weihnachtsgeschenk wird in diesem Jahr für viele Verbraucher schwieriger und teurer. Gründe sind gestiegene Rohstoffpreise, geringere Produktionskapazitäten und massive Probleme im Warenverkehr aus Fernost. „Es wird höhere Preise geben“, sagt Sabine Hagmann, Hauptgeschäftsführerin des Handelsverbands Baden-Württemberg. „Die Liefer- und Produktpreise explodieren. Die Papierpreise für Verpackungen, Pakete und Werbeunterlagen haben sich fast verdoppelt.“
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Drei von vier Händlern klagten bereits im September über Lieferprobleme, wie eine Umfrage des ifo-Instituts zeigt. So wartete praktisch jeder Fahrradhändler auf wichtige Teile. Laut einer Mitgliederbefragung des Bundesverbands Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik (BME) haben viele Einkaufsmanager „anhaltende Schwierigkeiten, dringend benötigte Artikel für die letzten drei Monate des Jahres bei Ihren Lieferanten zu beschaffen“.
Handys, PCs, Laptops, Radios, Fernseher und Kühlschränke könnten fehlen
Besonders bei den beliebten Elektro- und Computerartikeln könnte es laut BME zu Jahresende eng werden. Konkret werden unter anderem elektronisches Spielzeug, Handys, PC, Laptops, Radios und Fernseher genannt. Aber auch bei Kücheneinrichtungen wie Kühlschränken und Backöfen stocke der Nachschub. Der Handelsverband Technik rechnet mit Engpässen bei Produkten mit drahtloser Datenübertragung, etwa Router oder Bluetooth-Lautsprecher.
Auch die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) konstatiert wegen des Chipmangels gerade in der Unterhaltungselektronik „eine erhebliche Knappheit“. „Unter manchem Baum könnte der Platz in diesem Jahr leer bleiben, falls jemand erst am letzten Adventssamstag nach begehrten Geschenken sucht“, sagt Analyst Gerhard Wolf.
Wird auch die Weihnachtsdeko knapp?
Engpässe gibt es aber auch in anderen Handelssegmenten. Der Handelsverband Spielwaren erwartet, dass „überdurchschnittlich beliebte Produkte“ nicht lieferbar sein könnten. Vereinzelt würden Möbelhändler und Baumärkte Abgaben begrenzen, teilt der Handelsverband Heimwerken, Bauen und Garten mit.
Logistikexperten rechnen damit, dass manche Billigartikel wie die Deko zu Advent oder Weihnachten in Asien bleiben könnten, weil sich der Transport nicht mehr lohne – die Containerkosten hätten sich in den vergangenen zwölf Monaten versechsfacht. Auch die populären Aktionswaren von Discountern wie Aldi oder Lidl dürfte nach Ansicht von Handelsexperten schwerer zu bekommen sein.
„Wie stark ein Händler von Lieferproblemen betroffen ist, hängt im Wesentlichen davon ab, wie viel und welche Ware er aus Fernost bezieht“, sagt Axel Augustin vom Handelsverband Textil, Schuhe und Lederwaren (BTE). Deshalb beträfen derzeitige Lieferprobleme, etwa bei Sportschuhen und Jeans, nur einen Teil der Modehändler.
Handelsverbände haben bereits Preissteigerungen angekündigt
Wegen der teils stark erhöhten Einkaufs- und Transportpreise haben bereits einige Handelsverbände Preissteigerungen angekündigt. „Die Chancen, Preiserhöhungen auch durchsetzen zu können, stehen nicht schlecht, weil viele Menschen jetzt Konsum nachholen wollen, der in der Pandemie nicht möglich war“, sagt Stefan Kooths, Konjunkturchef des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW). „Sie haben Geld auf der hohen Kante und reagieren deshalb weniger sensibel auf Preiserhöhungen.“