Eine Frau dreht an dem Heizthermostat einer Heizung. Was ändert sich für die Verbraucher durch die Lockerungen im Heizungsgesetz? (Symbolbild) Foto: Elisa Schu/dpa

Öl- und Gasheizungen sollen mit den Lockerungen des Heizungsgesetzes wieder möglich sein. Lieferant Engelhorn’s Welt aus Oberndorf erklärt welche Auswirkungen das auf Kunden hat.

Das Thema Heizen ist in den vergangenen Tagen vermehrt zum Gespräch geworden. Der Grund ist nicht etwa der Jahreszeit geschuldet, sondern den Beratungen der Regierungskoalition. Diese hat sich auf ein Eckpunktepapier zur Reform des Heizungsgesetzes verständigt. Doch was bedeutet das für Kunden und Lieferanten?

 

Um die Änderungen kurz zusammenzufassen: Bislang wurde in dem Gesetz zum Beispiel festgelegt, dass in Neubauten keine Gas- oder Ölheizungen mehr verbaut werden dürfen, in Bestandsbauten nur unter bestimmten Bedingen. So müssen Ersatzinstallationen im Bestand ab 2029 mit mindesten 65 Prozent erneuerbaren Energien betrieben werden. Durch die Lockerung soll es nun wieder möglich sein, auch in Neubauten Öl- oder Gasheizungen einbauen zu lassen anstelle von beispielsweise einer Wärmepumpe. Lieferanten sollen künftig einen Mindestanteil von klimafreundlichen Brennstoffen von zehn Prozent ab 2029 ausweisen. Die Förderung von klimafreundlichen Alternativen soll bestehen bleiben.

Unsere Redaktion fragte beim Lieferanten Engelhorn in Aistaig nach, was das nun konkret bedeutet. Das Unternehmen begrüßt die geplanten Änderungen, wie Robin Jackl auf Nachfrage unserer Redaktion berichtet. Das habe einige Vorteile. Kunden würden nicht gedrängt werden, ihre noch intakte Heizungsanlage auszutauschen, und können weiterhin beim Heizöl bleiben.

Lieferant begrüßt die Änderungen

Auch mit Blick auf E-Fuels, also synthetische und somit CO₂-neutrale Kraftstoffe, sei die Entscheidung richtig, so Jackl. Allerdings müssten die politischen und steuerrechtlichen Rahmenbedingungen geschaffen werden. E-Fuels seien für Heizöl derzeit noch nicht zugelassen. HVO-Diesel würde aber zeigen, dass synthetische Kraftstoffe wirtschaftlich und technisch funktionierten. „Willkürliche Verbote von erwiesenermaßen wirtschaftlichen Technologien lehnen wir prinzipiell ab. Technologieoffene Subventionen dagegen sind ein gutes Mittel für den maßvollen Anreiz zur Transformation im Energiesektor.“

E-Fuels bekommen eine Chance

Könnten die Lockerungen dazu führen, dass Alternativen wieder ausgebremst werden? Das bezweifelt das Unternehmen. Die Technologieoffenheit werde aus seiner Sicht dazu führen, dass sich die sinnvollste Variante entwickeln könne. E-Fuels hätten nun eine Chance, zum Klimaschutz beizutragen, indem bestehende Infrastruktur für CO₂- neutrales Heizen genutzt werden könne. Hohe Investitionskosten und Ressourcenverbräuche für neue Infrastruktur würden so entfallen.

„Klimaschutz ist wichtig, keine Frage. Für den Endverbraucher geht es letztendlich aber um bezahlbares Heizen“, sagt Jackl. Im Hinblick auf gestiegene Lebenshaltungskosten spiele die Leistbarkeit der Heizung eine entscheidende Rolle.

So sei bei einer Ersatzbeschaffung meist eine neue Ölheizung, die weniger verbrauche, sinnvoller. Das komme aber auf den Einzelfall und die Risikobereitschaft an. Gerade bei einem neuen Heizsystem müsse überprüft werden, ob sich die Investitionskosten in der Zukunft auch lohnten. Bei einem Neubau sei es sinnvoll, die Heizung auf die energetische Bauweise abzustimmen. Das bedeutet, dass bereits beim Bau versucht wird, den Energiebedarf so gering wie möglich zu halten und dann gegebenenfalls nur noch zuzuheizen ist.

Könnten durch das Gesetz die Energiepreise sinken? Das hänge von mehreren Faktoren ab, erklärt der Lieferant. Der Heizölpreis sei maßgeblich an den Rohölpreis gekoppelt n dieser könne immer wieder schwanken. Es werde aber versucht, ihn konstant zu halten. Für die Kunden sei zuletzt die steigende CO₂-Steuer spürbar gewesen, nicht etwa der Heizölpreis selbst. Mit „dem Vormarsch synthetischer Kraftstoffe“, auf die keine CO₂-Steuer erhoben werde, gebe es aber die Aussicht auf sinkende Preise, so Jackl.

Jedem sei klar, dass sich der Energiesektor im Hinblick auf den Klimaschutz ändern müsse. Jackl ist aber der Meinung, dass dies durch „Aktionismus, der Milliarden an Steuergeld verschlingt“, nicht gelinge und wünscht sich von der Politik eine faire und langfristige Strategie, welche für den Großteil der Bevölkerung verträglich sei und nachhaltig den Klimaschutz stärke.